Proteste in Köln und anderen Städten „Ey Puppe! Willst du einsteigen?

Köln · Blöde Anmachen, Hinterherpfeifen und üble Gesten: Viele Frauen und junge Mädchen haben das schon erlebt. Man nennt es Catcalling, also Katzen anlocken. Das hört sich nett an, ist aber gar nicht in Ordnung.

 Eine Passantin schreibt einen Satz mit Kreide auf der Straße im Rahmen eines Projekts für Frauen, das von der Studentin Sanderberg initiiert wurde. In der Stadt New York haben die Frauen damit angefangen: Fiese Sprüche von Fremden mit Kreide auf den Boden kritzeln. Ähnliche Sätze findet man auch in deutschen Städten, zum Beispiel in Köln.

Eine Passantin schreibt einen Satz mit Kreide auf der Straße im Rahmen eines Projekts für Frauen, das von der Studentin Sanderberg initiiert wurde. In der Stadt New York haben die Frauen damit angefangen: Fiese Sprüche von Fremden mit Kreide auf den Boden kritzeln. Ähnliche Sätze findet man auch in deutschen Städten, zum Beispiel in Köln.

Foto: dpa/Mamen Sala

Es passiert plötzlich im Bus oder in der Bahn. Oder auch mitten auf der Straße. Man hört Pfiffe oder laute Kussgeräusche hinter sich. Dann kommen noch Sprüche zur Kleidung oder über den Körper hinzu. Meist kommen solche Anzüglichkeiten von fremden Männern. Einfach so.

Viele Frauen und jungen Mädchen haben so etwas schon mal erlebt. Manchmal passiert es auch Männern oder Jungen. Auch sie werden mit anzüglichen Sprüchen, Geräuschen und Gesten belästigt. Das hat einen speziellen Namen. Man nennt es „Catcalling“ (gesprochen: kät koling). Das Wort kommt aus dem Englischen. Übersetzt bedeutet es so viel, wie eine Katze anlocken oder herbeirufen.

Um auf das Problem aufmerksam zu machen, haben sich Frauen in der Stadt New York in den USA etwas einfallen lassen. Sie sammeln solche miesen Sprüche und schreiben sie mit bunter Kreide auf die Straße. Inzwischen gibt es solche Gruppen auch in vielen deutschen Städten, etwa in Berlin, Köln, Stuttgart, Hamburg oder Dortmund. Auf den Straßen steht dort nun zum Beispiel: „Ey Puppe! Willst du einsteigen?“ oder „Du bist hübsch. Schöne lange Haare. Schöne Brüste! Wohin gehst du?“

Die Frauen machen dann Fotos von den Sprüchen und stellen sie ins Internet. Ankreiden nennen sie das. Das Wort passt doppelt: Denn die Sprüche sind mit Kreide geschrieben, klar. Ankreiden bedeutet aber auch, jemandem etwas übelzunehmen. Damit wollen sie zeigen, dass so ein Verhalten nicht in Ordnung ist.

„Klar, das sind nur Sprüche. Aber ich glaube, viele wissen gar nicht, was die anrichten können“, meint auch Sarah. Der 18-Jährigen aus Köln wurde auch schon laut hinterhergepfiffen. Oder sie wurden blöd von der Seite angequatscht. Obwohl sie von ihren Erfahrungen erzählt, möchte sie lieber unerkannt bleiben.

Sarah hat zum Beispiel bemerkt, dass sie bestimmte Orte mittlerweile lieber meidet. Denn sie fühlt sich dort nicht mehr wirklich sicher. Und auch die Art, wie sie sich anzieht, hat sich verändert. „Ich trage lieber weite T-Shirts anstatt Tops“, erzählt sie.

Sarah ärgert sich aber nicht nur über die fiesen Anmachsprüche. Sie ärgert sich auch darüber, wie andere Leute darauf reagieren. „Wenn ich anderen von den Sprüchen erzähle, heißt es oft: Stell dich doch nicht so an. Oder das sei doch als Kompliment gemeint“, erzählt sie. „Für mich ist das aber alles andere als ein Kompliment.“

(dtm/dpa)
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