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Corona: Studie soll Immunität der Bevölkerung klären​ - Bluttest per Post​

Bluttest per Post : Studie soll Immunität der Bevölkerung klären

Um die Corona-Gefahrenlage im nächsten Winter besser abschätzen zu können, werden rund 30.000 Menschen auf Antikörper untersucht. Genaue Daten sollen schon bald vorliegen. Federführend ist der Bonner Virologe Hendrik Streeck.

Schon jetzt blicken viele Virologen mit großer Sorge auf den Herbst, da allgemein ein deutlicher Anstieg der Covid-19-Infektionszahlen erwartet wird. Auch Gesundheitsminister Karl Lauterbach warnte vor kurzem davor, die Gefahr zu unterschätzen, auch die Intensivstationen könnten sich wieder füllen. Wie stark diese Belastung ausfallen wird, hängt insbesondere von der Grundimmunität der Bevölkerung durch Impfung oder Genesung ab. Genaue Angaben dazu gibt es bislang nicht, weil eine hohe Dunkelziffer vermutet wird. Deshalb will die Bundesregierung nun mit der Studie „Immunebridge“ diese Wissenslücke schließen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert das Projekt mit drei Millionen Euro. Koordiniert wird das Forschungsvorhaben vom Institut für Virologie am Universitätsklinikum Bonn (UKB) und der Universitätsmedizin Göttingen (UMG). Der Bonner Virologe Hendrik Streeck leitet das Projekt.

„Zwar sind nach offiziellen Zahlen 33 Millionen Menschen in Deutschland von Covid-19 genesen, jedoch gibt es ein erhebliches Maß an Untererfassung, die je nach Phase der Pandemie, auf das 1,5- bis 4-fache der erfassten Fälle geschätzt wird“, sagt Streeck, Direktor des Instituts für Virologie am UKB. So sei beispielsweise unklar, ob alle Geimpften wirklich zu jeder Zeit akkurat registriert worden seien, Berichte und Befragungen würde auf eine deutlich höhere Impfquote hindeuten als offiziell angegeben. Tatsächlich könnte die Impfquote um fünf Prozent höher liegen als vom Robert-Koch-Institut angegeben. Für die Bewertung der pandemischen Gefahrenlage im nächsten Winter ist daher eine Abschätzung der Zahl der grundimmunisierten Personen nach Impfung beziehungsweise Infektion von großer Bedeutung.

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Insgesamt ist es geplant, mit Forschern von vielen deutschen Universitäten sowie dem Helmholtz Institut Braunschweig 29.500 Personen auf Antikörper gegen Sars-CoV-2 zu untersuchen. Dabei wird auch unterschieden, ob diese Antikörper durch eine Infektion oder die Impfung erworben worden sind. Gefragt wird zudem nach Vorerkrankungen und nach der persönlichen Einstellung zur Impfung. Die Befragten sollen anhand eines zugeschickten Bluttests selbstständig eine Blutprobe aus ihrer Fingerspitze entnehmen und an ein Labor schicken. Dort wird dann analysiert, ob möglicherweise eine Corona-Erkrankung vorlag, die nicht entdeckt wurde, beziehungsweise wie hoch die Zahl der Antikörper ist. Davon erhoffen sich die Forscher neue Rückschlüsse, inwieweit die Immunität mit der Zeit nachlässt.

Um eine möglichst repräsentative Bevölkerungsgruppe abzubilden, wird mit Hilfe des Umfrageinstituts Dimap auf die Nutzer des Bonussystems „Payback“ zugegriffen. Diese haben mit der Anmeldung bereits ihr Einverständnis gegeben, kontaktiert zu werden. Um auch die Immunität von Kindern abzubilden, werden entsprechende Studien von verschiedenen Universitäten mit eingebunden. Mit Ergebnissen soll schon bald zu rechnen sein, auf jeden Fall vor der erwarteten Herbstwelle. Das Projekt läuft aber bis Dezember. Streeck sagt: „Da dies ein wichtiger Beitrag zur Vorbereitung auf den kommenden Herbst und Winter ist, wollen wir in den Sommermonaten bereits die ersten Daten vorlegen.“