Spitzen-Brater in Duisburg: Burger-Läden erobern die Städte

Spitzen-Brater in Duisburg : Burger-Läden erobern die Städte

Deluxe-Fastfood-Restaurants machen den großen Ketten aus den USA zunehmend Konkurrenz. Die kleineren Läden setzen auf höhere Qualität und überzeugen durch erstklassigen Geschmack. In Duisburg brät ein Spitzenkoch Burger.

Der Name ist nur zum Teil Programm - denn außer dem Grill ist im "Einfach Grill" nichts einfach. In dem Deluxe-Burger-Restaurant in der Duisburger Innenstadt wird die Rindfleisch-Variante nicht mit zwei Spritzern Ketchup zwischen den Brotdeckeln serviert, sondern als Feinschmeckervariante mit Butternutkürbis, Kürbiskernen und Joghurt oder mit Rote Bete, Honig und Walnüssen. Anfang September hat Spitzenkoch Dirk Brendel sein zweites Lokal aufgemacht - mit Fastfood aus regionalen Zutaten. Bei ihm brutzeln Fleisch und Gemüse vom Niederrhein auf dem Elektrogrill, der Ziegenkäse wird in Grefrath produziert, die Brötchen kommen aus Düsseldorf.

Brendel setzt auf den Burger-Boom: Seit einigen Jahren haben sich in vielen Großstädten Gourmet-Grills etabliert. Die Konkurrenz bekommen die Schnellrestaurant-Ketten aus den USA bereits zu spüren. McDonald's musste in Deutschland für das Geschäftsjahr 2013 einen Umsatzrückgang von 3,25 auf 3,1 Millionen Euro hinnehmen. Und dass Burger King seit Wochen negative Schlagzeilen macht, spielt den kleineren Trendläden zusätzlich in die Hände. Nach dem erneuten Bekanntwerden von Hygiene-Mängeln hatte sich der Fastfood-Riese von seinem Franchise-Partner "Yi-Ko-Holding" getrennt. 89 Geschäfte sind bis auf weiteres geschlossen. Rund 66 Prozent der Deutschen halten das Image der Marke inzwischen für angeschlagen. Das hat eine Umfrage des Meinungsforschungs-Institutes Forsa im Auftrag des Magazins "Stern" ergeben. 36 Prozent der Deutschen essen gelegentlich bei Burger King, in der Altersgruppe der 14- bis 29-Jährigen sind es sogar 59 Prozent. Von diesen Kunden will jeder Dritte vorerst die Kette meiden.

Für höhere Qualität sind Imbiss-Freunde zunehmend bereit, mehr zu zahlen. Bei Brendel liegen die Trend-Mahlzeiten preislich zwischen 3,50 Euro für einen einfachen 100-Gramm-Hamburger (zum Vergleich: bei McDonald's kostet dieser einen Euro) und 9,50 Euro für die Version mit Pata-Negra-Schinken, Olivenmayonnaise und Rucola.

Nicht nur Unternehmer wie Brendel, auch Franchise-Unternehmen setzen beim Burger-Braten vermehrt auf gehobene Standards und machen Druck auf die großen Ketten: "Hans im Glück" etwa hat 2010 in München die erste Filiale aufgemacht. Die Vertragslaufzeit beträgt in der Regel zehn Jahre, die Unternehmer investieren je nach Standort und Größe bis zu 700 000 Euro in den Start. Inzwischen werden die Gerichte namens "Stallbursche" und "Glücksschmied" in 29 Lokalen in Bayern, Baden-Württemberg und NRW serviert. Avocado, Brie und Preiselbeeren veredeln die Bratlinge. Am Düsseldorfer Medienhafen hat Mitte November ein "Hans im Glück"-Ableger eröffnet.

"Freddy Schilling" in Köln hat im vorigen Jahr expandiert und führt seither einen Zweitladen am Ebertplatz. "Beef Brothers" (ebenfalls aus Köln) gibt es seit dem Sommer auch in Düsseldorf. In der Landeshauptstadt hat die Burger-Bewegung etwas später begonnen. Die ersten Edel-Bratereien "What's Beef Burgers", "Richie 'n Rose" und "Stier Royal" haben vor etwa eineinhalb Jahren aufgemacht. "Wir hängen hinter Berlin und Köln etwa fünf Jahre hinterher", sagt "Richie 'n Rose"-Inhaber Richard Nicolaus. Er setzt darauf, dass sich der Deluxe-Burger in Deutschland inzwischen einen festen Platz neben Klassikern wie Pizza oder Sushi erkämpft hat. Zumindest wird die Burger-Bewegung inzwischen in der Haute Cuisine ernstgenommen: Die "Fette Kuh" in Köln hat in diesem Jahr sogar einen Eintrag in der Feinschmecker-Bibel Gault Millau bekommen.

Die Möglichkeiten zu experimentieren sind mannigfaltig. Dirk Brendel hat sogar eine Weihnachts-Variante mit Gänsefleisch, Rotkohl und Bratapfel auf der Karte. "Ich versuche, die Speisekarte auf kleinstem Raum zusammenzubringen", erklärt der Spitzenkoch. Falafel aus gemahlenen Bohnen, Ziegenfrischkäse oder gegrillte Zucchini - vegetarische Optionen machen bei Brendel rund die Hälfte der Bestellungen aus. Sein Verkaufsschlager aber bleibt ein fleischhaltiger Klassiker - der Cheeseburger.

(RP)
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