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Corona-Impfung in Rhein-Sieg-Kreis: Arzt - „Es kommen theatralische Begründungen“

Arzt über Impfneid : „Es kommen theatralische Begründungen“

Hausärzte stellen in ihren Praxen nach Angaben eines Mediziners aus dem Rhein-Sieg-Kreis einen deutlichen Neid auf Corona-Impfungen fest.

„Es kommen theatralische Begründungen, die aber letztendlich nicht helfen“, sagte der Allgemeinmediziner Oliver Funken am Mittwoch im WDR. Es gebe da allerhand Diskussionen - etwa wegen des Nachbarn, der schon geimpft sei. Der Impfneid setze sich „zunehmend durch“, sagte Funken, der auch Vorstand des Hausärzteverbandes Nordrhein ist. „Weil man natürlich in der Hoffnung ist, damit auch in die Freiheit entlassen zu werden.“

Viele Gespräche drehten sich um den Impfstoff von Astrazeneca. „Wir haben eine gewisse Verweigerung in allen Altersgruppen. Wobei inzwischen auch bei den Über-60-Jährigen viele sagen: Astrazeneca nicht“, sagte Funken. Meistens hätten ihnen aber die Jüngeren - also die Kinder - davon abgeraten. Das sei ein Problem. Es müsse ja geimpft werden. „Wir haben zurzeit Astrazeneca im Überfluss“, sagte Funken. Das Präparat wird in Deutschland für Menschen über 60 Jahre empfohlen.

„Nur aus der Emotionalität“ heraus „Rosinenpickerei“ zu betreiben, sei schwierig, sagte Funken.

Die Zahl der innerhalb von sieben Tagen gemeldeten Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner geht in Nordrhein-Westfalen weiter zurück. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) lag sie am Mittwoch bei 116,2. Am Dienstag hatte die wichtige Kennziffer noch 123,2 betragen, am Montag 128,8. Die sogenannte Inzidenz ist eine wichtige Datengrundlage, um den Verlauf der Pandemie zu beurteilen. Unter anderem sind Lockerungen an den Wert gekoppelt. In NRW sind viele Kommunen mittlerweile wieder unter die Schwelle von 200 bei der Corona-Wocheninzidenz gefallen.

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Über der sehr kritischen Marke lagen am Mittwoch nur noch Leverkusen (220,5) und Hagen (209,3). Am besten sah die Lage in Münster aus. Für die Stadt gab das RKI die Zahl der Sieben-Tage-Inzidenz mit 51,7 an. Den Daten vom Mittwoch zufolge wurden in NRW binnen eines Tages 3107 Neuinfektionen gemeldet. Die Zahl der Todesfälle in Zusammenhang mit dem Coronavirus stieg um 74 auf nun 16.104.

(mba/dpa)