1. NRW
  2. Panorama

Darum wird "Tatort" oft woanders gedreht: WDR verlegt Dortmund in den Landschaftspark Duisburg

Dreharbeiten im Landschaftspark Nord : Warum im „Tatort“ Dortmund einfach nach Duisburg verlegt wurde

Der letzte „Tatort“ bot eine besonders schöne Kulisse: Gedreht wurde diesmal im „Landschaftspark Dortmund“. Aber Moment mal, liegt der Landschaftspark nicht in Duisburg? Das fragten sich auch so einige Zuschauer, bei denen sich am Sonntag Desorientierung breit machte.

Am Flussufer inmitten einer alten Zechensiedlung nahe Dortmund ist die Leiche des ehemaligen Bergmannes Andreas Sobitsch gefunden worden. Das ruft die Dortmunder „Tatort“-Kommissare Peter Faber, Martina Bönisch, Nora Dalay und Jan Pawlak auf den Plan, die in ihrer Stadt mit den Ermittlungen beginnen. Verdächtig machen sich am Sonntag aber nicht nur die Menschen aus dem Umfeld des Toten, sondern auch der Drehort der „Tatort“-Folge „Zorn“. „Man fühlt sich gleich wieder in die 1980er Jahre zu Schimanski nach Duisburg zurückversetzt“, schreibt ein Twitter-Nutzer - und spielt mit diesem Hinweis darauf an, dass der Fundort der Leiche mitnichten in Dortmund, sondern im Landschaftspark Duisburg Nord liegt.

Und tatsächlich wurden Teile der Folge "Zorn" vergangenen März an drei Tagen auf dem ehemaligen Industriegelände im Duisburger Norden gedreht. Dass das nichts ungewöhnliches ist, erklärt der WDR so: "Aus produktionstechnischen Gründen und auch um Kosten zu sparen, werden Szenen des Dortmunder "Tatort" auch anderswo gedreht. So entstehen etwa die Innenaufnahmen im Polizeipräsidium in einem Kölner Filmstudio." Auch bei der Suche nach Drehmotiven muss die Produktionsfirma mitunter auf andere Städte ausweichen. So wurden große Teile der "Tatort"-Folge "Tollwut", die über weite Strecken im Gefängnis spielte, in der JVA in Magdeburg gedreht. In Dortmund konnten keine Original-Drehorte genutzt werden. Hingegen spielt in der nächsten "Tatort"-Folge ein Krankenhaus eine zentrale Rolle. Diese Szenen entstanden in einer Dortmunder Klinik.

  • „Der Junge muss an die frische Luft“ : An diesen Orten in NRW wurde der Hape-Kerkeling-Film gedreht
  • 500 Komparsen gesucht : TV-Serie „Babylon Berlin“ wird in NRW gedreht
  • Eindrücke vom Traumzeit-Festival 2019, die 2020er-Ausgabe
    Musik in Duisburg : Was Sie zum Traumzeit-Festival wissen müssen

Nicht allen „Tatort“-Fans gefiel die Wahl des Drehortes: „Bis jetzt noch keine einzige Location aus Dortmund“, beschwerte sich ein Zuschauer via Twitter - doch um fair zu bleiben, waren da erst vier Minuten des Krimis abgespielt. Viele Ortskundige und Krimiserienfans waren aber auch sichtlich amüsiert: „Gleich kommt Schimanski um die Ecke“, twitterte jemand, der damit auf den Duisburger „Tatort“-Kommissar Horst Schimanski anspielt, der von 1981 bis 2013 in 29 „Tatort“-Folgen und 17 „Schimanski“-Folgen in Duisburg ermittelte. Mitleid hingegen gab es für Dortmund: „Der Dortmunder Tourismusdezernent trinkt sich gerade in den Vollrausch“, schreibt ein Twitter-Nutzer.

Dass Filme und Serien nicht immer an Originalschauplätzen gedreht werden können, hat oft auch ganz praktische Gründe: Bei fiktiven Produktionen braucht man mal ein leerstehendes Gefängnis, wo keines ist, bei Produktionen, die auf wahren Begebenheiten basieren, hat sich der Schauplatz drastisch verändert. Jüngstes Beispiel ist der Hape-Kerkeling-Film „Der Junge muss an die frische Luft“. Gedreht wurde zum Beispiel in der Straße Ahlmannshof in Gelsenkirchen, aufgewachsen ist Kerkeling aber in Recklinghausen. „Im Film geht es nicht um Wirklichkeit, sondern um Wahrheit“, erklärt Produzent Hermann Florin. Ein Set wie der Ahlmannshof erinnere viel mehr an die 70er Jahre als der Originalschauplatz heute. Insgesamt gab es 17 Drehorte in NRW, Originalschauplätze waren aber laut Florin nicht dabei. „Wir hätten einige Szenen gerne nach Recklinghausen verlagert, dort sieht es aber leider nicht mehr aus wie früher“, sagt Florin. Stattdessen mussten Schauplätze in Duisburg, Oberhausen, Mülheim, Gelsenkirchen, Bottrop und in Mönchengladbach-Gerkerath im Rheindahlener Land herhalten.

Auch für andere Folgen von „Tatort“ werden oft Drehorte gewählt, die nicht in der Stadt liegen, in der die Folge spielt. So beheimatet eine ehemalige Schule am Jägerweg in Stuttgart die Innen-Drehorte für die drei „Tatorte“ des SWR: In einer Etage befindet sich Ludwigshafen, in einer Konstanz und in einer weiteren Stuttgart. Und auch der „Tatort Münster“ wird oft kurzerhand nach Köln verlegt, etwa 2017, als aus dem Kölner Zoo der Münsteraner Zoo wurde. Auch werden viele Szene aus Kostengründen am Set in Köln gedreht, wo etwa die Wohnung von Kriminalhauptkommissar Frank Thiel (Axel Prahl) und Rechtsmediziner Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) aufgebaut ist.

Übrigens ist Dortmund nicht die einzige Stadt, die bereits nach Duisburg in den Landschaftspark verlegt wurde. Das ehemalige Hüttenwerk diente bereits als Schauplatz für diverse Produktionen: So wurde für „Babylon Berlin“, die Erfolgsserie, die im Berlin der 1920er Jahre spielt, im Landschaftspark Duisburg Nord gedreht, ebenso wie für den Film „Bermuda Dreieck Nordsee“ mit Schauspieler Hannes Jaenicke, in dem der ehemalige Hochofen einfach mal zu einer Bohrinsel mitten in der Nordsee umfunktioniert wird.