Chronologie vom Missbrauch auf dem Campingplatz in Lügde - eine Chronik

Beginn vor über zehn Jahren : Missbrauch in Lügde - eine Chronologie des Grauens

Nach den bisherigen Erkenntnissen der Ermittler hat der vielfache sexuelle Missbrauch von Kindern auf einem Campingplatz in Lügde bereits vor mehr als zehn Jahren begonnen. Eine Chronologie.

Insgesamt 31 Kinder und Jugendliche sind Opfer in den Jahren bis 2018 geworden. Darunter ist ein Pflegekind, dass bei dem Hauptverdächtigen auf dem Campingplatz wohnte. Der Mann soll das Mädchen missbraucht und als Lockvogel eingesetzt haben, um an andere Kinder heranzukommen.

2008

Der Hauptverdächtige soll ein damals achtjähriges Mädchen auf dem Campingplatz im Kreis Lippe missbraucht haben.

August 2016

Hinweise eines Vaters an Polizei, Jugendamt und Kinderschutzbund. Die Polizei schaltet das Jugendamt ein, ermittelt aber nicht. Auch gibt es keinen Hinweis an die Staatsanwaltschaft.

November 2016

Hinweis einer Mitarbeiterin des Jobcenters Blomberg zu Äußerungen des Hauptverdächtigen, die auf sexuellen Missbrauch hindeuten könnten. Erneut reicht die Polizei den Hinweis nur an das Jugendamt weiter und verzichtet auf eigene Ermittlungen.

November 2018

Hinweis auf sexuellen Missbrauch auf dem Campingplatz.

Dezember 2018

Festnahme des Hauptverdächtigen. Der heute 56-jährige Arbeitslose aus Lügde sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

Januar 2019

Zwei Festnahmen. Ein 33-Jähriger aus Steinheim bei Höxter soll am Missbrauch direkt beteiligt gewesen sein. Im Wechsel mit dem Hauptbeschuldigten soll er gefilmt und Kinder missbraucht haben. Ein 48-Jähriger aus Stade in Niedersachsen soll Material bestellt und per Videoübertragung Missbrauch beobachtet haben.

30. Januar 2019

Polizei Lippe und Staatsanwaltschaft berichten in einer Pressekonferenz über den tausendfachen Missbrauch von Opfern im Alter zwischen 4 und 13 Jahren.Wegen der Dimension des Falles übernimmt die Polizei in Bielefeld die Ermittlungen. Weitere Beamte auch aus anderen Polizeipräsidien werden hinzugezogen.

Februar 2019

Die Staatsanwaltschaft Detmold ermittelt auch gegen Polizeibeamte und Mitarbeiter in Jugendämtern in Lippe und Hameln. Dabei geht es um die Frage, ob Hinweise missachtet wurden.

19. Februar

Der Landkreis Hameln stellt einen Mitarbeiter des Jugendamtes frei, der Akten manipuliert haben soll. In die Kritik geraten war das Jugendamt des Kreises Hameln, weil es den heutigen Hauptverdächtigen, der auf dem Campingplatz wohnte, als Pflegevater eingesetzt hat. Dies soll Wunsch der Kindesmutter gewesen sein.

22. Februar

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) informiert über den Verlust eines Teils des Beweismaterials bei der Kreispolizei Lippe mit Sitz in Detmold. Aus einem Raum des Kriminalkommissariats seien ein Alukoffer und eine Hülle mit 155 Datenträgern verschwunden. Ob auf den CDs und DVDs mit insgesamt 0,7 Terabyte Datenvolumen auch kinderpornografisches Material war, sei nicht auszuschließen.

26. Februar

Vor dem Innenausschuss des NRW-Landtags berichtete Herbert Reul von einem neuen Tatverdächtigen. Dabei handelt es sich um einen 16-Jährigen aus der Region, der kinderpornografisches Material besaß, das auf dem Campingplatz entstanden sein soll. Der Jugendliche sei am Montag vernommen worden, befinde sich aber wieder auf freiem Fuß. Die Ermittler fanden auf seinem Handy belastendes Material.

Außerdem wird der Polizeidirektor an das Landesamt für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten versetzt. Seinen Posten übernimmt kommissarisch bis Mai 2019 eine Beamtin aus dem Landeskriminalamt.

9. März

Bei den Untersuchungen zum Polizeiskandal von Lügde ist der Sonderermittler auf den Fall eines wegen Kinderpornografie vorbestraften Beamten bei der Polizei im Kreis Lippe gestoßen. Der Polizist sei im Jahr 2011 wegen des Besitzes und Beschaffens von Kinderpornografie verurteilt worden.

Der Beamte sei weiter im Dienst, allerdings nicht in die Untersuchungen zum Missbrauchsfall in Lügde oder andere Ermittlungen eingebunden, sagte ein Ministeriumssprecher. Demnach wurde der Polizist nach seiner Verurteilung 2011 degradiert und in die Kreispolizeibehörde Lippe versetzt.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Schwerer Kindesmissbrauch auf Campingplatz in Lügde

(skr/mba/dpa)
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