Bonner Polizei nimmt Beamten vorübergehend aus seiner Einheit

Attacke auf israelischen Wissenschaftler : Bonner Polizei nimmt Beamten vorübergehend aus seiner Einheit

Gegen insgesamt vier Kollegen aus Bonn ermittelt die Kölner Kriminalpolizei wegen des Verdachts der Körperverletzung. Der Beamte, der irrtümlicherweise einen israelischen Wissenschaftler geschlagen hatte, wurde aus seiner Einheit abgezogen.

Das teilte ein Sprecher der Bonner Polizei auf Anfrage unserer Redaktion mit. Der israelische Wissenschaftler Jitzchak Jochanan Melamed von der Universität Baltimore war am Mittwochnachmittag von einem 20-jährigen Deutschen im Bonner Hofgarten attackiert worden mit den Worten „Kein Jude in Deutschland“. Der Angreifer schlug ihm auch die Kippa vom Kopf.

Die Polizei hatte fälschlicherweise zunächst das Opfer für den Täter gehalten. Nach Angaben der Polizei war dies geschehen, weil der Wissenschaftler nicht stehengeblieben war. Weil dieser sich gewehrt haben soll, fixierten ihn die Beamten am Boden. Ein Polizist schlug ihm dabei ins Gesicht. Dieser wurde nun vorübergehend aus seiner Einheit abgezogen und anderswo eingesetzt. Die Kölner Kriminalpolizei hat die Ermittlungen aufgenommen gegen die vier beteiligten Polizisten wegen des Verdachts der Körperverletzung im Amt.

Ins Verfahren wird auch einfließen, dass der Israeli der Polizei Lügen vorwirft. Der Philosophie-Professor bestreitet in einem Brief an die Deutsche Presse-Agentur und andere Medien entschieden, sich in irgendeiner Form zur Wehr gesetzt zu haben. Die Polizisten seien sofort auf ihn losgegangen, und er habe danach kaum noch atmen, geschweige denn Widerstand leisten können. Kurz nachdem ihm die Handschellen wieder abgenommen worden seien, habe ihn einer der Polizisten belehrt: „Don't get in trouble with the German police!“ („Legen Sie sich nicht mit der deutschen Polizei an“). Auf der Wache hätten die Polizisten eineinhalb Stunden lang versucht, ihn von einer Beschwerde abzubringen.

Die Polizisten erwartet neben dem strafrechtlichen Verfahren auch ein Disziplinarverfahren, teilte ein Sprecher der Bonner Polizei mit. Zu den Vorwürfen des Professors wollte er sich mit Verweis aufs laufende Verfahren nicht äußern.

(seda)
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