Bonn: Schimmel in der Kantine vom Bundesministerium für Ernährung

600 Gäste täglich in Bonn : Schimmel in der Kantine des Ministeriums für Ernährung entdeckt

Die Lebensmittelüberwachung hat in den Kantinen zweier Ministerien in Bonn Hygienemängel festgestellt. An mehreren Stellen soll es in den letzten Jahren Schimmel gegeben haben. Ausgerechnet das Bundesministerium für Ernährung war betroffen.

Schimmel, Schmutz und falsche Lagerung: Die Bonner Hygieneprüfer stellten in den Kantinen der Bundesministerien Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) sowie für Arbeit und Soziales (BMAS) einige Mängel fest. In den Jahren 2017 und 2018 waren diese so gravierend, dass die Betriebe durch die Hygieneprüfungen fielen. Dabei ist das BMEL sogar für die Lebensmittelkontrollen in Deutschland zuständig.

Mittlerweile sollen die Mängel einer Sprecherin zufolge beseitigt sein. Die Organisation Foodwatch, die sie aufgedeckt hat, fordert ein transparenteres System für die Lebensmittelüberwachung.

Die beiden Bundesministerien liegen auf einem eingezäunten Gelände an der Duisdorfer Rochusstraße direkt nebeneinander. Sie teilen sich zwei Kantinen, die an denselben Cateringbetrieb verpachtet sind. "Der Betrieb der BMEL-Kantine wurde im Oktober 2016 von dem aktuellen Konzessionär übernommen", heißt es von einer Ministeriumssprecherin. Alleine dort würden jeden Tag rund 300 Gäste versorgt, in der BMAS-Kantine etwa noch einmal so viele.

Keine Beschwerden seitens der Kunden

Was die Lebensmittelkontrolleure dort im Januar 2017 fanden, waren nicht nur unappetitliche Details, sondern auch „lebensmittelrechtliche Verstöße“, wie es in dem Bescheid der Stadt Bonn heißt, den durch das neue Verbraucherinformationsgesetz jeder Bürger anfordern kann.

Das Gemüsekühlhaus war verschmutzt, im Handwaschbecken entdeckten die Prüfer Schwarzschimmel und dreckige Silikondichtungen. Aus der Dunstabzugshaube tropfte Kondenswasser in einen Kochtopf mit Gemüsefond. Der Boden war „stellenweise erheblich mit dunklen, alten Belägen verschmutzt“, genauso wie die Handbrause und der Ofen, in dem Gerichte aufgewärmt werden. In einem Kühlschrank waren die Einlegegitter verrostet. Beim Personal fehlten Belege für Hygieneschulungen.

Die „beanstandeten Mängel wurden selbstverständlich sofort abgestellt“, sagt eine Ministeriumssprecherin. Zudem würden nun zusätzlich „ergänzende, unangekündigte Hygieneprüfungen durch ein unabhängiges Hygieneinstitut durchgeführt“.

Der Konzessionär sei vertraglich verpflichtet, alle Vorschriften einzuhalten, insbesondere im Hinblick auf Gesundheit und Hygiene. Trotz der Mängel „hat es zu keinem Zeitpunkt Beschwerden seitens der Kunden gegeben“. Im vergangenen Jahr sei sogar bestätigt worden, dass es keine Beanstandungen mehr gebe und die Eigenkontrolle „gut“ sei.

Foodwatch fordert Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner CDU) trotz des neuen Verbraucherinformationsgesetzes auf, die Grundlage für ein Transparenzsystem wie in Dänemark oder Norwegen zu schaffen. Dort werden alle Ergebnisse der Lebensmittelüberwachung im Internet und an der Ladentür veröffentlicht. In Deutschland können sie in manchen Fällen von den zuständigen Ämtern veröffentlicht werden. Ansonsten erteilen sie auf Nachfrage Auskunft.

Stadt Bonn gibt Auskunft

Das Verbraucherinformationsgesetz, das im Mai 2008 in Kraft getreten ist, soll die Verbraucherrechte stärken. In Bonn gibt die Lebensmittelüberwachung der Stadt Bonn kostenlos Auskunft. Fragen können am Telefon, per E-Mail, Fax oder per Post gestellt werden. Sie sollten präzise formuliert werden, zum Beispiel mit welchem Ergebnis die Kontrollen der Lebensmittelüberwachung in einem Restaurant (Name und Adresse nennen) in einem bestimmten Zeitraum ausgefallen sind. Angegeben werden sollte auch, dass es sich um eine Anfrage nach dem Verbraucherinformationsgesetz handelt.

Dieser Text ist zuerst beim Bonner General-Anzeiger erschienen.

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