1. NRW
  2. Panorama

Corona und Karneval 2021: War der Karneval ein Pandemietreiber? - 11.11.

Feiern in NRW : War der Karneval ein Pandemietreiber?

Rund zwei Wochen nach dem Karnevalsauftakt liegt die Sieben-Tage-Inzidenz in NRW so hoch wie noch nie zuvor. Liegt das an den großen Feiern im Land? Die Antwort ist kompliziert.

Nach dem Karnevalsauftakt in Köln und anderen NRW-Städten war die Sorge – bisweilen auch die Häme aus anderen Orten Deutschlands – groß. Die vierte Welle rollte schon lange vor dem 11.11. Sollte das Rheinland wirklich feiern, mit so vielen Menschen an einem Ort, auch wenn 2G galt? Im Nachhinein beantworteten das die Karnevalsgesellschaften selbst mit einem Nein. Sie verschoben Veranstaltungen wie die Prinzenproklamationen in Mönchengladbach und Düsseldorf, in der Landeshauptstadt ist der Rosenmontagszug im Februar verschoben worden. Die Stadt Leverkusen hat alle Karnevalszüge abgesagt. Auch NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) kritisierte die Kontrollen der 2G-Regel in Köln als zu lasch. Gute zwei Wochen nach dem Karnevalsauftakt bleibt aber die Frage: Waren die Veranstaltungen ein Pandemietreiber?

Die Antwort ist kompliziert. Fest steht, dass die Zahl der Infektionen seitdem gestiegen ist. Am 11.11. lag die Sieben-Tage-Inzidenz in Düsseldorf bei 179, am 24. November liegt sie bei 308. Weniger stark ist die Inzidenz in Köln gestiegen – von 235 beim Karnevalsauftakt auf aktuell 289. Doch den Anstieg gibt es überall in NRW, und auch in allen anderen Bundesländern. In Brandenburg hat sich die Inzidenz in diesem Zeitraum mehr als verdoppelt und liegt aktuell bei 620, Sachsen hat zwischendurch die 1000-er Grenze überschritten. Davon ist NRW weit entfernt, auch wenn die Inzidenz mit aktuell rund 250 so hoch ist wie noch nie seit Beginn der Pandemie.

  • Die Düsseldorfer Jecken hoffen, dass die
    Karneval in der Corona-Pandemie : Düsseldorfer Rosenmontagszug auf Mai verschoben
  • Die Zahl der Corona-Patienten, die auf
     Corona-Zahlen steigen : Alle Karnevalsumzüge in Leverkusen abgesagt
  • Fotos : So feiert Düsseldorf den Sessionsauftakt 2021

Nach Angaben der Stadt Düsseldorf haben sich auf Karnevalsveranstaltungen insgesamt 19 Menschen angesteckt. „Das sind natürlich nur diejenigen, von denen wir es wissen“, räumt eine Sprecherin der Stadt ein. Aber zwischen dem Karneval und den gestiegenen Infektionszahlen habe Düsseldorf bislang keinen signifikanten Zusammenhang finden können.

Zusammen mit der Uniklinik der Stadt hat Düsseldorf Anfang des Jahres eine Pilotstudie gestartet, die auch der Verfolgung von Infektionen dienen soll. „Wir können herausfinden, ob ein Virusstamm so verwandt ist, dass er wahrscheinlich aus einem Cluster kommt“, erklärt Uni-Sprecher Tobias Pott. „Welches Cluster das ist und wie genau dann Fälle zusammenhängen, geht wiederum nur über die Kontaktnachverfolgung des Gesundheitsamtes.“ Eine Aufgabe, die nicht einfach sei, gerade bei den stark gestiegenen Zahlen. Für eine finale Antwort sei es noch zu früh. Auch die Stadt Köln will noch zwei bis drei Wochen mit einer Einschätzung abwarten. „Dazu sind vor allem die Hospitalisierungen zu betrachten“, sagt ein Sprecher.

Aus Leverkusen heißt es hingegen, dass der Karneval wahrscheinlich schon zu einer schnelleren Ausbreitung der Infektionen beigetragen hat. Eine entscheidende Rolle hat er aus Sicht der Stadt aber nicht gespielt. 26 Infektionen waren laut der Stadt bereits Ende vergangener Woche mit dem Besuch von Karnevalsveranstaltungen assoziiert. „Karneval ist ein Faktor, aber einer von vielen“, sagt eine Sprecherin der Stadt. In Leverkusen werden aktuell täglich 80 bis 100 Infektionen gemeldet. Das Infektionsgeschehen sei diffus, auch private und betriebliche Feiern spielten dabei eine Rolle.

Aktuell ist Leverkusen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 380 laut RKI am stärksten in ganz NRW betroffen. Das könne man nicht auf den Karneval schieben, sagt die Sprecherin. Ob jemand sich tatsächlich auf einer Veranstaltung der Karnevalisten infiziert habe, ließe sich nicht hundertprozentig belegen. Die Ansteckung könnte schon davor passiert sein – im Supermarkt, auf der Arbeit, bei der Abholung der Kinder aus der Kita. Der Stadt wäre es jedoch lieber, dass man gerade jetzt nicht groß feiert. „Aus Sicht der Stadt sollten aufgrund des aktuellen Infektionsgeschehens solche Großveranstaltungen vermieden werden“, sagt die Sprecherin.

War der Karneval also ein Pandemietreiber? „Nein, das kann man so nicht sagen“, antwortete NRW-Gesundheitsmister Karl-Josef Laumann (CDU) auf diese Frage am Dienstag bei einer Pressekonferenz. Auch er schränkte seine Antwort ein. „Das Problem bei den Karnevalsauftakten in Düsseldorf und Köln ist natürlich, dass viele Teilnehmer ihren Wohnort nicht dort hatten“, sagte Laumann. Genau anschauen könne man sich das nicht. „Man kriegt einen Eindruck, aber keine evidenzbasierten Zahlen.“

Auch die neue NRW-Coronaschutzverordnung setzt sich mit dem Karneval auseinander. Die am heutigen Donnerstag greifenden Regeln schreiben für Außenfeiern eine 2G-Regel vor. Bei Karnevalsveranstaltungen mit Mitsingen, Schunkeln und Tanzen in Innenräumen gilt sogar 2G-Plus. Dort bekommen nur Geimpfte und Genesene mit einem negativen Corona-Test Zutritt. Die Strategie des Ministeriums: Kontrollen sind besser als Verbote. „Es ist besser, wenn Menschen unter strengen Hygiene- und Zugangsvoraussetzungen auf öffentlichen Plätzen oder drinnen feiern, als wenn die Feiern durch Verbote in den nicht geregelten Privatbereich verlegt werden“, sagt ein Sprecher.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Tausende kommen zum Karnevalsauftakt am 11.11. im Zülpicher Viertel in Köln