Sommertour: Geheimnisvolle Orte (27): Das Relikt aus der Eiszeit

Sommertour: Geheimnisvolle Orte (27): Das Relikt aus der Eiszeit

Während der Ferienwochen berichten unsere Reporter täglich von uralten Legenden und geheimnisvollen Orten in Nordrhein-Westfalen. Heute: das Schwarze Wasser im Diersfordter Wald bei Wesel

Wer eine Leiche verschwinden lassen will, der wünscht sich schon mal ein verstecktes Moor in der Nähe. Das Schwarze Wasser bei Wesel böte beste Voraussetzungen. Es ist so sumpfig wie abgeschieden, hat aber seine Tücken. Denn wirklich allein und unbeobachtet ist man hier selten. Das Schwarze Wasser zählt zu den beliebtesten Naherholungsgebieten der Stadt, ist Ziel gemütlicher Wanderungen und Radtouren. Seit 1936 ist es bereits ein Naturschutzgebiet und gehört zu den ältesten in NRW. Rätselhaft ist für viele Besucher, woher sein Wasser kommt.

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Uwe Heinrich, Naturschützer und Mitarbeiter des Weseler Jugendamtes, ist einer, der die Geheimnisse des Schwarzen Wassers kennt. Der einzige noch existierende Heideweiher am unteren Niederrhein entstand in der letzten Eiszeit. Zwischen den vom Wind aufgewehten Binnendünen bildete sich eine Mulde mit einer wasserundurchlässigen Lehmschicht. Diese hat keinen Abfluss und wird bis heute ausschließlich durch Regen gespeist, erklärt Heinrich. Der Name rührt von der dunklen Färbung des Wassers her, die auf Huminstoffe der Moorvegetation zurückzuführen ist. Im Osten gibt Schwingrasen mit Torfmoosen den Ton an, im Westen sind es Seggen und Binsen. Es gibt einen etwa 6,5 Kilometer langen Rundweg mit abwechslungsreichen Aussichten.

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Wie so oft, so Uwe Heinrich, liegt das Besondere im Verborgenen. Der nährstoffarme Heideweiher beherbergt eine Vielzahl von Tieren und Pflanzen, die sich an die extremen Standortbedingungen angepasst haben. Die teils empfindliche Vegetation wird durch Besucherlenkung geschützt.

"Dem kundigen Beobachter erschließt sich dennoch eine Artenvielfalt, die durch die ganz unterschiedlichen Lebensbedingungen im Naturschutzgebiet ermöglicht wird", sagt Heinrich. "Zum Naturschutzgebiet gehören nämlich nicht nur der Heideweiher selbst, sondern auch offene, trockene Sandflächen mit Silbergrasflur, Dünenhänge, Heide und Wald." Das Gebiet beherbergt zahlreiche Libellenarten und Ameisen. Auch Spechte und Frösche machen sich lautstark bemerkbar. Es lohnesich, so Heinrich, Feldstecher und Bestimmungsbücher mitzubringen.

(RP)
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