Staat muss handlungsfähig bleiben Verbeamtung hat als Lockmittel ausgedient

Meinung | Düsseldorf · Die Landesregierung hat einen Bericht vorgelegt, wonach die Qualität der Bewerbungen und der eingestellten Kräfte abnimmt. Das erfordert ein zügiges Umdenken.

 Bei den schulischen Anforderungen machen Behörden inzwischen immer stärkere Abstriche. In einigen Bereichen reicht ein „befriedigend“ in zentralen Fächern oder sogar nur der bestandene Schulabschluss, um zum Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden.

Bei den schulischen Anforderungen machen Behörden inzwischen immer stärkere Abstriche. In einigen Bereichen reicht ein „befriedigend“ in zentralen Fächern oder sogar nur der bestandene Schulabschluss, um zum Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden.

Foto: dpa/Marijan Murat

Der Befund des Landes, dass die Qualität der Bewerbungen für die Jobs in den Verwaltungen sinkt, ist alarmierend. Denn die Aufgaben, vor denen Nordrhein-Westfalen steht, sind gewaltig – und damit eigentlich attraktiv. Im Straßenbau soll der Sanierungsstau der vergangenen Jahrzehnte in den kommenden zehn Jahren beseitigt werden.

Um die Ansprüche der Politik auf straffere Asylverfahren umzusetzen, müssten Gerichte deutlich schneller arbeiten. Die aus allen Nähten platzenden Schulen benötigen dringend Lehrer. Und um das Ziel der ersten klimaneutralen Industrieregion zu verwirklichen, müssten die Bezirksregierungen die Energiewende mit viel höherem Tempo vorantreiben. Doch für all dies gilt es, die Stellen ordentlich zu besetzen.

Es gibt den klugen Nachwuchs, er entscheidet sich nur nachweislich seltener für den öffentlichen Dienst, dem inzwischen 66 Prozent der Bevölkerung nicht mehr zutrauen, seine Aufgaben gut zu erfüllen. Das Berufsbeamtentum galt einmal als hoch angesehen und damit als Lockmittel.

Doch offenbar löst der sichere Hafen auf Lebenszeit mit Privatversicherung, amtsangemessener Alimentation inklusive Zulagen und hoher Pension bei der Generation Z keine Faszination aus. Bei den Tarifangestellten verwiesen die öffentlichen Arbeitgeber gern darauf, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf beim Staat hervorragend sei. Doch die Privatwirtschaft hat den behäbigeren Staat diesbezüglich längst überholt.

Die einfachste, aber am wenigsten nachhaltige Herangehensweise ist es, die Anforderungen immer mehr zu senken. Das gefährdet am Ende die Handlungsfähigkeit des Staates und wirkt auf gute Bewerber zusätzlich abschreckend. Besser wäre es, wenn kluge Köpfe sich Gedanken darüber machen, wie der öffentliche Dienst attraktiver wird. Damit der Staat im Wettbewerb um die besten Köpfe Boden gutmacht.