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Corona Hamm & Dortmund: Hochzeit für Superspreader-Ausbruch verantwortlich

Bundesweit höchste Corona-Kennzahl in Hamm : Das ist über die „Superspreading-Hochzeit“ in NRW bekannt

Die Sieben-Tage-Inzidenz im westfälischen Hamm liegt bei mehr als 80 – bundesweiter Rekord. Auslöser war vor allem eine Großhochzeit mit Feiern in Hamm, Dortmund und Werl. Den Verantwortlichen drohen nun Bußgelder.

Hamm ist derzeit der bundesweit größte Corona-Hotspot: Die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern in den vergangenen sieben Tagen lag am Mittwoch nach Angaben der Stadt bei 94,9. Laut Robert-Koch-Institut lag Hamm am Mittwoch deutschlandweit mit einem Wert von 80,4 an der Spitze. Die Differenz kommt durch unterschiedliche Meldewege und -zeiten zustande. Ab diesem Mittwoch dürfen sich daher für zunächst zwei Wochen nur noch fünf Personen oder Personen aus zwei Haushalten gemeinsam im öffentlichen Raum aufhalten. Zudem müssen Schüler und Lehrer an weiterführenden Schulen im Unterricht wieder einen Mund-Nasen-Schutz tragen, wenn der Mindestabstand nicht gewährleistet werden kann.

Auslöser des Corona-Ausbruchs ist eine Großhochzeit: Am ersten September-Wochenende (4. bis 6. September) wurde drei Tage lang eine Hochzeit mit Festen in Hamm und Dortmund gefeiert, wie Stadtsprecher Lukas Huster auf Anfrage mitteilt. Die Hauptfeier fand demnach in Dortmund statt. Am darauffolgenden Wochenende fand eine weitere Hochzeit in Werl statt, bei der sich die Teilnehmerkreise überschnitten. Die Stadt geht von mehreren hundert Gästen bei den Feierlichkeiten aus, ein Großteil davon aus Hamm. Teilnehmerlisten gebe es nicht oder nur unvollständig, so Huster. „In Hamm sind uns allein 309 Personen in Zusammenhang mit den Feierlichkeiten bekannt.“ Dazu zählen auch Familienangehörige und Bekannte der Hochzeitsgäste. Sie alle stehen derzeit unter Quarantäne. Insgesamt stehen nach Angaben der Stadt 116 Corona-Infektionen in Hamm im Zusammenhang mit einer Hochzeit, 99 Hochzeitsgäste oder Angehörige sind aktuell infiziert.

Hamms Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann (CDU) sagte am Montag in einer Videobotschaft, er sei „äußerst verärgert“, dass die jetzige Situation durch eine einzige Hochzeit verursacht worden sei. „Es kann nicht sein, dass eine kleine Gruppe das Leben in einer ganzen Stadt erheblich beeinträchtigt.“ Man sei dabei herauszufinden, wer die Verantwortlichen sind und Sanktionen zu prüfen, sagte der Sprecher. Die Stadt will den Betreiber mit einem Bußgeld zur Rechenschaft ziehen. Bekannt wurde die „Superspreading“-Hochzeit erstmals am 12. September, als die Kontakte von zwei Corona-Infizierten verfolgt wurden. In den Tagen danach wurden weitere Infektionen in diesem Zusammenhang bekannt.

An den beiden September-Wochenenden solle es in einer Dortmunder Eventhalle Hochzeitsfeiern mit Gästen aus demselben familiären Umfeld gegeben haben, sagt der Dortmunder Stadtsprecher Maximilian Löchter. Auch hier ist die Teilnehmeranzahl nicht bekannt. Die Feier sei dem Ordnungsamt nicht bekannt gewesen, so der Sprecher. Die Corona-Schutzverordnung sieht weder eine Genehmigungs- noch eine Meldepflicht vor, deshalb habe es auch keine Kontrollen gegeben. Das Ordnungsamt erfahre „allenfalls im Nachgang von solchen Veranstaltungen“, sagt Löchter.

Vom möglichen Zusammenhang zwischen dem Corona-Ausbruch in Hamm und den Feiern in Dortmund erfuhr die Stadt nach eigenen Angaben am vergangenen Freitag. Daraufhin kontaktierte das Ordnungsamt den Hallenbetreiber, der der Stadt die Daten der Mieter an den beiden Wochenenden gab. Am vergangenen Wochenende kontrollierte das Ordnungsamt dann Hochzeiten in der Location: Am Samstag waren rund 230 Gäste anwesend. Gemäß der Corona-Schutzverordnung wären maximal 150 Menschen ohne Mindestabstand und Mund-Nasen-Schutz erlaubt gewesen. Daraufhin wurde die Feier vorzeitig aufgelöst. Außerdem seien Mängel bei der Kontaktdaten-Erfassung festgestellt worden. Den Hallenbetreiber erwartet ein vierstelliges Bußgeld.

Ulrich Canisius, Sprecher der Stadt Werl, sagte am Mittwoch, dass die betroffene Feier am 12. September in Werl stattgefunden habe. Derzeit besorge man die Teilnehmerlisten der Veranstaltung, um diese anschließend ans Gesundheitsamt des Kreises Soest zu geben.

(mit Material der dpa)