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Bonn: Polizist erschossen - Staatsanwaltschaft fordert in Prozess drei Jahre Haft

Prozess um Tod von Polizist in Bonn : Staatsanwaltschaft fordert drei Jahre Haft für Schützen

Im November 2018 starb ein Bonner Polizist nach einem Unfall beim Schießtraining. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft vor dem Landgericht drei Jahre Haft für den Kollegen gefordert, der den tödlichen Schuss abgegeben hat.

Im Fall des getöteten Polizisten Julian Rolf hat die Staatsanwaltschaft eine Haftstrafe von drei Jahren gefordert. Obwohl die einzelnen Punkte des vom Angeklagten vorgetragenen Szenarios nicht zu widerlegen seien, bliebe das Szenario einer versehentlichen Schussabgabe in höchstem Maße unplausibel und widerspreche sämtlichen zuvor trainierten Automatismen.

Gegen den Angeklagten sprächen in Summe nicht viele, dafür aber umso gravierendere Gründe: „Es wird sein Geheimnis bleiben, warum er nicht einfach ‚Peng‘ gesagt hat“, sagte der Staatsanwalt. Die Anklage wirft dem Schützen vor, seine Dienstwaffe in dem Glauben, eine unscharfe Rotwaffe in den Händen zu halten, auf den Kollegen gerichtet und abgedrückt zu haben.

Die Verteidigung bleibt bei ihrer Version der versehentlichen Schussabgabe und plädierte auf ein mildes Urteil. Grundsätzlich besteht beim Tatvorwurf der fahrlässigen Tötung Einigkeit.

Der Tag hatte mit der Befragung einer Fachfrau für die Untersuchung von Schmauchspuren des Landeskriminalamts begonnen. Sie räumte mit von einem anderen Gutachter am Vortag geäußerten Bedenken hinsichtlich der Qualität eines Gutachtens ihrer Behörde auf. Eine Schätzung der Entfernung, aus der der Schuss abgegeben worden sei, sei anhand der untersuchten Kleidung des Opfers nicht möglich; es fehle ein sogenannter „Abstreifring“. Dieser besteht aus Schmauchpartikeln im Schusskanal und kann gegebenenfalls Aufschluss über die Entfernung zwischen Schütze und Opfer geben. Wahrscheinlich seien solche Partikel durch die starke Blutung weggewaschen worden.

Zudem wurde die beiden Ausbilder vernommen, die die Übung an dem Tag leiteten, und zwei Kollegen, die den verzweifelten Schützen in den Stunden nach der Tat betreuten. Er entwickele in Stresssituationen einen Tunnelblick, hatte eine Ausbilderin auf die Frage des Gerichts nach ihrer persönlichen Einschätzung des Angeklagten geantwortet. Er sei engagiert gewesen, habe aber mitunter zwei Schritte zu viel gemacht.

Am 26. November des vergangenen Jahres war Rolf nach einem Schießtraining im Bonner Polizeipräsidium angeschossen worden und wenige Tage danach gestorben. Der Kollege des 23-Jährigen muss sich seit Mitte August wegen fahrlässiger Tötung vor der 4. großen Strafkammer verantworten.

Dieser Artikel ist zuvor beim „Bonner General-Anzeiger“ erschienen.