Aktivisten zertrampeln Acker: „Das ist kein friedliches Demonstrieren, das ist Sachbeschädigung“

Aktivisten zertrampeln Acker: „Das ist kein friedliches Demonstrieren, das ist Sachbeschädigung“

Am Samstag zertrampeln hunderte Anti-Tagebau-Aktivisten den Acker von Landwirt Markus Hemmersbach in Inden. Der will sie daraufhin mit einem Traktor vertreiben. Die Folge: Hemmersbach wird von der Polizei festgenommen. Unserer Redaktion schildert der Landwirt die Ereignisse aus seiner Sicht.

Sie wurden auf Ihrem Acker von der Polizei festgenommen. Was wurde Ihnen vorgeworfen?

Markus Hemmersbach Mir wurde versuchter Mord und versuchter Totschlag vorgeworfen. Die Staatsanwaltschaft soll wohl auch ermitteln. Ob es bei diesem Vorwurf bleibt, weiß ich noch nicht. Ich warte auf Post.

Wie kam es dazu, dass Sie festgenommen wurden?

Hemmersbach Eigentlich sollten die Aktivisten am Hambacher Forst demonstrieren. Eine große Gruppe hat jedoch entschieden, den Tagebau in Inden lahm legen zu wollen. Ich war gerade dabei, hinter dem Dorf auf einem Acker Weizen zu säen, da kriege ich eine Nachricht von einem Freund: „Da sind Leute auf deinem Acker.“ Ich bin also sofort hin. Und ehrlich gesagt, bei dem Anblick hatte ich Tränen in den Augen stehen.

Warum?

Hemmersbach Das Feld war komplett zertrampelt. Der Weizen war gerade dabei, in kleinen grünen Pflänzchen rauszukommen. Die waren alle umgenietet und zertrampelt. Wo sich die Leute auf den Boden gesetzt haben, da haben sie auch noch Erdlöcher mit den Händen gegraben.

War das ganze Feld betroffen?

Hemmersbach Das Feld ist zwar zwei Hektar groß, aber wenn da 300 bis 400 Aktivisten Sitzblockade machen und darüber marschieren, ist das keine große Fläche. Für mich ist das eine Katastrophe. Wegen der Dürre war es sehr schwierig überhaupt etwas in den Boden zu kriegen. Dann klappt das und man freut sich, dass die Pflanzen endlich wachsen - und dann wird alles niedergetrampelt. Das hat für mich nichts mit friedlicher Demonstration zu tun, das ist einfach nur Sachbeschädigung.

Waren die Demonstranten noch auf dem Acker?

Hemmersbach Ja. Deshalb habe ich einen Polizisten gefragt, was hier abgeht. Der sagte mir, das wäre mit dem Bauern abgesprochen. Ich zu ihm: „Der Bauer steht vor Ihnen und der weiß von nichts.“ Also, schickt er mich zu einem Mann in gelber Jacke, angeblich einem Politiker. Der erklärt mir, ich solle mich nicht so aufregen, es habe doch kaum geregnet und das läge auch am Tagebau, und weigert sich, die Demonstranten vom Acker zu schicken.

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Und Sie daraufhin?

Hemmersbach Ich bin natürlich wütend geworden. Die Trockenheit hat nichts mit dem Tagebau zu tun und die Leute waren immer noch auf meinem Acker. Ich habe gesagt: „Wenn ihr in 30 Minuten nicht weg seid, gibt es Ärger.“

Aber sie waren nicht weg.

Hemmersbach Nein, waren sie nicht. Also habe ich mich in meinen Traktor gesetzt und bin auf die Demonstranten zugefahren, um sie zu verscheuchen. Natürlich wollte ich denen Angst machen, aber ich hätte ihnen niemals etwas getan. Die Polizei dachte aber, dass ich sie umnieten wollte, die hatten schon die Hände an den Waffen. Ich habe aber 30 Meter vor den Demonstranten angehalten und gerufen, sie sollten jetzt von meinem Acker verschwinden. Daraufhin hat mich die Polizei festgenommen, angeblich, weil ich so aufgebracht war.

Waren Sie aber wohl auch.

Hemmersbach Selbstverständlich. Für mich bedeutet das vermutlich einen Totalausfall. Allein der Ernteschaden kommt auf rund 4000 Euro. Da ist die Bodenbehandlung noch nicht dabei. Bislang ist auch noch nicht klar, ob ich überhaupt nochmal neues Saatgut bekomme. Eigentlich versuchen wir, alles Saatgut bis Ende des Jahres aufzubrauchen.

Auf der Webseite von „Ende Gelände“ bieten die Aktivisten an, für Schäden auf Äckern aufzukommen.

Hemmersbach Aber es ist doch traurig, dass es soweit gekommen ist. Dass das überhaupt passiert. Wir reden hier von Weizen, aus dem eigentlich Brot für die Bevölkerung gemacht werden sollte. Und es ist traurig, dass ich das selbst einfordern muss. Wenn ich in einer fremden Wohnung etwas kaputt mache, muss ich mich als Zerstörer doch auch um den Schaden kümmern.

Haben Sie Drohanrufe oder -briefe von Aktivisten bekommen?

Hemmersbach Nein. Mich rufen immer wieder Leute an und sagen, dass sie gut finden, was ich gemacht habe. Diese Unterstützung freut mich. Andererseits liest man auch, dass gerade vier Busse einer Firma angezündet wurden, die RWE-Mitarbeiter zu einer Gewerkschaftsdemonstration gefahren haben. Das macht einem dann schon Sorge, ob nicht doch etwas passiert.

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