1. NRW
  2. Panorama

Corona Holland: Nur noch die Provinz Zeeland ist kein Risikogebiet

Zeeland : Die letzte risikoarme Provinz der Niederlande

Immer größere Teile der Niederlande werden zum Risikogebiet erklärt. Galten bis vor wenigen Tagen zwei der zwölf Provinzen als risikofrei, bleibt nun nur noch Zeeland übrig.

Es war abzusehen. In der ganzen Niederlande steigen die Infektionszahlen seit Wochen rapide an, bei der letzten Bewertung der Risikogebiete traf es zehn der zwölf Provinzen, nun sind es schon elf. Auch Limburg ist Risikogebiet, nur die Inselprovinz Zeeland ist bislang nicht auf der Liste des Auswärtigen Amts. Allerdings steigen dort auch die Infektionszahlen. Bald könnte also das ganze Land Risikogebiet sein.

Wir erklären, wie die Lage in der letzten niederländischen Bastion für deutsche Touristen ist und wie die dortige Regierung die Ausnahmeregion einstuft.

Warum ist Zeeland kein Risikogebiet?

Die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz sei für die Bestimmung der Risikogebiete entscheidend, hieß es auf Anfrage aus dem Auswärtigen Amt. Dieser Wert bildet die Fälle der letzten sieben Tage pro 100.000 Einwohner ab. Ab einem Inzidenzwert von 50 stuft die Bundesregierung Regionen in aller Regel als Risikogebiete ein. Bei der Auswertung der Bundesregierung am 2. Oktober lag die Sieben-Tage-Inzidenz in Limburg bei 52,1 Fällen, zu diesem Zeitpunkt allerdings erst seit einem Tag. Die Lage dort hat sich seitdem nicht entspannt, entsprechend ist Limburg nun auch bei der jüngsten Auswertung (Stand 7. Oktober) auf der Liste der Risikogebiete. Anders ist die Situation in Zeeland. Am 2. Oktober lag dort die Sieben-Tage-Inzidenz bei 28,5 Fällen, also deutlich unter der Grenze. Seitdem sind die Zahlen allerdings rapide gestiegen. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag für Zeeland laut der Weltgesundheitsorganisation am 7. Oktober bei 61,35. Wenn die Zahl der Infektionen in Zeeland nicht abnimmt, dürfte die Provinz bei der nächsten Aktualisierung ebenfalls auf der Liste der Risikogebiete stehen.

Wie sehen die Infektionszahlen in Limburg und Zeeland jeweils aus?

Das Nationale Institut für öffentliche Gesundheit und Umwelt der Niederlande (RIVM) weist für Mittwoch 14,2 Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner für die Region Limburg-Nord und 14,4 in Limburg-Süd aus. Am Montag lagen diese Werte es noch jeweils 12,9 und 7,7. In Zeeland hingegen ist die Zahl seit Montag nur leicht gestiegen: von 9,4 auf 9,9 am Mittwoch.

Zum Vergleich: Die Inzidenz der letzten sieben Tage liegt laut des Robert-Koch-Instituts (RKI) deutschlandweit bei 18,6 Fällen pro 100.000 Einwohner, also unter den positiv getesteten an einem Tag in Limburg-Nord. In Nordrhein-Westfalen liegt der Sieben-Tage-Wert bei 25,4.

Was müssen Reisende aus Deutschland beachten?

Für die Niederlande gelten neben den üblichen Regeln wie einen Abstand von 1,5 Metern zueinander halten auch weitere Beschränkungen. Etwa beim Hausbesuch: Nur drei Personen, die nicht zum Haushalt gehören, dürfen ihn auch besuchen. „Im Freien, zum Beispiel in Attraktionen und Restaurants, kann deine Gruppe aus maximal vier Personen bestehen, die nicht zum selben Haushalt gehören“, heißt es auf der Seite des Niederländischen Büros für Tourismus. Dabei werden Kinder bis einschließlich zwölf Jahre nicht mitgezählt.

Bei der Einreise mit dem Flugzeug müssen Touristen vor Reiseantritt ein Gesundheitsformular ausfüllen und bei sich führen. Wer nicht nach Zeeland oder Limburg reist, muss sich nach der Rückkehr in eine 14-tägige Quarantäne begeben. Bei der Rückkehr aus Risikogebieten besteht in Deutschland weiterhin die Pflicht, sich testen zu lassen. Liegt ein negativer Testbefund vor, darf man die Quarantäne abbrechen.

Außerdem fordert die Regierung der Niederlande die Bevölkerung nun zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes in der Öffentlichkeit auf, wenn Abstandsregeln nicht eingehalten werden können. Die Empfehlung kommt einer Kehrtwende gleich, da die Regierung und führende Mediziner des Landes bisher die Wirksamkeit eines Mund-Nasen-Schutz im Kampf gegen Ansteckungen infrage gestellt hatten.

Restaurants und Cafés müssen nun um 22 Uhr schließen und dürfen ab 21 Uhr niemanden mehr einlassen. Tische gibt es nur auf Reservierung vorab oder an der Tür. Gäste müssen sich registrieren lassen. Abholrestaurants sind ab 2 Uhr geschlossen, Alkohol wird nach 22 Uhr nicht mehr verkauft.

Was sollen Reisende tun, wenn sie Symptome bemerken?

Urlauber, die Covid-19-Symptome entwickeln, sollten in ihrem Feriendomizil bleiben und getestet werden. Ausländer, das rät die niederländische Regierung, sollen die nationale Hotline anrufen unter 0800 1202 oder +31 850 659 063.

Wie bewertet die Niederlande die Situation?

Die Regierung stuft zusammen mit Gesundheitsbehörden die Regionen des Landes in drei verschiedenen Risikogruppen ein. Stufe eins heißt „Caution“ (Vorsicht), Stufe zwei „Concern“ (Sorge) und Stufe drei „Serious“ (ernst). Die zweite Stufe gilt für Regionen, in denen es mehr als 50 positive Corona-Tests auf 100.000 Einwohner gibt oder wenn mehr als fünf Prozent der Tests positiv ausfallen. Als „Serious“ wird die Situation in einer Region dann gewertet, wenn es mehr als 150 positive Tests auf 100.000 Einwohner gibt oder wenn mehr als zehn Prozent der Tests positiv ausfallen.

Die niedrigste Risikostufe, also „Caution“, gilt nur noch für Limburg, Zeeland und die Region Ijsselland in der Provinz Overijssel. Für große Teile des Landes gilt die zweite Risikostufe. Für die Regionen Amsterdam-Amstelland, Haaglanden und Rotterdam-Rijnmond gilt die höchste Risikostufe.

Wie schnell kann sich die Einstufung als Risikogebiet ändern?

Grundsätzlich wird die Liste der Risikogebiete in Deutschland wöchentlich aktualisiert. Die Entscheidung fallen das Auswärtige Amt, das Bundesinnenministerium und das Bundesministerium für Gesundheit. Doch auch kurzfristige Änderungen sind möglich. Aus dem Auswärtigen Amt hieß es: „Die Bewertung für einzelne Länder oder Regionen wird auch dann umgehend angepasst, wenn aufgrund der Entwicklungen in einem Land dringender Bedarf besteht.“