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Corona-Infektionsschutz: Firma baut Waschstraße für Einkaufswagen

Innovativer Infektionsschutz aus NRW : Start-Up entwickelt Waschstraße für Einkaufswagen

Eine Herforder Firma hat das Gerät entwickelt. Es wird in 60 Märkten in neun Bundesländern erprobt. Die Kunden schieben den Einkaufswagen selbst in die Maschine. Die Reinigung dauert zehn bis 30 Sekunden.

Für Baris Karadas könnte sich die Corona-Krise durchaus positiv auswirken. Hat sie doch eine Geschäftsidee des Herforder Start-up-Unternehmers deutlich beschleunigt: Schon seit einigen Jahren tüftelt er mit seinen Mitarbeitern von Saiko Maschinentechnik an einer Art Spülmaschine für Supermarkt-Einkaufswagen. „Unser Ansatz war, dass die Märkte übers Jahr gesehen viel Zeit und Geld für Desinfektionsmittel sparen können“, erzählt Karadas. Er ließ Abstriche von Einkaufswagen nehmen und analysieren, um die Zahl der Keime und Bakterien zu bestimmen.

Im vergangenen Jahr entstand endlich ein Prototyp der Mini-Waschstraße, in die jeder Kunde seinen Einkaufswagen vor dem Betreten des Marktes selbst hineinschieben kann. Dann kam Corona – und plötzlich musste alles sehr schnell gehen.

Zwar ist die Schmierinfektion über kontaminierte Flächen laut Wissenschaftlern nur für einen kleinen Teil der Infektionen mit Sars-CoV-2 verantwortlich, dennoch ekeln sich viele Menschen davor, etwa Einkaufswagen anzufassen. Das kommt Karadas zugute. Er ließ eine abgespeckte Version seiner Spülmaschine namens Desocube bauen, die aber „einwandfrei“ funktioniere. „Bisher haben bereits 60 Märkte aus neun Bundesländern einen Automaten in Betrieb“, sagt Karadas. Unter anderem stehen jeweils ein Apparat bei Rewe Kaeseler in Dortmund und Bochum.

Im Juli startet die industrielle Serienfertigung, angereichert um die aktuellen Erfahrungswerte. Märkte, die ein Vorserienmodell betreiben, dürfen dieses dann gegen ein neues eintauschen, der Preis wird verrechnet. Das Vorserienmodell kostet 1500 Euro.

Die bisherige Resonanz sei positiv, sagt Karadas, sowohl bei Supermarkt-Kunden als auch bei den Marktbetreibern. Die Wahl des Desinfektionsmittel treffen die Märkte, Karadas empfiehlt Mittel auf Natriumchloridbasis, weil diese effizient und geruchsneutral reinigen würden. Ein Spülvorgang dauert zehn bis 30 Sekunden, danach ist der Einkaufswagen desinfiziert. Die Auslösung erfolgt bei den neuen Modellen kontaktlos, während der Kunde bisher noch einen Knopf drücken muss.

Wieviele Bakterien am Ende noch an den Griffen haften, will Karadas von einem Labor prüfen lassen. Der Unternehmer hat sich das System patentieren lassen, spekuliert auch auf den europäischen Markt. Denn ein Anbieter mit einem vergleichbaren Produkt, so Karadas, sei bislang nicht in Sicht.