Bonn: 300 Hells Angels nehmen an Rocker-Beerdigung teil

Nordfriedhof in Bonn : 300 Rocker bei Hells-Angels-Beerdigung in Bonn

Auf dem Nordfriedhof in Bonn haben sich rund 300 Mitglieder der Hells Angels versammelt, um einen Mann aus den eigenen Reihen zu beerdigen. Rund 70 kamen auf schweren Motorrädern, die Polizei zeigt rund um den Friedhof Präsenz.

Etwa eine Stunde dauerte die Trauerfeier auf einer etwas abseits gelegenen Rasenfläche des Friedhofs. Zwei Töchter des Verstorbenen hielten Trauerreden vor den versammelten Rockern und betonten, dass ihr Vater keineswegs "ein Verbrecher" oder "Schläger" gewesen, sondern zeitlebens ehrlicher Arbeit nachgegangen sei. Gegen 16 Uhr traten die Hells Angels in kleinen Gruppen den Heimweg an. Laut Polizei gab es keinerlei Zwischenfälle.

Der verstorbene 58-Jährige sei Vollmitglied der Hells Angels gewesen, bestätigte Frank Hanebuth, langjähriger Boss des Hannoveraner Charters der Rockergang dem General-Anzeiger. "Er war seit ungefähr zwei Jahren bei uns", so Hanebuth. "Ein zuverlässiger Mann mit Erfahrungen aus der Security-Branche." Der Tote stamme aus der Region Bonn; seine Familie habe den Nordfriedhof für die Urnenbeisetzung ausgewählt.

Es kamen Trauergäste aus ganz Deutschland, einige auch aus den Niederlanden und Großbritannien. Woran der Rocker gestorben ist, scheint laut Hanebuth unklar zu sein. Die Ergebnisse der Obduktion stünden noch aus, so der Hells-Angels-Präsident.

In Spanien stehen Hanebuth und 45 weitere Personen wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung unter Anklage, die auf Mallorca aktiv gewesen sein soll. Der Rocker-Boss selbst saß auf der Ferieninsel lange in Untersuchungshaft und ist nach Medienberichten auf Kaution frei. Laut Anklage drohen ihm demnach 13 Jahre Haft und eine Strafzahlung von 4,2 Millionen Euro.

Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt derzeit zudem wegen des Verdachts, dass Hanebuth im Frühjahr 2018 an einer Schutzgelderpressung in Langenhagen beteiligt gewesen sei. Opfer soll ein Werkstattinhaber gewesen sein. Hanebuth bestreitet die Vorwürfe.

Der Artikel ist zuerst im Bonner General-Anzeiger erschienen.

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