1. NRW
  2. Panorama

Bonn: Übergiffe auf Helfer in den Flutgebieten sind Ausnahme

Übergriffe auf Helfer in den Flutregionen : „Man muss es richtig einordnen“

Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks sollen in den Flutgebieten beschimpft und mit Müll beworfen worden sein. Das THW teilt nun mit, solche Vorfälle seien die Ausnahme. Dass die Menschen aus Verzweiflung auch wütend werden, erlebt aber auch das Deutsche Rote Kreuz.

Via Twitter hat das Technische Hilfswerk (THW) am Wochenende ein Statement seiner Vize-Präsidentin Sabine Lackner veröffentlicht, die sich für den Einsatz der etwa 4000 THW-Kräfte in den Flutgebieten bedankt, aber auch schreibt: „Leider kam es in den letzten Tagen vereinzelt zu Übergriffen gegen unsere ehrenamtlichen Kräfte.“ In Interviews konkretisierte Lackner die Vorwürfe, so seien Mitarbeiter mit Müll beworfen, beschimpft und fotografiert worden, was sie als bedrohlich empfunden hätten.

Das THW in Bonn teilt am Sonntag auf Anfrage unserer Redaktion mit: „Es haben Beschimpfungen und Übergriffe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz stattgefunden, diese sind auch bei der Polizei bekannt.“ Aufgrund der Niederschwelligkeit seien sie bislang aber nicht zur Anzeige gebracht worden. Die Polizei in Koblenz und mehrere Polizeibehörden in Nordrhein-Westfalen hatten bereits mitgeteilt, dass keine Anzeigen vorliegen würden.

Rolf Zimmermann ist einer von vielen Helfern des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), die seit vergangener Woche vor Ort sind. Er sagt: „Ja, es gibt Verärgerung bei vielen Menschen, aber man muss es richtig einordnen.“ Viele hätten das Gefühl, dass sie zu spät Hilfe bekommen, es andernorts schneller voranginge. „Ich verstehe diese Gefühle, aber wir können nicht überall gleichzeitig sein, sondern müssen nach und nach alles abarbeiten.“ Zimmermann ist beim DRK-Kreisverband Euskirchen. Sieben Ehrenamtliche hatten dort seit vergangener Woche über ein Bürgertelefon Hilfesuchende beraten. Doch am Samstagabend stellte das DRK die Bürgerhotline ein – um die Mitarbeiter zu schützen.

  • Durch Hochwasser-Katastrophe : 30.000 Menschen in Flutgebieten ohne Strom oder Wasser
  • Feuerwehrleute besprechen sich während der Evakuierung
    Hochwasser-Newsblog : THW beklagt Angriffe auf Einsatzkräfte
  • Kathleen Graf, Assistentin der Geschäftsführung bei
    Nach dem Hochwasser : Im Kreisgebiet starten Spenden-Aktionen

„Viele Anrufer sind vor Verzweiflung übergequollen, manche hatten noch mit niemandem gesprochen, sie waren dann verständlicherweise erleichtert, jemandem alles sagen zu können“, sagt Zimmermann. „Man kann einem verzweifelten Menschen, der womöglich sogar einen Nahestehenden verloren hat, dann nicht sagen: Wir müssen Schluss machen, es warten noch ganz viele andere in der Leitung.“ Andere hätten die Helfer dann aber wüst beschimpft, weil sie warten mussten. Für die DRK-Mitarbeiter sei die Situation sehr belastend geworden. Zumal das Bürgertelefon eigentlich dafür eingerichtet worden sei, Anlaufstellen weiterzugeben oder Fragen nach Zuständigkeiten zu beantworten.

„Irgendwann saß einer unserer Leute tränenüberströmt vor uns und sagte: Ich kann nicht mehr“, erzählt Zimmermann. In ihrer Not hätten die Anrufer alles bei den Helfern abgeladen. Da jeder anders auf einen solchen Schicksalsschlag reagiere, sei die ganze Bandbreite der Gefühle dabei gewesen. „Viele haben ja einfach alles verloren.“ Ob das Bürgertelefon zu einem späteren Zeitpunkt wieder aktiviert wird, ist noch unklar.

Das THW in Bonn betonte, es handele sich bei Übergriffen auf Einsatzkräfte bislang eher um Ausnahmefälle. Zuletzt sei es bei der Flüchtlingshilfe im Jahr 2015 zu Übergriffen gekommen. „Unsere Einsatzkräfte lassen sich von diesen Vorfällen jedoch nicht erschrecken und sind weiter hoch motiviert, den Menschen in den betroffenen Regionen zu helfen“, teilte ein Sprecher mit.