Deutsche will trotz Absturz von Shuttle "Space Ship Two" ins All

Raumflugzeug "Space Ship Two" : Deutsche will trotz Shuttle-Absturz ins All

Der Absturz des Raumflugzeugs "SpaceShipTwo" in Kalifornien ist ein Rückschlag für den Weltraumtourismus und den Milliardär Richard Branson. Die Hagenerin Sonja Rohde hält an ihrem Traum vom Flug ins All dennoch fest.

Nach dem Absturz des Passagier-Raumflugzeugs "SpaceShipTwo" hat Milliardär Richard Branson eine lückenlose Aufklärung des Unfalls versprochen. Zugleich seien er und sein Unternehmen Virgin Galactic entschlossen, aus den Fehlern der Katastrophe zu lernen und den Traum vom Weltraumtourismus weiter voranzutreiben. "Wir verstehen, dass Risiken bestehen, und wir werden nicht blind vorpreschen. Das zu tun, wäre eine Beleidigung für alle, die von der Tragödie betroffen sind", sagte Branson.

Die Raumfähre war am Freitag bei einem Testflug über Kalifornien abgestürzt. Der 39 Jahre alte Pilot Michael Alsbury kam ums Leben, sein 43-jähriger Kopilot Peter Siebold wurde schwer verletzt. Alsbury war laut Branson ein erfahrener Testpilot mit mehr als 1600 Flugstunden, der seit 13 Jahren für den Flugzeugbauer Scaled Composites arbeitete, der zu Virgin Galactic gehört. "SpaceShipTwo" war von einem Flughafen rund 150 Kilometer nördlich von Los Angeles abgehoben. Es wurde vom Trägerflugzeug "WhiteKnightTwo" in die Höhe gebracht und dann ausgeklinkt.

Nach Medienberichten kam es dann in einer Höhe zwischen 13 und 15 Kilometern zu Problemen. Die Flugaufsichtsbehörde FAA teilte mit, nach der Abkoppelung den Kontakt zum Raumflugzeug verloren zu haben. Das Mutterflugzeug landete sicher. Das Raumflugzeug sei im Flug vermutlich zerbrochen, so die US-Behörde für Transportsicherheit NTSB. Bis die Untersuchung abgeschlossen sei, könnten bis zu zwölf Monate vergehen. 2007 waren bei einem Test für das Triebwerk der "SpaceShipTwo"-Rakete bereits drei Menschen ums Leben gekommen. Virgin Galactic dürfe aber weiterarbeiten wie bisher.

Bereits gekaufte Tickets für die Passagierflüge ins All könnten jederzeit erstattet werden, versicherte Branson. Etwa 700 Menschen hatten bereits Plätze für je 250.000 US-Dollar (rund 198.000 Euro) gebucht, die ersten Flüge sollten 2015 starten. Eine der künftigen Weltraumtouristen ist die Immobilienkauffrau Sonja Rohde aus Hagen. "Solange die eigentliche Unfallursache nicht geklärt ist und es keine offiziellen Angaben über den Unfallhergang gibt, bleibe ich dabei und halte an meinem Traum fest", sagte die 37-Jährige. Ihr sei von Anfang an klar gewesen, dass es bei dem Vorhaben keine Sicherheitsgarantie gebe. Die Weltraumfahrt sei ein lebensgefährliches Unterfangen. Nach dem Absturz des Raumflugzeugs bei einem Testflug stelle sie sich auf eine jahrelange Verzögerung ein.

Der Unglücksflug war der erste Test des Raumgleiters mit Raketenzündung seit Januar. Berichten von Experten zufolge wurde diesmal eine andere Treibstoffmischung genutzt, die zuvor aber ausgiebig getestet worden sein soll. Insgesamt war es der 55. Testflug. Die maximale Flughöhe sollte 110 Kilometer betragen, also knapp über der Grenze zum Weltraum. Diese liegt bei einer Höhe von 100 Kilometern.

Nun ist Branson, der das goldene Zeitalter des Weltraumtourismus mit seinem dauerhaften Optimismus anscheinend so schnell wie möglich herbeizaubern wollte, vielleicht über das Ziel hinausgeschossen. Es sei unverantwortlich gewesen, schon für das kommende Jahr mit Passagierflügen ins All zu rechnen, sagt der Astrophysiker Jonathan McDowell. Bevor Touristen ins All geschossen werden können, seien noch mehr Testflüge notwendig. Für Weltraum-Enthusiasten ist dieser Crash ein herber Rückschlag. "Es wird eine lange Zeit vergehen, bevor wir sehen, wie sie Passagiere fliegen lassen", sagt McDowell.

(dpa)
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