1. NRW
  2. Panorama

Corona Frechen: Einjähriges Kind positiv getestet - Hochzeitsgäste in Quarantäne

Corona-Hotspot in Frechen : Einjähriges Kind positiv getestet – Hochzeitsgesellschaft in Quarantäne

Von 85 Gästen einer Hochzeitsfeier in Frechen sind 23 mit Corona infiziert. Mehr als 170 Personen befinden sich in Quarantäne. Ursprung der Infektion ist wohl eine Familie. Am Dienstag sollen weitere Tests stattfinden.

Nach einer Hochzeitsfeier in Frechen hat sich die Zahl der Infizierten bislang nicht weiter erhöht. Am Dienstag sollen laut Marco Johnen, Sprecher des Rhein-Erft-Kreises, weitere Tests stattfinden. Bisher wurden 23 der 85 Gäste positiv auf das Corona-Virus getestet. Die Feier fand am 22. August statt. Wer die Infektion in die Gruppe der Feiernden hineingetragen hat, sei schwer feststellbar, sagt Johnen. Am wahrscheinlichsten ist es aber, dass der Ursprung bei einer Familie zu suchen ist. Deren einjähriges Kind war nach der Feier bei einer Untersuchung im Krankenhaus routinemäßig auf das Virus getestet worden - mit positivem Ergebnis. Symptome hatte das Kind nicht gezeigt. "Als der Befund kam, wurden sofort die Kontakte der betreffenden Personen zurückverfolgt", erklärt Johnen. "Dabei rückte natürlich der Besuch der Hochzeitsfeier in den Fokus."

Unmittelbar danach seien alle Gäste und sonstigen Kontaktpersonen unter Quarantäne gestellt worden. Alle Teilnehmer der Feier wurden zudem auf das Coronavirus getestet. Die bisher positiv Getesteten hätten überwiegend ihren Wohnsitz in Hürth. Insgesamt befinden sich aktuell 850 Personen aus dem Kreis in Quarantäne und damit 174 mehr als noch am Freitag, wie es weiter hieß. Für die Mitarbeiter der Gesundheitsbehörden habe die Nachverfolgung der Kontakte übers Wochenende viel Arbeit bedeutet.

Der enorme Anstieg der Fallzahlen sei darauf zurückzuführen, dass die neu Betroffenen selbst eine beträchtliche Anzahl von beruflichen und privaten Kontakten hatten. Dazu gehören unter anderem zwei Kindertagesstätten, eine Schule und ein Fußballverein. Der Wert der Neuinfektionen in den letzten sieben Tagen je 100.000 Einwohner für den Rhein-Erft-Kreis ist damit von 14,0 (Freitag) auf 18,5 gestiegen. Der Krisenstab des Rhein-Erft-Kreises hat die Bezirksregierung am Wochenende im Rahmen eines Sonderberichtes informiert, über die Quarantäneverfügungen hinaus seien aus infektiologischer und ordnungsrechtlicher Sicht zunächst aber keine weitergehenden Maßnahmen erforderlich.

Über den Gesundheitszustand der Infizierten liegen Johnen bislang keine Informationen vor. Mit rechtlichen Konsequenzen müssen die Veranstalter der Hochzeitsfeier nicht rechnen. Die Feier sei konform mit der Corona-Schutzverordnung des Landes verlaufen, sagte Johnen. Demnach sind private Feiern mit bis zu 150 Gästen zulässig. Wenn entsprechende Vorkehrungen zur Hygiene getroffen werden und alle Anwesenden sich in Listen eintragen, müssen auch keine Mindestabstände eingehalten oder Masken getragen werden. Auch eine Genehmigung ist nicht notwendig.

Das NRW-Gesundheitsministerium kündigte an, den Fall genauestens zu beobachten. Das aktuelle Beispiel würde zeigen, dass die zuständigen Behörden in den bisherigen Infektionsfällen zwar einen erheblichen Aufwand hätten, das System aber grundsätzlich funktionieren würde, sagte ein Sprecher des Ministeriums. „Eben dies sowie die Auswirkungen solcher Infektionsgeschehen auf die regionale und landesweite Infektionsentwicklung werden wir am Beispiel der aktuellen Fälle aber genau beobachten“, so der Sprecher. Auf dieser Basis werde dann auch fortlaufend geprüft, ob es – auch im Hinblick auf die bevorstehenden kälteren Jahreszeiten – Änderungen geben muss, sagt er.

Die Ermöglichung privater Feiern mit bis zu 150 Personen wie Hochzeiten auch außerhalb der Privaträume (also in Restaurants und gemieteten Sälen) ist nach Angaben des Gesundheitsministeriums Teil einer Konzeption im langfristigen Umgang mit dem Virus. „Es geht dabei darum, wie man auf längere Zeit mit dem Virus leben und dennoch die elementaren Bedürfnisse unseres gesellschaftlichen und sozialen Lebens erfüllen können. Dies ist erforderlich, denn das Virus wird uns noch länger begleiten“, heißt es beim Gesundheitsministerium.

(jis/csh)