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Coronavirus: Schützenfeste und Volksfeste wegen Corona unter Druck

Coronavirus : Schützen- und Volksfeste unter Druck

Schausteller befürchten enorme Umsatzeinbußen durch Kirmesabsagen.

Für Freitag hatte der Neusser Bürgerschützenverein zum Regimentsschießen eingeladen. Nur 60 Teilnehmer sollten kommen, also deutlich weniger als die von der Landesregierung festgelegte Grenze von 1000 Personen, ab der jede Veranstaltung sowieso verboten wird. Aber Vereinspräsident Martin Flecken zog die Notbremse. „Wir wollen kein Risiko eingehen, die Gesundheit geht vor, also haben wir abgesagt.“

Der Vorgang zeigt, wie sehr die Corona-Krise die Schützenvereine und die Volksfeste der Region trifft.„Fast jede Veranstaltung wird bundesweit abgesagt“ ,sagt Emil Vogt, Bundesschützenmeister des Bundes der historischen Schützenbrüderschaften, ein Verband mit 1300 Bruderschaften. „Zweck der Vereine und der Volksfeste ist ja, die Menschen zusammenzuführen. Aber wenn der soziale Kontakt eben zu Risiken führt, müssen wir sehr vorsichtig sein.“

Obwohl viele der bekanntesten Veranstaltungen wie das Neusser Schützenfest oder die Düsseldorfer Kirmes am Rhein erst im Sommer losgehen, werden auch jetzt schon viele Termine abgesagt . Der Bezirksverband der Bruderschaften in Mönchengladbach und Korschenbroich hat klargestellt, dass es bis zum Ende der Osterferien am 19. April keine Veranstaltungen geben wird, eine Pilgerfahrt mit 600 Teilnehmern wurde verschoben.

Die Politik hat die Not der Schausteller und auch der Schützenvereine erkannt. „Den Schaustellern muss genauso geholfen werden wie anderen Teilen der Wirtschaft“, sagt der Düsseldorfer Landtagsabgeordnete Stefan Engstfeld (Grüne), der im Herbst Oberbürgermeister der Landeshauptstadt werden will.

Geholfen werden muss aber wohl auch den Schützenvereinen. Denn während bisher große Feste oft halfen, die anderen Aktivitäten im Lauf des Jahres zu finanzieren, droht nun die umgekehrte Logik: Hohe Verluste wegen abgesagter Feiern könnten die Vereine schwächen. „Der Ausfall einer Veranstaltung lässt sich praktisch nicht versichern“, sagt Vogt, „das können viele Vereine nur schwer bezahlen.

Die St. Sebastianus-Schützenbruderschaft Neuss-Furth plant Pfingsten ein großes Fest, ebenso die die Schützen in Korschenbroich, eine Absage wäre teuer. Was also ist zu tun? „Wir müssen abwarten, von einem voreiligen Absagen künftiger Veranstaltungen rate ich ab“,sagt Vogt. Aber er empfiehlt auch, die Risiken zu begrenzen: „Wir alle wissen, wie schwierig die Lage ist. Also sollte man vorsichtig kalkulieren.

Der CDU-Landtagsabgeordnete Jochen Klenner aus Mönchengladbach sagt: „Wir sind ein geselliges, soziales Land mit einem hohen Gemeinsinn. Also müssen wir neben den Schaustellern als Unternehmern auch die Vereine unter einen Rettungsschirm nehmen“, so der Christdemokrat.