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Cold Case Ermittler: Berthold Kunkel in NRW rollt alte Fälle wieder auf

Ermittler zurück aus dem Ruhestand : Ex-Polizist bearbeitet jetzt Cold-Cases

Berthold Kunkel gehört zur neuen Cold-Case-Einheit des Landeskriminalamtes in NRW. Der 65-Jährige Alt-Ermittler leitete bis zu seiner Pensionierung das Kriminalkommisariat 11 der Polizei in Gelsenkirchen. Die ersten Fälle hat er sich schon vorgenommen.

Eigentlich ist Berthold Kunkel im Ruhestand. Doch die Ermittlungsarbeit lässt den 65-Jährigen nicht los. Der ehemalige Leiter des des Kriminalkommissariats 11 in Gelsenkirchen zählt zu den neuen Cold Cases-Unterstützungskräften des Landeskriminalamtes in NRW, einer Eliteeinheit ehemaliger Polizisten, die sich um ungeklärte Mord- und Tötungsdelikte aus den vergangenen 50 Jahren kümmern.

Und Kunkel ermittelt auch schon. „Mir wurden Fälle zugewiesen. Ich lese mich ein, betrachte alle Aspekte intensiv“, sagt er.  „Bisher habe ich mir zu den ersten zwei Fällen die Ermittlungsakten durchgelesen und entsprechende Gedanken beziehungsweise Notizen gemacht.“

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Die Ermittler gehören einer deutschlandweit einzigartigen Organisationseinheit für Cold Cases an; mit ihr will das NRW-Innenministerium die Aufarbeitung ungelöster Fälle systematisieren, verbessern und beschleunigen. Im Juli hatte das LKA begonnen, nach pensionierten Polizisten zu suchen, um die Ermittlungen von ungeklärten Tötungsdelikten neu aufzustellen und in einer sogenannten „Besonderen Aufbauorganisation“ (BAO) zu bearbeiten. 24 der 28 Stellen sind vergeben, die übrigen vier werden bis zum 1. Dezember 2021 besetzt. „Ich bin dankbar, dass diese Idee von der Wiedereinstellung ehemaliger Ermittler unterstützt wird und nun zur Umsetzung kommt. Das entlastet die Kolleginnen und Kollegen vor Ort ungemein, da bin ich mir sehr sicher“, sagt Kunkel.

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Der Chef des Landeskriminalamts, Ingo Wünsch, ist überzeugt: „Diese einmalige Ermittlungsgruppe hat die Zeit, sich intensiv und ausschließlich in die alten Fälle reinzuknien und damit unsere Mordermittler und Mordermittlerinnen in den Polizeibehörden zu unterstützen.“

Lange überredet werden musste Kunkel nicht. „Sowohl meine Ehefrau als auch ehemalige Kollegen kamen auf mich zu, um mir mitzuteilen, dass ich doch geeignet dafür wäre“, sagt er. In seiner Laufbahn hatte er es viel mit Tötungsdelikten und Sexualstraftaten zu tun. Kunkel und die anderen neuen Unterstützungskräfte dürfen selbst nicht mehr operativ tätig werden. Deswegen sind ihnen sogenannte Fall-Paten zugeordnet worden. „Wir sprechen uns ab, was das weitere Vorgehen im jeweiligen Fall angeht. Möchten wir beispielsweise die Staatsanwaltschaft einbinden oder an Asservate kommen, schließen wir uns hierzu mit dem Fall-Paten kurz“, erklärt Kunkel.

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) erklärte: „Vielleicht gibt es neue Erkenntnisse oder neue Techniken, vielleicht auch neue Rechtsgrundlagen, weshalb es sich lohnt, einen Fall wieder aufzurollen. Schließlich haben die Angehörigen ein Recht darauf, dass diese Fälle aufgeklärt werden, wenn es eine neue Spur gibt.“

(csh)