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Darum kühlen NRW-Supermärkte ihre Anlagen mit Rasensprengern - Gefahr wegen Legionellen

Sorge vor Legionellen : Warum der Rasensprenger-Trick der Supermärkte gefährlich ist

Bei den hohen Temperaturen derzeit kommen Kühlsysteme in Supermärkten an ihre Grenzen. Um die Kühlung aufrecht zu erhalten, wässern manche Betreiber ihre Anlagen mit Rasensprengern. Das ist aber hochgefährlich, warnt ein Experte.

Im Edeka-Supermarkt in Duisburg-Buchholz schwitzen derzeit nicht nur die Kunden. Die Kühlung ist überlastet, Kostenpflichtiger Inhalt weshalb der Betreiber an der Außenseite des Gebäudes einen Rasensprenger angebracht hat, um die Anlage runterzukühlen. Mehrere zehntausend Liter Wasser werden dafür verwendet.

Die Filiale in Duisburg ist mit dem Problem nicht alleine. Mehrere Leser berichten von weiteren Supermärkten in NRW, deren Kühlanlagen auf dieselbe Weise vor dem Überhitzen geschützt werden. Ähnliche Rasensprenger-Konstruktionen wurden an Märkten in Geldern, Krefeld und Langenfeld beobachtet.

„Die Maßnahme klingt erst einmal logisch: Wenn ein Gerät zu heiß wird, kühle ich es runter, damit es weiter in Benutzung bleiben kann“, sagt Karl-Heinz Thielmann, Präsident des Verbandes Deutscher Kälte- und Klimafachbetriebe. Dass Supermärkte vor dem Problem stehen, wundert ihn nicht. Viele Kühlanlagen haben ihm zufolge einen sogenannten Wärmeüberträger, der lediglich für eine Außentemperatur von 32 beziehungsweise maximal 36 Grad ausgelegt ist. Ein Wärmeüberträger ist die Stelle im Kältekreislauf, an der die überschüssige Energie nach außen abgegeben werden muss. Beim aktuellen Sommerwetter von 36 Grad und mehr stoßen die Kühlsysteme nun mal an ihre Grenzen. Anlagen mit größeren Wärmeüberträgern sind aber deutlich teurer und werden daher gerade von kleinen Supermarkt-Betreibern seltener verbaut. Stattdessen kühlen sie an den wenigen richtig heißen Tagen im Jahr ihre Anlagen mit Wasser.

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Legionellen können in die Lunge gelangen

Die Bewässerung durch Rasensprenger birgt Thielmann zufolge allerdings ein besonderes Risiko. Durch den Ventilator des Kühlsystems, der an der Außenwand des Gebäudes angebracht ist, würde das Wasser aus der Sprenkleranlage in Millionen kleine Partikel zerstäubt und in die unmittelbare Umgebung geblasen werden. „Auf diese Weise können Legionellen in die menschliche Lunge gelangen,“ sagt der Experte. „Die Bakterien können bei einer schweren Verlaufsform die Lungenbläschen zerstören, wodurch die Lunge den eingeatmeten Sauerstoff nicht mehr ins Blut bringen kann.“ Unentdeckt und unbehandelt könne die Erkrankung im schlimmsten Fall also zum Erstickungstod führen.

Um genau dieses Risiko zu vermindern, ist im August 2017 die 42. Bundesimmissionsschutzverordnung in Kraft getreten, wonach jeder Betrieb, der eine Verdunstungskühlanlage betreibt, diese beim zuständigen Kataster anmelden und regelmäßig kontrollieren lassen muss. Streng genommen müsste also jeder Supermarkt-Betreiber, der für ein paar Tage im Jahr einen Rasensprenger an seinem Kühlsystem befestigt, dieses Konstrukt melden und sein Wasser mikrobiologisch untersuchen lassen. „Andernfalls rate ich dringend von einer Bewässerung des Kühlkreislaufes ab“, so Thielmann.