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Coronakrise in Köln: Kölner Fitness-Zentrum "mas" nach der Wiedereröffnung

Kölner Fitness-Zentrum nach der Wiedereröffnung : „Sind kleinere Kurse nicht ohnehin schöner?“

Marion Appel-Schiefer ist Geschäftsführerin des „mas - Institut für ganzheitliches Training“ in Köln. Im Corona-Lockdown hat sie ihren Kunden Trampoline gebracht. Jetzt dürfen sie wieder zum Trainieren kommen und die 59-Jährige merkt, wie sehr ihre Kunden den Sport vermisst haben. Ein Protokoll.

Die Wiedereröffnung am 11. Mai war echt bewegend. Unsere Kunden haben sich so gefreut, dass sie wieder zu uns kommen dürfen. Ich glaube, vielen ist noch viel bewusster geworden, wie wichtig Sport für sie ist. Wir haben während des Lockdowns Anrufe bekommen von Kunden, die gesagt haben: „Leute, ich weiß nicht, was ich ohne Wasser machen soll.“ Die kommen eigentlich jeden Tag zum Aquatraining. Oder Familien, die regelmäßig mit drei Kindern bei uns sind, und denen die Decke auf den Kopf gefallen ist zu Hause. Oder unsere Senioren, die Silver Sneakers. Manche sind zweimal am Tag hier normalerweise, da geht es ums fit bleiben und das Training, aber natürlich auch darum, unter Menschen zu sein. Ich habe mit sehr vielen Kunden telefoniert in der Zeit.

Im Moment können wir nur ein Erwachsenenprogramm anbieten, eigentlich haben wir auch viele Baby- und Kinderschwimm- und Turnkurse. Zur Zeit kommen etwa 50 Leute am Tag, normalerweise sind es 400. Betriebswirtschaftlich ist es eine Katastrophe, aber es geht gerade so vielen so und ich bin schon froh, dass wir überhaupt wieder ein bisschen was anbieten können.

Ende Mai dürfen wir unser Schwimmbad wohl auch wieder öffnen, wir haben das große Reinemachen vom Sommer vorgezogen, während wir geschlossen hatten. Zu den Aquakursen können dann aber maximal zehn Leute kommen, sonst sind es 30. Aber naja, sind kleinere Kurse nicht ohnehin schöner? Was ich mir schwierig vorstelle, sind die Abstandsregelungen in den Kinderschwimmkursen. Gleichzeitig sind das Kurse, die ich wirklich wichtig finde. Mal schauen, wir haben dem Gesundheitsamt ein Konzept geschickt.

Nicht ganz ernst gemeintes Training mit Abstand in Zeiten von Corona: Marion Appel-Schiefer in einer Bubble, wie Footballspieler sie beim Training benutzen. Foto: RPO/Privat

Es gab trotz Lockdowns schöne Momente, die ich nicht vergessen werde. Ich habe einigen Kunden Räder und kleine Trampoline vorbeigebracht - frisch desinfiziert natürlich. Bei unserem ersten Livestream sind dann alle zu Hause in ihren Wohnzimmern auf ihren Trampolinen gesprungen, das war schon sehr lustig. Dann unsere Senioren. Die kamen zu uns und ließen sich zeigen, wie das funktioniert mit dem digitalen Trainingsangebot. Damit hätten sie sich ohne die Corona-Krise niemals befasst. Und abends winkten sie dann in die Kamera: „Huhu, könnt ihr mich sehen?“ Das war einfach schön.

Die Livestreams bieten wir auch weiter an, da manche Kunden einfach wegen Corona auch noch Sorge haben, unter zu vielen Menschen zu sein. Ich muss sagen, dass mir in der Krise zum ersten Mal seit 25 Jahren wieder bewusst geworden ist, wie sinnvoll es ist, was wir hier tun. Für die Kunden sind wir Fitness-Zentren ein sehr wichtiger Bestandteil ihres Lebens. Sport macht glücklich.

(Protokolliert von Claudia Hauser)