Bochum: Polizei schreibt offenen Brief nach tödlichen Unfall

Offener Brief der Polizei nach tödlichem Unfall : "Können Sie mit den Schuldgefühlen leben?"

Fünf Jahre nach einer tödlichen Fahrerflucht in der Halloween-Nacht 2010 hat sich ein Bochumer Polizist mit einem emotionalen Appell an den bis heute nicht gefundenen Täter gewandt. In einem offenen Brief appelliert der Ermittler an den Täter, sich zu melden.

"Sind Sie eine Frau oder ein Mann und wie soll ich Sie überhaupt anreden? Ich weiß es nicht! Ich weiß allerdings, dass Sie vor knapp fünf Jahren auf der Rüsbergstraße in Witten-Herbede einen Fußgänger, der erst 20 Jahre alt war, mit einem Pkw überrollt und getötet haben. Danach fuhren sie einfach weiter", schreibt der Bochumer Polizist Volker Schütte, der den Fall von Anfang an begleitet hat und in enger Verbindung mit der Familie des totgefahrenen 20-Jährigen steht.

Und weiter im Brief heißt es: "Wir gehen davon aus, dass Sie sich in den zurückliegenden Jahren bei Freunden oder Bekannten offenbart haben. Aber Sie und Ihre Mitwisser haben unseren Appell, endlich reinen Tisch zu machen, bislang nicht wahrgenommen. Sie alle haben den Druck bislang ausgehalten, der seit fünf Jahren auf Ihnen lastet. Wie Sie sich in dieser Zeit gefühlt haben, wenn es an Ihrer Tür geschellt hat oder das Telefon klingelte — wir wissen es nicht."

Die Eltern haben sich schon bei Schütte für den Brief an den Täter bedankt. "Sie wollen einfach ein Ende finden, wissen, wer das war und wieso er einfach weitergefahren ist", sagte Schütte

Der junge Mann, der gerade erst sein Abitur gemacht hatte, wurde auf dem Heimweg von einer Halloweenparty überfahren. Er war sofort tot. Die Polizei weiß bislang nur, dass es sich bei dem Auto um einen Opel Corsa C der Baujahre 2001 bis 2006 handelte.

Die Polizei hofft, dass der Brief nach all den Jahren nun doch zum Fahndungserfolg führt. Denn die Tat verjährt am 2. November. Schüttes Appell an den Täter: "Auch nach der Verjährung werden Sie Ihre Schuldgefühle sowie die Angst, verraten oder entdeckt zu werden, nie mehr loswerden. Und diese Angst verjährt nie! Können Sie und Ihre Mitwisser damit bis zum Ende des Lebens klarkommen? Wohl kaum!"

Die Polizei bittet, dass alle, die etwas über den Tathergang wissen, sich bis zum Ende des 1. November im Bochumer Verkehrskommissariat (Tel.: 0234 / 9099) oder in der Wittener Polizeiwache (Tel. 02302 209-3821) melden. "Vielleicht kriegen wir ihn doch noch", hofft Schütte.

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