Neueste Betrügereien in NRW: Die häufigsten Maschen der Trickdiebe

Neueste Betrügereien in NRW : Die häufigsten Maschen der Trickdiebe

Trickdiebe sind erfinderisch. Das Landeskriminalamt NRW hat für unsere Redaktion eine Liste der zurzeit gängigsten und neuesten Betrügereien zusammengestellt.

Es ist 13.46 Uhr, als es bei Hannelore Krüger an der Haustür klingelt. Die 78-jährige Rentnerin, die allein in einer kleinen Zweizimmer-Wohnung in Essen-Frohnhausen lebt, erwartet eigentlich niemanden um diese Uhrzeit. Als sie die Tür öffnet, steht vor ihr ein Mann, der einen scheckkartengroßen Ausweis in der Hand hält und sich als Mitarbeiter der Stadtwerke Essen ausgibt. Er wolle die Wasserleitungen überprüfen, sagt er.

Hannelore Krüger lässt ihn rein. "Ich hatte keinen Grund, an seinen Angaben zu zweifeln", sagt sie später der Polizei. Wenige Minuten, nachdem der Mann wieder gegangen ist, stellt die Rentnerin fest, dass ihr Bargeld und Schmuck im Wert von mehreren Tausend Euro gestohlen worden sind.

Landesweit hat die Zahl von Trickbetrug stark zugenommen. Das Landeskriminalamt (LKA) warnt, dass derzeit Trickbetrüger in großer Zahl unterwegs sind und mit unterschiedlichen Methoden versuchen, die Menschen zu bestehlen und zu betrügen. "Ob an der Haustür, am Telefon, in der Stadt, auf dem Markt — fast überall lauern diese Kriminellen", betont ein Ermittler. Das LKA hat für unsere Zeitung eine Auswertung der derzeit gängigsten und neuesten Trickbetrügereien zusammengestellt.

Taschendiebstahl durch Antanzen in Diskotheken und Kneipen Bei diesem Trick handelt es sich um eine relativ neue Masche. Im Jahr 2012 registrierte das LKA 61 Fälle in NRW, davon 47 in Köln sowie 13 in Düsseldorf, Dortmund und Münster. "Dazu muss man sagen, dass es sich nur um die gemeldeten Fälle handelt. Wir gehen davon aus, dass die Dunkelziffer weitaus höher liegt", betont ein Kölner Kriminalhauptkommissar. Für 2013 stiegen die Fallzahlen auf einen dreistelligen Wert an. Die Täter sind laut LKA zwischen 18 und Anfang 20 Jahre alt und stammen in den meisten Fällen aus den arabischen Staaten am Mittelmeer. Sie tanzen ihre Opfer, meist junge Frauen, gezielt auf der Tanzfläche an, um sie anschließend zu bestehlen, wenn sie sich näher kommen.

Trickdiebstahl auf Parkplätzen Die Kriminellen klopfen auf Parkplätzen an die Autos ihrer Opfer und geben dann einen angeblichen Schaden am Fahrzeug vor oder lenken den Fahrer auf eine andere Weise ab. Dabei entwenden sie Taschen, Geldbörsen und andere Wertsachen aus dem Innenraum. Die Fallzahlen nahmen von 2012 auf 2013 zu. Die Kriminellen sind in der Regel zwischen 30 und 40 Jahre alt. Es handelt sich dem LKA zufolge meist um Personen aus Südamerika oder Nordafrika.

Geldwechseltrick Nach wie vor ist diese Masche eine der häufigsten. Diese Tätergruppen bitten fast ausschließlich ältere Personen in Parkhäusern, auf Parkplätzen von Supermärkten oder in der Innenstadt, eine Münze für Parkautomaten oder zum Telefonieren zu wechseln. Auf der Suche nach den passenden Münzen in der Geldbörse entwenden die meist männlichen Täter die vorhandenen Geldscheine. Für das Jahr 2012 wurden 530 Taten festgestellt. Für 2013 stiegen die Fallzahlen tendenziell an. Das Alter der Tatverdächtigen liegt zwischen 25 bis 55 Jahre. Knapp 50 Prozent der ermittelten Tatverdächtigen sind laut LKA rumänischer Herkunft.

Goldtrick Bei dieser Methode fragen südländische Frauen auf der Straße ältere Menschen nach dem Weg zum Krankenhaus. Für die Antwort bedanken sich die Frauen überschwänglich und umarmen ihre Opfer. Dabei wird Goldschmuck geschickt entwendet, stellenweise aber auch einfach abgerissen. Eine genaue Zahl der Fälle liegt nicht vor.

Spendensammler-Trick Ein LKA-Ermittler erklärt die Masche: "Insbesondere Jugendliche rumänischer Herkunft sprechen Passanten auf eine Spende für Taubstumme an und halten eine Liste vor, in die sich die Opfer eintragen sollen." Die vermeintliche Spendenorganisation existiert jedoch in den meisten Fällen nicht. "Während des Gesprächs werden häufig Geldbörsen oder Mobiltelefone unter der vorgehaltenen Liste entwendet."

Die NRW-Kriminalstatistik für das Jahr 2013 wird im März veröffentlicht. Die Polizei geht davon aus, dass die Trickbetrügereien weiter zugenommen haben und in den nächsten Jahren weiter steigen werden. Ein Ermittler erklärt den Grund für diese Annahme: "Viele Kriminelle kommen über die Grenzen nach Deutschland. Sie begehen hier ihre Taten und verschwinden dann wieder." In Duisburg, Dortmund und Köln, wo besonders viele Zuwanderer aus Rumänien und Bulgarien leben, melden die Sicherheitsbehörden seit vielen Monaten stetig wachsende Zahlen von Trickbetrug. Insbesondere der Einsatz von Kindern bereitet der Polizei weiter große Sorge.

Denn kaum eines von ihnen landet vor Gericht oder kommt gar ins Gefängnis. Denn bei ihnen handelt es sich um Strafunmündige, die nicht älter als 13 Jahre sind und aus Südosteuropa stammen. Sie überfallen ihre Opfer an Geldautomaten. Aufgrund ihres Alters sind sie nicht strafmündig, und den Ermittlern bleibt nichts anderes übrig, als von ihnen die Personalien festzustellen.

Hannelore Krüger wird ihren gestohlenen Schmuck wohl nie wieder sehen. "Die Polizei hat mir wenig Hoffnung gemacht", sagt sie. Doch eines hat sie aus dem Vorfall gelernt. "Ich werde nie wieder einem Fremden die Tür öffnen. Und schon gar nicht, wenn ich allein bin."

Hier geht es zur Infostrecke: Chronik: Kriminalität in der Düsseldorfer Altstadt

(RP)