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Corona-Trickbetrug in NRW: Von falschen Enkeln und Gesundheitsamt-Mitarbeitern

Falsche Enkel und Gesundheitsamt-Mitarbeiter : Trickbetrüger nutzen Corona-Angst aus

Trickbetrüger haben in den vergangenen Monaten das Coronavirus zum Teil ihrer Betrugsmaschen gemacht. Besonders beliebt: Vermeintlich an Covid-19 erkrankte Enkel und falsche Gesundheitsamt-Mitarbeiter, die sich Zutritt zum Haus verschaffen möchten.

Im Rhein-Kreis Neuss treten Fälle dieser Art gehäuft und flächendeckend auf, wie die Kreispolizei erläutert. Aber auch in vielen anderen Städten wie Krefeld, Düsseldorf, Leverkusen, Mönchengladbach, Duisburg, Wuppertal oder dem Kreis Mettmann, werden der Polizei inzwischen Täuschungsversuche im Zusammenhang mit dem Coronavirus gemeldet. "Corona eröffnet neue Möglichkeiten des Betrugs", sagt ein Sprecher der Düsseldorfer Polizei.

Besonders beliebt bei den Kriminellen: Der abgewandelte Enkeltrick. Wie bei der seit Jahren gängigen Masche geben sich Anrufer als Enkel des potenziellen Opfers aus und konfrontieren es mit einer angeblichen Notlage – meist werden gezielt Senioren ausgewählt und mit Sätzen wie "Rate mal, wer da ist" aus der Reserve gelockt. Neuerdings behaupten die Betrüger, sich mit dem Coronavirus infiziert zu haben und Geld für eine wichtige Behandlung zu benötigen. Bei einem Fall in Mettmann gab der Täter vor, dass er eine hohe Rechnung für einen Test des Gesundheitsamtes bezahlen müsse. In Wuppertal ging es um ein teures Medikament aus den USA, das die Krankenkasse angeblich nicht bezahlt. Praktisch: Es ist dem falschen Enkel wegen des ansteckenden Virus natürlich nicht möglich, Geld und Wertgegenstände persönlich abzuholen. Deswegen kommt häufig ein vermeintlicher Freund beim Opfer vorbei.

Die Anrufe kommen meist aus dem Ausland. Für die Polizei ist es deshalb meist schwierig, der Täter habhaft zu werden. "Das Ziel ist eigentlich immer, durch fadenscheinige Gründe an Geld oder Wertsachen zu kommen. Die Täter sind meist redegewandt und überzeugend und bringen die Opfer in Stresssituationen", sagt die Sprecherin der Polizei im Rhein-Kreis Neuss. Gerade in Bezug auf das Coronavirus sei die Unsicherheit bei den Menschen groß.

So groß, dass die Schwindler ihr Beuteschema auch auf Menschen jüngeren Alters ausgeweitet haben. Sie geben sich an den Haustüren als Mitarbeiter des Gesundheitsamtes aus, sind häufig sogar in Schutzanzüge gehüllt. Die Täter drängen dann auf einen Corona-Test, auf eine Desinfektion der Wohnung, des Gelds oder Ähnlichem, um sich Zutritt zu verschaffen. "Das hat wenig mit Leichtgläubigkeit zu tun. In Bezug auf Corona fehlen jegliche Erfahrungswerte. Es fällt schwer zu bewerten: Ist das echt oder nicht?", erklärt die Sprecherin der Kreispolizei Neuss. Tests durch das Gesundheitsamt erfolgten allerdings nie unangekündigt.

Generell würden die Betrugsfälle nicht mehr werden, die Täter nur ihr Vorgehen und ihre Geschichten an das anpassen, was gesellschaftlich gerade Thema ist. Um sich gegen solche Betrugsversuche zu schützen, sollte man generell misstrauisch gegenüber Fremden sein, die anrufen oder plötzlich vor der Haustür stehen. Vor allem wenn dies mit Geld- oder Zutrittsforderungen verbunden sei, so die Kreispolizei. In diesem Fall sollten Betroffene Angehörige oder Nachbarn um Hilfe bitten oder sofort den Kontakt abbrechen und anschließend die Polizei informieren.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Die Maschen der Trickbetrüger