Bonn: Katja Dörner und Carolin Kruse üben Kritik an Primark im Maximiliancenter

Kritik an Textilkette : Bonner Politikerinnen schlagen Einladung zur Primark-Eröffnung aus

Mehrere Lokalpolitiker sind zur Eröffnung einer neuen Primark-Filiale am Dienstag in die Bonner Innenstadt eingeladen worden. Zwei Grünen-Politikerinnen erklären öffentlich, warum sie nicht teilnehmen und stattdessen lieber vor der Filiale demonstrieren wollen.

Schon lange bevor sich am Dienstag um 10 Uhr erstmals die Türe für den Primark im neuen Maximiliancenter in Bonn öffnet, haben sich viele Nutzer der sozialen Netzwerke einen verbalen Schlagabtausch zu dem umstrittenen Textildiscounter geliefert. Auf der Facebook-Seite der Bonner Bundestagsabgeordneten Katja Dörner (Grüne) hat auch die städtische Sozial- und Familiendezernentin Carolin Krause (CDU) gepostet, was sie von Primark hält. Offensichtlich nicht viel. "Ich lehne das System Primark ab", schreibt Krause.

Dörner hatte als Abgeordnete einen offenen Brief an das irische Textilunternehmen veröffentlicht. Darin erklärt sie, dass sie die Einladung zur Eröffnung nicht wahrnehme, sondern sich mit vielen anderen vor der Filiale gegen das Geschäftsmodell "fast fashion" versammeln und demonstrieren werde. "Auch wenn ich selbstverständlich ein großes Interesse an einer attraktiven Innenstadt Bonns mit einem vielfältigen Angebot an Einkaufsmöglichkeiten habe, ist das Geschäftsmodell von Primark – und anderer Textilunternehmen – aus meiner Sicht kritikwürdig", schreibt Dörner.

Das Geschäftsmodell "fast fashion", das auch Primark maßgeblich präge, sei weder nachhaltig noch sozialverträglich. "Kleidung wird für wenig Geld in immer größeren Mengen gekauft, während in Fabriken, in denen Sie produzieren lassen, oftmals katastrophale Bedingungen herrschen." Primark selbst wehrt sich gegen die Kritik und verweist stets auf Maßnahmen seinerseits, um die Standards der Internationalen Arbeitsorganisation der Vereinten Nationen zu erfüllen.

Krause, die laut städtischem Presseamt derzeit verreist ist, schreibt an Dörner: "Ich kann Ihren Brief absolut nachvollziehen und würde auch nicht zur Eröffnung gehen, auch wenn ich nicht in Urlaub wäre." Man dürfe zwar nicht aus den Augen verlieren, dass auch Bonner mit weniger Einkommen ihre Kinder und sich modisch kleiden wollten. "Trotzdem lehne auch ich das System Primark ab. Nun liegt es an den Bonnerinnen und Bonnern, ob dieses Geschäftsmodell angenommen wird."

Wie Stadtsprecherin Monika Hörig auf GA-Nachfrage bestätigte, ist Oberbürgermeister Ashok Sridharan von Primark zur Eröffnung eingeladen. "Der OB ist eingeladen, geht allerdings nicht hin, auch kein Vertreter. Die Stadt würdigt die Eröffnung des Maximilian-Centers durch den OB, aber nicht jeden einzelnen Mieter." Wie berichtet, hatte Sridharan mit dem Projektentwickler des Maximiliancenters, Ten Brinke, am Dienstag vergangener Woche in der Passage im Untergeschoss das Center offiziell eingeweiht.

Dieser Text ist zuerst beim Bonner General-Anzeiger erschienen.