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Der Veranstalter des Rü-Oktoberfests in Essen setzt auf die 2G-Regel

Zutritt nur geimpft oder genesen : Warum ein Oktoberfest-Veranstalter in Essen auf die 2G-Regel setzt

Das mehrtägige Rü-Oktoberfest in Essen soll stattfinden, Einlass gibt es jedoch nur für Geimpfte und Genesene. Immer mehr Veranstalter in NRW setzen damit auf die sogenannte 2G-Regelung.

Eigentlich, sagt Thomas Terdisch, wäre es einfacher gewesen, das Oktoberfest in Essen-Rüttenscheid abzusagen. So wie es viele andere seiner Kollegen gemacht haben: Die Veranstalter des Xantener Oktoberfests zum Beispiel oder die in Köln. Selbst München hat die Wiesn dieses Jahr aus dem Kalender gestrichen. Für das Rü-Oktoberfest in Essen klappe es nur dank der sogenannten 2G-Regelung, sagt Terdisch.

2G steht für Geimpfte und Genesene. Nur sie dürfen das Rüttenscheider Fest besuchen. Ein negativer Corona-Test reicht für den Besuch der Veranstaltung nicht aus. Auch die Düsseldorfer Karnevalisten haben vergangene Woche mit einem ähnlichen Vorstoß Schlagzeilen gemacht. Für die kommende Session kündigten die Karnevalisten in Düsseldorf an, dass sie auf die 2G-Regel setzen. „Ein negativer Corona-Test reicht uns nicht, um uns vor dem Virus zu schützen“, sagte Hans-Jürgen Tüllman, der Geschäftsführer des Comitees Düsseldorfer Carneval. Auch die Prinzengarde der Stadt Krefeld gab in seiner jüngsten Vorstandssitzung bekannt, dass künftig für alle Veranstaltungen auf 2G gesetzt wird. Mit dem 1. FC Köln hat sich bereits auch ein Fußballverein für diese Regel bei Besuchern entschieden.

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Für Thomas Terdisch sind es vor allem pragmatische Gründe, die für den ausschließlichen Einlass von Geimpften und Genesenen sprechen. Würde er auch Getestete reinlassen, müsse er Masken und Abstand gewährleisten, sagt Terdisch. „Damit kriege ich nur 500 Leute ins Zelt.“ Finanziell wäre das Rü-Oktoberfest für ihn dann ein Verlustgeschäft, sagt der Veranstalter. „Bei 500 Leuten würde ich massiv draufzahlen.“ Er rechnet für die mehrtägige Veranstaltung mit 3500 Besuchern am Tag. Außerdem würden Abstand und Masken gar nicht zum Charakter des Fests passen. „Die Menschen tanzen auf Bierbänken, ich kann keinen an den Tisch fesseln“, sagt Terdisch. Er wolle eine Veranstaltung, die gleichzeitig Spaß mache und ihn finanziell nicht ruiniere. „Das geht aktuell nur mit 2G.“ Die Stadt Essen habe ihm zugesichert, dass das Rü-Oktoberfest unter diesen Bedingungen stattfinden könne. „Ich hätte es auch viel lieber mit 3G gemacht.“

Auch aus medizinischer Sicht kann der Einlass nur von Geimpften und Genesenen sinnvoll sein. „Ich bin der Überzeugung, dass wir früher oder später zu einer 2G-Regelung kommen müssen“, sagte Weltärztepräsident Frank Ulrich Montgomery in einem Interview mit dem „Deutschlandfunk“. Es gehe dabei nicht nur um die Gesundheit des Einzelnen, sondern um die Verhinderung der Infektionen insgesamt. „Bei jeder Infektion kann eine neue Mutation entstehen“, sagte Montgomery. Auch politisch hat 2G prominente Unterstützer. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach haben sich bereits für die Regelung ausgesprochen.

Nachdem Terdisch sie jedoch für das Rü-Oktoberfest angekündigt hat, gab es auf der Facebook-Seite der Veranstaltung einige negative Kommentare. Einer von ihnen vergleicht die 2G-Regelung etwa mit dem Bau der Berliner Mauer, andere beschweren sich über eine „Zwei-Klassen-Gesellschaft“. „Solche Reaktionen muss man als Veranstalter einfach ignorieren“, sagt Terdisch. Zumal die negativen Stimmen nur im sozialen Netzwerk vorkämen. „In Gesprächen vor Ort bekomme ich ausschließlich Zustimmung für die Entscheidung.“