Deutsche Bahn: So sollen sich die Bahnhöfe 2019 in NRW verändern

Bahnhöfe in NRW : Bessere Anzeigen, mehr Videokameras

Der Chef der Bahn-Tochter Station und Service in NRW, Stephan Boleslawsky, verrät im Gespräch mit unserer Redaktion, was bei einem modernen Großstadtbahnhof nicht fehlen darf und welche Pläne er 2019 umsetzen will.

In der NRW-Zentrale der Deutschen Bahn in der Nähe des Düsseldorfer Hauptbahnhofs residiert im vierten Stock Stephan Boleslawsky. Der Chef der DB-Tochter Station und Service ist verantwortlich für knapp 700 NRW-Bahnhöfe und damit für 1100 Mitarbeiter. Auf einem Schrank seines Büros stehen ein Modellbahnhof, eine Apollo-Saturn-V-Rakete und die Animation seines größten Sorgenkindes, des Duisburger Hauptbahnhofs. An der Wand lehnt ein gerahmtes Schalke-Trikot mit dem Namen der Zeche „Graf Bismarck“. Zum Ende des Steinkohlebergbaus hat es Benjamin Stamboulli getragen. Der Bahnhofschef hat das Trikot ersteigern lassen und will es dauerhaft am Gelsenkirchener Hauptbahnhof ausstellen – als Verneigung vor der Leistung der Kumpel. Was er sonst noch plant, verriet er im Gespräch.

Stephan Boleslawsky, Bahnhofschef in NRW. Foto: Blazy, Achim (abz)

Kundeninfos Unzufrieden ist Boleslawsky mit den Kundeninformationen: „Heute zeigen wir den Reisenden auf den Anzeigen am Bahnsteig an kleinen Bahnhöfen oft nur die geplante Uhrzeit und die Verspätungsminuten an. Wir wollen den Kunden aber gerne mehr anbieten.“ Deshalb will die Bahn auf den Displays – die auch kontinuierlich vergrößert werden sollen – weitere Informationen anzeigen, zum Beispiel Folgezüge.

Beschwerden gibt es von Reisenden aber auch immer wieder über die Qualität der Informationen. Er sei selbst mit der aktuellen Situation oft unzufrieden, sagt Boleslawsky. „Allerdings können wir nur so gut informieren, wie wir im Störungsfall die Informationen von den Eisenbahnverkehrsunternehmen bekommen, sei es zur Wagenreihung oder zu Verspätungen.“ In NRW seien 15 verschiedene Unternehmen im Personenverkehr unterwegs. Diese Infos im Störungsfall zuverlässig zu bekommen, sei nicht ganz einfach. „Das Land NRW macht da erfreulicherweise mit seiner Vernetzungsinitiative verstärkt Druck.“

Zudem will Boleslawsky den Kunden den Weg zum Gleis erleichtern: „Wir denken auch über moderne Navigation im Bahnhof nach. Es wäre doch wünschenswert, wenn der Kunde sein Smartphone zückt und im Bildschirm mit Hilfe der Kamera eine exakte Wegbeschreibung zu seinem Gleis bekommt.“

Graffiti/Vandalismus „Nach nahezu jedem Fußballspiel haben wir anschließend eine eingeschlagene Vitrine oder andere Beschädigungen im Bahnhof“, sagt Boleslawsky. Das Hauptproblem sei aber Graffiti. Die Bahn hat deshalb Graffiti-Künstler engagiert, die hochwertige Arbeiten in und an den Bahnhöfen herstellen. „Die Künstler geben uns sogar zehn Jahre Garantie auf ihre Arbeiten. Sie sind sich sehr sicher, dass die Werke von anderen Sprayern respektiert und nicht übersprüht werden“, erklärt der Bahnhofschef. Falls das doch geschehe, werde nachgebessert. Boleslawsky hofft, dass so die Hemmschwelle für Vandalismus höher gesetzt wird. Die Bahn ist zu solch kreativen Lösungen verdammt. Schließlich beteiligt sich das Land finanziell nicht mehr an der sogenannten Graffiti-Offensive. Das erklärt Boleslawsky zufolge auch das schlechtere Abschneiden im VRR-Stationsbericht. „Wir haben insbesondere wegen Graffiti-Schmierereien schlechtere Bewertungen als im Vorjahr bekommen.“ Deshalb will er mit dem VRR über zusätzliche Mittel zur Beseitigung von Graffiti sprechen. „Wir haben bei dem Thema eine gemeinsame Verpflichtung. Als DB geben wir in NRW heute schon knapp drei Millionen pro Jahr zur Beseitigung von Vandalismusschäden aus.“ Mit dem Geld könne man die Modernisierung zweier kleinerer Bahnhöfe finanzieren.

Videoüberwachung „Deutsche Bahn und Bundespolizei bauen die Videoüberwachung an Bahnhöfen kontinuierlich aus“, sagt der NRW-Bahnhofschef. Allerdings sein eine flächendeckende Videoüberwachung aus Gründen des Datenschutzes nicht möglich. In NRW sind aktuell 280 Bahnhöfe mit knapp 2000 Kameras ausgestattet.

Bautätigkeit Im laufenden Jahr will Station und Service zwischen 30 und 40 Projekte fertigstellen und 37 beginnen. „Wir haben unser Investitionsvolumen um 20 Prozent auf 200 Millionen Euro erhöht. Viel mehr ist im laufenden Betrieb nicht möglich.“ Boleslawsky größtes Sorgekind bleibt nach eigenen Aussagen der Duisburger Hauptbahnhof. Die Modernisierung hat er zweimal ausgeschrieben und zweimal keine geeigneten Angebote bekommen. „Das ist beispiellos“, sagt er. Die Bahn reagiert nun, indem sie die Ausschreibung entschlackt und den Auftrag mit einem Vorlauf von nahezu einem Jahr statt nur vier bis sechs Monaten beauftragen will. „Wann es nun konkret losgeht, soll Ende April feststehen. „Aber auch in der Übergangszeit wollen wir den Reisenden zeigen, dass wir fest zur ,Welle’ stehen. Wir planen mehr Aufenthaltsquälität an den Bahnsteigen. Und was selbstverständlich ist: Wir reparieren das Dach so, damit die Reisenden nicht mehr im Regen stehen.“

Barrierefreiheit Aktuell sind erst 76 Prozent der Bahnhöfe barrierefrei. „Ende des Jahres werden wir etwa bei 80 Prozent sein. Unser Anspruch ist es, all unsere Bahnhöfe barrierefrei zu machen“, sagt Boleslawsky.

Was braucht ein guter Großstadtbahnhof? „Zunächst einmal brauchen wir eine gute Basisqualität – also einen sauberen, sicheren Bahnhof mit einer hohen Qualität und Ausstattung der Reisendeninformation.“ Außerdem nennt der Bahnhofschef gute Aufenthaltsmöglichkeiten, an denen die Reisende sehen könnten, wann der Zug abfahre. Hinzu kämen Produkte rund um die Reise – angefangen bei Büchern und Zeitungen, ein attraktives Gastronomieangebot, die Bahnhofsmission, Super- und Drogeriemarkt. „In die Zukunft gedacht gehören auch Smart-Locker dazu. Zudem denken wir verstärkt über die Einrichtung von Co-Working-Spaces nach.“

Energieeffizienz Die Bahnhöfe in NRW seien im bundesweiten Vergleich Vorreiter, wenn es um Energieersparnis gehe, sagt Boleslawsky nicht ohne Stolz. Vieles lasse sich bei der Beleuchtung einsparen. „Allein durch LED und  die Umstellung der Heizungen auf moderne Anlagen bieten enormes Potenzial. Wir haben gegenüber dem Jahr 2014 dadurch 30 Gigawattstunden eingespart –  mit der Energie ließe sich 83 Jahre lang nachts den Kölner Dom beleuchten – und der hat nicht gerade wenig Leuchten.“ Zudem werden die beiden größten Bahnhöfe in NRW, Köln und Düsseldorf, ab sofort mit 100 Prozent Ökostrom versorgt.

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