Fall von Animal Hoarding Tierschutzverein aus Bochum sucht Pflegestellen für 800 Ratten

Altenkirchen / Bochum · Ein Fall von „Animal Hoarding“ sorgt für einen „Großnotfall“ bei zwei Tierschutzvereinen in NRW: Eine Frau lebte mit 800 Ratten in einer Wohnung. Nun werden Pflegestellen für die Tiere gesucht.

So sehen Farbratten aus. In einer Wohnung wurden nun 800 sichergestellt. (Symbolbild)

So sehen Farbratten aus. In einer Wohnung wurden nun 800 sichergestellt. (Symbolbild)

Foto: Tierheim

Wie viele Ratten anfangs bei einer Frau in Altenkirchen gelebt haben, lässt sich nicht mehr sagen. Vielleicht waren es nur zwei. Klar ist: Am Ende waren es etwa 800 Tiere. Nachbarn schlugen Alarm – auch wegen des Geruchs – und so beschlagnahmte das Veterinäramt des Landkreises Altenkirchen die Tiere jetzt. Die Stadt in Rheinland-Pfalz bekam Hilfe von zwei Tierschutzvereinen aus Nordrhein-Westfalen: Mitarbeiter der Notfallratten Rhein-Ruhr in Bochum und der Farbrattenhilfe Nordrhein machten sich am Dienstag auf den Weg zum „Großnotfall“, berichtet Sarah Bernardini.

Neues Heim gesucht: Einige der Ratten aus der Beschlagnahmung.

Neues Heim gesucht: Einige der Ratten aus der Beschlagnahmung.

Foto: RPO/Bernardini

„Wir waren ab 9 Uhr vor Ort, es dauerte bis abends, erst einmal die Ratten herauszuholen, die in einem schlechten Zustand oder trächtig sind“, sagt die Tierschützerin. Die Wohnung sei in einem extrem schlechten Zustand gewesen, völlig verkotet, viele der Ratten seien frei in allen Zimmern herumgelaufen. Mit 400 Tieren, verteilt auf viele Käfige und Boxen, ging es zurück nach NRW. „Nächste Woche holen wir noch einmal so viele.“ Da etliche weibliche Tiere trächtig sind, könnten es am Ende 1000 Ratten sein, fürchtet Bernardini.

Viele Tiere haben Verletzungen und müssen erst einmal tierärztlich versorgt werden.

Viele Tiere haben Verletzungen und müssen erst einmal tierärztlich versorgt werden.

Foto: RPO/Bernardini

„Es ist nicht so, dass die Besitzerin der Tiere sich nicht um sie gekümmert hätte“, sagt Andreas Schultheis, Sprecher des Landkreises Altenkirchen. Es handele sich aber um einen Fall von „Animal Hoarding“, so nennt sich die Sucht, Tiere zu „sammeln“. Betroffene sind sich nicht bewusst, welches Leid sie den Tieren in ihrer Obhut antun, auch wenn es für Außenstehende offensichtlich erscheint. „Die Frau war offenbar nicht in der Lage, das Problem zu erkennen“, sagt Schultheis. Sie sei wenig einsichtig und davon überzeugt, dass es den Ratten gut gehe. Auch auf Briefe der Stadt habe sie nicht reagiert – so erfolgte nun die Beschlagnahmung der Tiere. Gegen die Frau wurde ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet.

Mit einem Facebook-Aufruf suchen die Tierschutzvereine nun Pflegestellen für die Farbratten. „Sie sind alle sehr zahm“, sagt Bernardini. „Wer auch immer ein Plätzchen frei hat und gerne ein paar Ratten zur Pflege oder auch dauerhaft aufnehmen möchte, soll sich bitte melden.“ Farbratten wurde ab den 1980er-Jahren oft von Punkern gehalten und sind mittlerweile als Haustiere etabliert.

In den sozialen Netzwerken gibt es schon Interessenten: „Ich könnte eine kleine Gruppe aufnehmen“, schreibt etwa eine Frau. Für Käfig, Streu- und Futterkosten müssen die Pflegestellen selbst aufkommen. Sarah Bernardini und ihre Kollegen kümmern sich nun erst einmal darum, dass die verletzten Tiere versorgt werden. Viele haben auch Parasiten. Sie hat die Befürchtung, dass so viele Weibchen trächtig sind, dass die Beschlagnahmung in Altenkirchen letztlich den bisher größten Notfall noch toppt: Im vergangenen Jahr mussten 1200 Ratten vermittelt werden, die in einer Wohnung in Dorsten sichergestellt worden waren.

Info Der Tierschutzverein hat ein eigenes Postfach für die Rattenvermittlung eingerichtet:

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