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Corona-Pandemie: Mehrere Städte in NRW reißen 1000er-Inzidenz

Rasant steigende Infektionszahlen : Mehrere Städte in NRW reißen 1000er-Inzidenz

Bonn, Krefeld, Solingen und Wuppertal erreichen bei der Sieben-Tage-Inzidenz Höchstwerte in NRW. Auswirkungen auf die Corona-Schutzmaßnahmen hat das aber aktuell keine. Noch ist in allen Städten die kritische Infrastruktur nicht gefährdet.

Gleich mehrere Städte in Nordrhein-Westfalen haben am Donnerstag bei der Sieben-Tage-Inzidenz die Marke von 1000 überschritten. Nach den Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Donnerstag lag der Wert der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in Bonn nach sprunghaftem Wachstum mit 1096,9 am höchsten – am Vortag waren es dort noch 948,6. Krefeld kam am Donnerstag auf 1035,1 und Solingen auf 1001,9. Auch Wuppertal verzeichnete nach eigenen Angaben einen Wert von 1006,4, das RKI kam für die Großstadt im Bergischen auf einen Wert von 963,1 nach 994,0 am Mittwoch. Landesweit stieg die Inzidenz deutlich von 573,2 am Mittwoch auf 627,4 am Donnerstag. Eine Woche zuvor (13. Januar) hatte sie NRW-weit noch bei 416,7 gelegen.

 Trotz der markanten Höchststände bei den Inzidenzen ändert sich am Corona-Management in den betroffenen Städten nur wenig. In Solingen bereitet vor allem die Nachverfolgung der Kontakte massive Probleme, weil das Gesundheitsamt der Stadt längst an seine personellen Grenzen stößt. Wie die Stadt am Donnerstag mitteilt, sei es aktuell nicht mehr möglich, alle mit Corona infizierten Bürgerinnen und Bürger oder deren Kontaktpersonen umgehend telefonisch zu benachrichtigen. Der Fokus werde deshalb nun schwerpunktmäßig auf die Nachverfolgung der Infektionen in bestimmten Personengruppen konzentriert. Dazu zählen Infektionen und größere Ausbrüche in Schulen und Kindertagesstätten sowie Pflegeeinrichtungen, Krankenhäuser und vergleichbare Einrichtungen. Besonders in der Altersgruppe unter 18 liege die Inzidenz derzeit mit über 1500 sehr hoch.

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 Den Rest der Bevölkerung mahnt die Stadt zu Eigenverantwortung. Wer ein positives Testergebnis bekomme, solle nicht erst auf den Kontakt zum Gesundheitsamt warten, sondern sich isolieren und Kontaktpersonen informieren. „Die Zahlen klettern und klettern, aber die Gesamtsituation – vor allem Lage in den Krankenhäusern – verändert sich momentan kaum“, sagt ein Sprecher der Stadt Solingen. „Deswegen veranlassen wir derzeit keine schärferen Regeln.“ Ähnlich sieht die Situation in Wuppertal aus. Zwar steigen dort die Patientenzahlen in den Kliniken, aber nicht auf den Intensivstationen, sagt Krisenstabsleiter Johannes Slawig. „Allerdings gibt es zunehmend Engpässe bei den Beschäftigten, weil diese entweder krank sind oder in Quarantäne“, erklärt Slawig. 

 Weil aber die kritische Infrastruktur ansonsten noch nicht stark beeinträchtigt sei, müssten die Maßnahmen auch noch nicht weiter verschärft werden. In Wuppertal gelten ohnehin schon teilweise strengere Regeln als auf Landesebene, so sind etwa bei städtischen Veranstaltungen nur Besucher zugelassen, die neben dem Booster auch einen Test vorweisen können. Zusätzliche Handlungsoptionen sieht der Krisenstab derzeit nicht. „Viel mehr geht eigentlich nicht, es sei denn, man verhängt einen Lockdown“, sagt Slawig. „Das halte ich aber derzeit nicht für notwendig, sondern nur dann, wenn wir bei der kritischen Infrastruktur nicht mehr weiterkommen.“

 Mit 4224 infizierten Bürgern, 4800 Menschen in Quarantäne und 3571 Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen liegen die Wuppertaler Zahlen auf einem dauerhaft hohen Niveau, so der Lagebericht des Wuppertaler Gesundheitsdezernenten Stefan Kühn. „Über zwei Wochen hat das Gesundheitsamt nun täglich neue Höchstwerte zu verzeichnen. 94,4 Prozent der Infektionen entfallen inzwischen auf die Omikron-Mutante, 77 Prozent der Infektionen auf Ungeimpfte“, sagt Kühn. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den Kitas und Schulen wider. Über 20 Kitagruppen und drei Einrichtungen mussten in den vergangenen Wochen aufgrund der hohen Zahl von Infektionen, auch unter dem Personal, komplett geschlossen werden. Generell bedeuten die hohen Infektionszahlen wie in Solingen viel Arbeit für die Mitarbeiter des Gesundheitsamts. Anrufer beim Bergischen Servicecenter und bei der Corona-Hotline benötigen daher weiterhin viel Geduld: Die extreme Belastung aufgrund der Rekordzahlen von Infizierten und Personen in Quarantäne schlägt auf Servicecenter und Hotline durch, sodass den ganzen Tag über mit maximalen Wartezeiten gerechnet werden muss.

 Ein vergleichbares Bild bietet sich in Krefeld. Auch dort steigt mit der Inzidenz auch die Zahl der Krankenhauseinweisungen, die Lage auf den Intensivstationen ist aber noch unkritisch. Insgesamt zeigt sich wie in Wuppertal ein diffuses Bild, was das Infektionsgeschehen betrifft. Hohe Inzidenzwerte werden besonders in den Altersgruppen von null bis 20 Jahre registriert, auch in der Altersgruppe 20 bis 39 steigen die Werte stark. Besondere Zentren lassen sich dabei allerdings nicht ausmachen, das Infektionsgeschehen verteilt sich über die Stadt. Der Krisenstab der Stadt unter Leitung von Oberbürgermeister Frank Meyer tagt am Freitagmorgen, um die neue Lage zu besprechen. Angesichts des Überschreitens der 1000er-Marke appelliert die Stadtverwaltung allerdings eindringlich, sich an alle geltenden Regeln zu halten.

Auch die Stadt Bonn empfahl am Donnerstag noch einmal, Impfangebote zu nutzen und die „AHA+L“-Regeln“ zu befolgen. Laut Stadtverwaltung lagen am Donnerstag 67 Personen aus Bonn und dem Umland, die an Covid-19 erkrankt sind, in den Bonner Krankenhäusern, 18 von ihnen befinden sich auf Intensivstationen. „Die Situation wird derzeit nicht als kritisch eingestuft“, sagte ein Sprecher.