Debatte um „Störerzimmer“ - Netzwerk Kirchenasyl stellt Strafanzeige

Vorwürfe wegen Freiheitsberaubung : Netzwerk Kirchenasyl Münster stellt Strafanzeige wegen „Störerzimmer“

Das Netzwerk Kirchenasyl Münster hat nach Vorwürfen wegen mutmaßlicher Freiheitsberaubung in einer früheren Notunterkunft für Flüchtlinge Strafanzeige gestellt.

In einem auf ihrer Internetseite veröffentlichten Brief an das NRW-Flüchtlingsministerium, die Bezirksregierung Münster, die Stadt Münster, den Sicherheitsdienst sowie den Betreiber, die Johanniter-Unfall-Hilfe, forderte die Organisation am Montag lückenlose Aufklärung. Die Staatsanwaltschaft Münster solle nun die Vorfälle von 2016 um das mutmaßliche sogenannte Störerzimmer in der mittlerweile geschlossenen Einrichtung untersuchen.

Sowohl die Bezirksregierung Münster als auch die Johanniter hatten vorige Woche den Vorwürfen widersprochen, dass in der Notunterkunft Flüchtlinge eingesperrt worden seien. Der Münsteraner Online-Blog „Die Wiedertäufer“ hatte über den Fall unter Berufung auf vier ehemalige Mitarbeiter der Flüchtlingsunterkunft berichtet, die auf einem früheren Kasernengelände untergebracht war. Demnach seien dort Bewohner bei kleinsten Verstößen gegen die Hausordnung vom Sicherheitsdienst in gesondert bewachte „Störerzimmer“ eingeschlossen worden.

Das Netzwerk Kirchenasyl rief alle Beteiligten und Verantwortlichen auf, zur Aufklärung beizutragen und die Ergebnisse öffentlich zu machen. „Denn nur so kann eine menschenwürdige Willkommenskultur eingelöst werden“, hieß es in dem Schreiben, das neben Mitgliedern des Netzwerks Kirchenasyl Münster auch Benedikt Kern vom ökumenischen Netzwerk „Asyl in der Kirche in NRW“ und Mitglieder des Runden Tisches für humanitäres Bleiberecht Münster unterzeichneten.

Stefan Thiemann, Pressesprecher des Regionalverbands der Johanniter-Unfall-Hilfe Münsterland und Soest, hatte dem Evangelischen Pressedienst zwar die Existenz eines gesonderten Zimmers in der Unterkunft bestätigt. Dieses sei jedoch zum Schutz von Bewohnern eingerichtet worden, die die Einrichtung wechseln wollten oder mussten. Das normal ausgestattete Zimmer sei zu keiner Zeit verschlossen worden, hatte Thiemann erläutert.

(epd)