Vandalismus auch in NRW: Deutsche Bahn: Zu viel Gewalt an Bahnhöfen

Vandalismus auch in NRW: Deutsche Bahn: Zu viel Gewalt an Bahnhöfen

Viele Reisende haben ein mulmiges Gefühl in Zügen und Bahnhöfen. Neben Gewalttaten machen der Deutschen Bahn Buntmetalldiebe, Vandalismus und Hausfriedensbruch zu schaffen. Auch in der Region gibt es immer wieder Fälle von Gewalt.

Alleinreisende haben auf Bahnhöfen, in Zügen oder Bussen leicht ein mulmiges Gefühl - besonders wenn sie spät abends oder auf wenig befahrenen Strecken unterwegs sind. "Dieses subjektive Empfinden entspricht jedoch meist nicht der Realität", sagt Jürgen Ostländer, Präventionsbeauftragter der Bundespolizei. "Bahnhöfe sind heute in der Regel sehr gut ausgeleuchtet und überwacht." Wenn es zum Konflikt kommt, gebe es meist eine Vorgeschichte - und die können die Reisenden zumindest beeinflussen.

Mit Blick auf die Sorge von Reisenden vor Gewalt in Bahnhöfen sagte Bahn-Sicherheitschef Gerd Neubeck am Mittwoch, dass diese weiter mehr Sicherheit böten als andere Orte im öffentlichen Raum. Zwar habe die Bundespolizei im vergangenen Jahr 14.600 Fälle von Körperverletzung auf Bahnhöfen und in Zügen verzeichnet, nahezu ebenso viele wie im Vorjahr. 40 Taten bei 7,4 Millionen Reisenden am Tag seien aber ein niedriges Niveau.

Überfälle und Massenschlägereien an NRW-Bahnhöfen

Doch immer wieder kam es in jüngster Zeit auch an Bahnhöfen in Nordrhein-Westfalen zu Auseinandersetzungen. So raubten im Februar zwei Männer am Hauptbahnhof in Krefeld einer 18-Jährigen die Handtasche mit dem Handy und etwas Geld. In Dinslaken überfielen im Januar fünf Männer einen 35-Jährigen aus Oberhausen, forderten das Handy und die Geldbörse und schlugen den Mann bewusstlos zu Boden.

Am Bahnhof in Rheinberg raubten zwei maskierte, muskulöse Männer im vergangenen Dezember einem 17-Jährigen sein Handy, seine Schuhe und seine Geldbörse. Dabei schlugen die beiden dem Jugendlichen mit der Faust ins Gesicht und sprühten ihm Pfefferspray in die Augen.

Völlig eskalierten die Situationen im Juli 2013 in Solingen und im April 2013 in Langenfeld. Am Solinger Hauptbahnhof lieferten sich zwei Gruppen eine Massenschlägerei. Am Langenfelder S-Bahnhof schlugen zwei Gruppen mit insgesamt 20 Beteiligten mit Holzlatten aufeinander ein. Weitere zurückliegende Vorfälle gibt es in unserer Infostrecke.

Die Präsenz von Bahn-Mitarbeitern gerade in Ballungsgebieten habe auch die Schäden durch Vandalismus und Graffiti geschmälert, sagte Gerd Neubeck. Die Zahl der Fälle mutwilliger Zerstörung oder Sprayerei sei 2013 um 30 Prozent auf 27.000 gesunken. Die Reparatur von kaputten Sitzen oder zerkratzten Scheiben und die Reinigung angesprühter Züge kosteten den Konzern insgesamt 30 Millionen Euro (minus 10 Prozent).

6,6 Millionen Euro davon gingen für Graffiti-Schäden drauf. Regionale Schwerpunkte von Vandalismus als auch Buntmetalldiebstählen sind Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, und Berlin.

Buntmetalldiebe sorgen für Verspätungen der Züge

  • Fotos : Dreckige und kaputte Bahnhöfe in der Region

Die Deutsche Bahn kämpft auch gegen Kupfer- und Aluminiumdiebe - und steigert damit auch die Pünktlichkeit ihrer Züge. Mit einem Rückgang der Delikte sank im vergangenen Jahr die Zahl der Verspätungsminuten. Wegen fehlender Kabel oder Schienenstücke mussten Reisende über das Jahr verteilt zwar noch immer auf 10 000 Züge warten, 2012 waren es aber noch 17.000, wie Sicherheitschef Gerd Neubeck am Mittwoch sagte. Die Verspätungsminuten gingen demnach um 45 Prozent zurück.

Die Abnahme der Diebstähle begründete Neubeck mit dem verstärkten Einsatz von Sicherheitsteams und der Markierung von Kabeln und Anlagen mit künstlicher DNA. Dabei werden Buntmetalle auf jeder Strecke und Baustelle mit individuellen Codes gekennzeichnet.
Versuchen Täter, die Markierung zu entfernen, landet das Material auf Händen und Kleidung.

Weil mehr Sicherheitsteams auf Bahnhöfen unterwegs sind, wurden laut Neubeck auch mehr Fälle von Hausfriedensbruch festgestellt: Es waren 70 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Anstieg auf deutschlandweit 6100 Fälle habe jedoch nichts damit zu tun, dass an Bahnhöfen mehr los sei. "Wir greifen deutlich härter durch", sagte der Sicherheitschef. Das betreffe Gelage von Betrunkenen oder Raucher, die Verbote ignorierten.

Bundespolizei rät Reisenden Abstand zu halten

Rücksichtnahme und Aufmerksamkeit seien für Reisende die besten Mittel zur Gewaltprävention, sagt Jürgen Ostländer von der Bundespolizei. "Zu Übergriffen auf Bahnhöfen oder in Zügen kommt es meist dann, wenn sich einzelne oder Gruppen zu nahe kommen." Angetrunkene Personen solle man im Zweifel lieber ignorieren und ihnen aus dem Weg gehen, als sie mit Kommentaren schlimmstenfalls zu provozieren. Auch im Zug sollte man Abstand zu aggressiv wirkenden Personen wahren: "Reisende sollten lieber aussteigen oder sich umsetzen, wenn sich eine aufdringliche Person neben sie setzt oder eine auf Krawall gebürstete Gruppe das Abteilbetritt", empfiehlt der Präventionsbeauftragte.

Ohnehin sei es ratsam, sich eher in einem Abteil mit mehreren friedlichen Reisenden aufzuhalten, die im Konflikt eingreifen können - und vermutlich auch würden. "Eine direkte, laute und eindeutige Ansprache hilft fast immer", berichtet Ostländer von seinen Erfahrungen im Präventionstraining. "Sagen Sie nicht einfach "aufhören". Sagen Sie zum Beispiel "Sie dort in der schwarzen Jacke: Der Mann belästigt mich, helfen Sie mir.'"

Und gerät die Situation doch außer Kontrolle, sollten Reisende keine Scheu haben, umgehend die 110 zu wählen und den Schaffner, Lokführer, Busfahrer oder das Sicherheitspersonal am Bahnhof zu informieren.
Dafür stehen meist auch Notrufsysteme zur Verfügung. "Niemand ist böse, wenn sich die Situation dann doch friedlich löst", sagt Ostländer. "Besser, Sie holen sich rechtzeitig Hilfe, als dass Sie sich unnötig in Gefahr begeben."

Auch das Bahn-Personal ist häufig Opfer von Angriffen. An keinem anderen Bahnhof in NRW gab es im vergangenen Jahr mehr Übergriffe auf Bahn-Personal als in Köln: Mit rund 30 Vorfällen lag die Zahl 2013 in Köln rund doppelt so hoch wie an den Bahnhöfen Düsseldorf und Dortmund.

Hier geht es zur Infostrecke: NRW: Gewalt an Bahnhöfen

(dpa)
Mehr von RP ONLINE