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Bornheim: Erntehelfer protestieren auf Spargelhof gegen Arbeitsbedingungen

Baracken in Bornheim abgeriegelt : Erntehelfer protestieren auf Spargelhof gegen Arbeitsbedingungen

Etwa 50 Erntehelfer des Spargelhofes Ritter in Bornheim bei Bonn haben am Montagvormittag erneut gegen schlechte Wohn- und Arbeitsbedingungen protestiert. Die Demonstration verlief laut Polizei friedlich.

Allerdings hätten private Security-Kräfte des Hofes der Gewerkschaft den Zugang zu den Wohnbaracken der Erntehelfer verwehrt, sagte ein Gewerkschaftssprecher. Die überwiegend rumänischen Helfer hatten schwere hygienische Mängel in den dicht gedrängten Baucontainern beziehungsweise den Sanitäranlagen beklagt. Die Baracken stehen direkt neben einer Kläranlage und einer Bahnlinie, auf dem Gelände liegen Müll und Schutt. Der Insolvenzverwalter Andreas Schulte-Beckhausen versicherte, dass jeder Arbeiter sein Geld erhalte. Geschickte Arbeiter verdienten im Akkord deutlich über Mindestlohn, einige 3000 bis 4000 Euro im Monat. Der Betrieb sei noch am Freitag nach Bekanntwerden der Beschwerden gereinigt worden. Arbeitsschutz, Gesundheits- und Ordnungsamt hätten ihn danach besichtigt und keine Beanstandungen gehabt. Es gebe 8000 Masken für die 240 Helfer, die Unterkünfte böten Platz für 500 Menschen, sagte er. Damit sei ausreichend Raum für den nötigen Abstand. Wegen fehlender Nachfrage sei die Spargelernte beendet worden. Den betroffenen Arbeitern habe er aber Ersatz bei der Erdbeerernte angeboten.

Der Bonner „General-Anzeiger“ hatte berichtet, dass rund 240 Erntehelfer in beengten Verhältnissen untergebracht seien - teils zu viert oder zu fünft auf einem Zimmer. Laut Polizei hatte der Gewerkschaftszusammenschluss FAU den Protestmarsch am Montag angemeldet. Der Gewerkschaftssprecher warf dem Arbeitgeber vor, den Beschäftigten ihren Lohn ganz oder teilweise vorzuenthalten. Ihnen sei angekündigt worden, dass sie bis Dienstag die Unterkünfte verlassen müssten. Der Sprecher sagte: „Trotz Corona und Insolvenz hat man diese Menschen aus Rumänien hier hergeholt, um Spargel und Erdbeeren zu ernten. Nun prellt man sie um ihren Lohn und droht ihnen mit Obdachlosigkeit.“

Gewerkschaftsmitglieder unterstützten den Protestzug. „Deutschland, Du mieses Stück Spargel“ oder „Solidarity“, stand auf Transparenten der Demonstranten. Prekäre Wohnverhältnisse in personalintensiven Betrieben stehen seit dem Corona-Ausbruch in einer Fleischfabrik in Coesfeld besonders im öffentlichen Fokus.

Bereits am Freitag hatten Arbeiter in Bornheim gegen die Zustände in ihren Unterkünften protestiert. Mehr als 100 Menschen verweigerten nach ersten Informationen ihre Arbeit. Es sprachen mehrere Hilfsarbeiter vor Ort von Lohnausfall und unhaltbaren Zuständen in der Unterkunft, in der 250 bis 300 Menschen untergebracht sind. Viele der Arbeiter kommen nach eigenen Angaben aus Rumänien.

(dtm/dpa)