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Deutscher Wetterdienst: Es wird noch viel stärkere Unwetter in NRW geben

Nach Starkregen in Wuppertal : Wetterdienst erwartet in Zukunft noch mehr „extreme Unwetter“ in NRW

Seit Wochen kommt es in NRW immer wieder zu heftigen Regenfällen und Gewittern. Am Dienstag sorgte Starkregen für eine überflutete Innenstadt in Wuppertal. Müssen wir in Zukunft regelmäßig mit extremen Wetterlagen rechnen? Der Deutsche Wetterdienst gibt Antworten.

10. April 2018: Allein in Düsseldorf muss die Feuerwehr mehrfach ausrücken, nachdem Starkregen und Gewitter einige Keller unter Wasser gesetzt haben.

Am 16. Mai zieht ein Tornado mit bis zu 253 km/h durch Viersen. Er verwüstet Häuser und Straßen und zieht sogar ein ganzes Wohnmobil in seinen Strudel.

27. Mai 2018: Starkregen und Gewitter gehen an verschiedenen Stellen in NRW nieder. Zwei Frauen werden vom Blitz getroffen.

29. Mai 2018: 116,6 Liter Regen gehen am Dienstag innerhalb von rund zwei Stunden auf Wuppertal nieder. Die Aufräumarbeiten werden wohl noch Tage dauern. Die stärkste Windböe trifft Düsseldorf mit 96 km/h (Windstärke 10). In Gütersloh fegte der Wind am zweitstärksten in NRW durch die Straßen mit 80 km/h. Zum Vergleich: Insgesamt gibt es zwölf Windstärken, ab Stärke 11 sprechen Meteorologen von orkanartigem Sturm. Von Starkregen sprechen Meteorologen ab 30 Liter pro Quadratmeter - und das durchschnittliche Monatsmittel beträgt in NRW 73 Liter pro Quadratmeter.

User-Videos: So heftig tobte das Unwetter über NRW

Darauf müssen sich die Menschen in NRW einstellen

Die wenigen Beispiele zeigen: Es sind extreme Wetterlagen, denen NRW allein in den ersten fünf Monaten des Jahres 2018 immer wieder ausgesetzt war. Aber werden es wirklich mehr Unwetter oder trügt das?

„Doch, man kann sagen, dass es immer mehr extreme Unwetter in NRW gibt“, sagt Franz-Josef Molé, Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst (DWD). „Wir müssen in Zukunft sogar mit Wassermassen rechnen, die ich in NRW niemals für möglich gehalten hätte.“ Genauer gesagt: Niemals für möglich gehalten hätte Molé, dass es irgendwann regelmässig zu Niederschlägen von mehreren hundert Litern pro Stunde kommen könnte. „Ich dachte, das absolute Maximum wäre 2014 in Münster erreicht worden. Damals regnete es 293 Liter pro Quadratmeter.“ Ein Einzelfall, dachte der Meteorologe, der sonst so in NRW nicht möglich ist. „Jetzt halte ich es aber durchaus für möglich und sogar für sehr wahrscheinlich, dass wir in den nächsten Jahren immer häufiger mit solchen Wassermengen und entsprechend starken Unwettern rechnen müssen.“

Der Klimawandel ist in den Daten sichtbar

Der Wissenschaftler hat auch eine Erklärung für diese Entwicklung: „Was wir hier erleben, ist ein Klimawandel, der nicht nur vorhergesagt ist, sondern der sich wirklich in Daten beobachten lässt.“ Seit Jahren gehe die gemittelte Temperature in NRW in Wellen nach oben, erklärt der Experte. Damit werde ein Klima geschaffen, dass Starkregen und Gewitter begünstigt - und zwar auch dann, wenn das aktuelle Wetter solche Unwetter eigentlich nicht unbedingt zulassen würde. „Zu uns kommt häufig feuchtwarme Luft aus dem Mittelmeer oder aus der Adria. Je wärmer es ist, desto mehr von diesem Wasserdampf kann die Luft aufnehmen und zu uns transportieren. Damit steigt in Deutschland die Wahrscheinlichkeit von Starkregen auch dann, wenn die Wetterlage noch die gleiche ist, wie vor 50 Jahren“, sagt Molé.

Wo genau die Unwetter niedergehen, lässt sich dabei nicht so genau sagen. Das hat zwei Gründe: Zum einen kann sich das bei so extremen Wetterlagen wie am Dienstag in sehr kurzer Zeit verändern kann. „Es bilden sich dann vor allem Gewitterzellen, die so unkontrolliert aufsteigen wie die Blasen in einem Topf kochendem Wasser“, sagt Molé. Entsprechend schwer ließe sich vorhersagen, wo genau es Gewitter geben wird. Zum anderen sind die Mess-Methoden für Niederschläge an bestimmten Orten noch relativ neu, also gerade mal 15 Jahre alt. „Für verlässliche Aussagen zum Klima braucht man aber Daten aus 30 Jahren“, sagt Molé. Er räumt aber ein: „Wir sehen in den Daten aus den 15 Jahren, dass die Orte, an denen es keine starken Unwetter gibt, weniger werden. Es kann einfach überall passieren.“

Auch für diese Woche sagt der Meteorologe weitere Unwetter voraus: Am Mittwoch ist die Gefahr zwar gering, am Donnerstag ist sie jedoch bei Temperaturen bis zu 29 Grad schon sehr hoch. „Und am Freitag wird die Unwettergefahr bei subtropischem Klima einen richtigen Höhepunkt erreichen.“ Welche Region es genau treffen wird, lässt sich zu diesem Zeitpunkt nicht vorher sagen. Aber immerhin: „Das Wochenende sollte dann ruhiger zugehen, bei angenehmen 23 Grad“, sagt Molé.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Einkaufszentrum in Wuppertal nach Unwetter überflutet