Corona-Pandemie Schulen in NRW müssen Testbescheinigungen ausstellen

Exklusiv | Düsseldorf · Von Montag an startet in Nordrhein-Westfalen wieder der Präsenzunterricht in voller Klassenstärke – weiterhin mit Masken und Tests. Für die Schulen bringt das eine weitere Überraschung: Sie sollen jedem getesteten Schüler wie ein Testzentrum auf Wunsch auch eine Testbescheinigung ausstellen. Was Lehrer davon halten.

 Ein Schüler macht im Unterricht einen Selbsttest. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Ein Schüler macht im Unterricht einen Selbsttest. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Schulen in Nordrhein-Westfalen müssen von Montag an offizielle Testbescheinigungen für Schüler ausstellen. Das geht aus der aktuellen Schulmail des NRW-Bildungsministeriums hervor, die am Donnerstagabend veröffentlicht wurde. Darin heißt es: „Für die Schülerinnen und Schüler sind in jedem Fall auf Wunsch Bescheinigungen zu erteilen.“ Die Schüler könnten die Bescheinigungen dann auch außerhalb der Schule nutzen, ohne gesonderte Termine in Testzentren wahrnehmen zu müssen, heißt es darin weiter. Voraussetzung sei, dass der Test in der Schule unter Aufsicht stattgefunden habe.

Die allermeisten Schulen in Nordrhein-Westfalen starten am kommenden Montag in den Präsenzunterricht in voller Klassenstärke. Damit wächst auch die Zahl der zu testenden Kinder und Jugendlichen - bisher waren die Klassen und Kurse an Präsenztagen im Wechselunterricht geteilt.

Auch Lehrer sollen sich eine entsprechende Bescheinigung ausstellen lassen können, wenn sie sich unter Aufsicht in der Schule testen. Dafür sollen die Schulleitungen der Schulmail zufolge Personal im Landesdienst einsetzen. Die Ausstellung der Testnachweise bei Lehrern und anderem pädagogischen Personal beruhe aber auf Freiwilligkeit - anders als bei den Schülern.

Um den Schulleitungen den Aufwand zu erleichtern, gibt es ein Musterformular für die Test-Bescheinigung. Dazu heißt es in der Mail: „Um das Verfahren zu erleichtern, sollen der Name der Schule, das Datum und der Schulstempel bereits vor den Tests von der Schule in das Formular eingefügt worden sein. Die Schülerinnen und Schüler setzen ihren Namen, das Datum des Tests und die Zeit selbst ein, so dass die Lehrerin oder der Lehrer nur noch unterschreiben muss.“ Die Schultests stünden in ihrer Aussagekraft jenen aus den Testzentren gleich.

Lehrerverbände sind entsetzt - der Landesphilologenverband und die Direktorenvereinigungen Westfalen-Lippe und Rheinland legten beim Schulministerium bereits Protest gegen die neue Regelung ein. „Dies bedeutet erneuten großen zeitlichen und organisatorischen Aufwand für die Schulen“, sagte die Landesvorsitzende des Philologenverbands, Sabine Mistler, unserer Redaktion. Die bisherigen Maßnahmen in Schulen hätten darauf abgezielt, den Präsenzunterricht in der Schule möglichst sicherer zu machen: „Ein Nachweis über einen negativen Selbsttest unter Aufsicht kann aber doch ausschließlich dazu dienen, außerhalb von Schule, zum Beispiel beim Einkaufen, beim Friseurbesuch, in der Gastronomie verwendet zu werden.“ Dies sei nicht Aufgabe des Lehrpersonals. Ein Nutzen für den Infektionsschutz in der Schule sei nicht zu erkennen.

Die Lehrerverbände stellen zudem die Aussagekraft der Tests infrage: „In den Bürgertestzentren handelt es sich um Schnelltests, die in einer 1:1 Testung bzw. unter 1:1 Aufsicht durchgeführt und dann ausgewertet und attestiert werden.“ In einem Klassenraum könnten Lehrkräfte bei einer Relation von 1: (bis zu über) 30 Schülern nicht dafür garantieren, dass jeder einzelne Test korrekt durchgeführt werde. Zudem verursache die neue Regelung wöchentlich viele Stunden zusätzlicher Verwaltungsarbeit. Und schließlich gehe wertvolle Unterrichtszeit durch das Ausfüllen, Einsammeln und das erneute Verteilen der Testnachweise verloren: „Gerade in der jetzigen Zeit wäre für die Schülerinnen und Schüler doch gerade eine Konzentration auf den Unterricht sehr wichtig.“

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