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NRW: Blattlaus-Plage in der Region

NRW : Blattlaus-Plage in der Region

In Scharen fliegen sie durch die Innenstädte, sie befallen Pflanzen und landen in Biergläsern: Ganz NRW wird derzeit von Blattläusen in so großer Zahl heimgesucht, wie es nur alle zehn Jahre vorkommt. Landwirte fürchten um ihre Ernte, Gärtner um ihre Blumen.

Warum treten die Blattläuse jetzt in Scharen auf?

Die Blattlausplage in diesem Jahr ist nach Einschätzung der Landwirtschaftskammer NRW (LWK) auf das reichliche Futterangebot und das schwülwarme Wetter zurückzuführen, in dem sich die Insekten rasch vermehren können. Fliegende Blattläuse sind in der Regel auf der Suche nach neuen Futterquellen. Dies geschieht vor allem im Juni und Juli. In Düsseldorf ist nach Angaben des Gartenamtes derzeit vor allem eine Laus mit dem Namen Aphidoidea unterwegs, die sich mit Vorliebe auf Gräsern und Weizen niederlässt.

Sind die Blattläuse für Menschen gefährlich?

Für Menschen ist die Blattlaus — auch bei Verschlucken — ungefährlich. Folglich ist das Tier im Salat zwar lästig, aber unbedenklich. Stechen können Blattläuse nicht.

Wie schaden die Tiere den Pflanzen im Garten?

"Die Blattläuse setzen sich in die Triebspitzen und saugen mit ihrem Rüssel den Pflanzensaft und damit Nährstoffe heraus", sagt Heinrich Hiep vom Landesverband Gartenbau Rheinland. Das stört die Entwicklung der Pflanze, Blätter fallen ab. Gänzlich abgetötet wird die Pflanze aber nur selten. Die Schäden seien eher ästhetischer Art.

Drohen den Landwirten Ernteausfälle?

Die Blattläuse können gefährliche Viruserkrankungen übertragen und schädigen vor allem den Winterweizen, der in zwei bis drei Wochen geerntet werden kann. "Sie knabbern die Körner und die Blätter an, die für die Photosynthese sorgen", berichtet Landwirt Thomas Neu (38) aus Hamminkeln bei Wesel, der als Milchbauer auf etwa 20 Hektar Winterweizen angebaut hat. "Das Korn wird in diesem Jahr nicht so voll werden", befürchtet er. Aufgrund der vielen Blattläuse rechnet er nun mit Ernteausfällen. Lassen sich Blattläuse von bestimmten Farben beeinflussen?

Blattläuse reagieren auf Signalfarben. "Besonders auf Gelb", sagt Gerhard Renker von der LWK NRW. Gerne besiedeln sie beispielsweise Sonnenblumen, Margeriten, Astern oder Tagetes. Bei Menschen kann Kleidung in gedeckten Farben helfen, die Insekten abzuwehren. Wie schütze ich meine Pflanzen?

Wichtigste Methode zur Blattlausbekämpfung im eigenen Garten ist die Schaffung optimaler Lebensräume für nützliche Insekten. In einem artenreich bepflanzten Garten finden sich meistens auch die natürlichen Gegenspieler der Läuse wie Marienkäfer, Schwebfliegen und Schlupfwespen. Bei geringem Befall können Gartenbesitzer die Läuse mit dem Gartenschlauch wegspritzen. Auch ein kräftiger Regenschauer schwemmt sie davon. Welche Hausmittel gibt es?

Befallene Pflanzen können mit Schmierseife-Lösung oder Brennesselsud eingesprüht werden. Knut Pilatzki vom Stadtverband der Kleingärtner Düsseldorf empfiehlt einen Knoblauchsud: Einfach eine Knoblauchzehe zerdrücken, eine Flasche Wasser dazu und einen Tag stehen lassen. Das verhindere auch schnellen Wiederbefall.

Wann sollten Insektizide eingesetzt werden?

Nur bei sehr starkem Befall sollten Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden. Dabei sollte man darauf achten, dass ein nützlingsschonendes Präparat verwendet wird, damit nicht auch die Nützlinge vernichtet werden.

Was haben Blattläuse mit schmutzigen Autos zu tun?

Da die Läuse mehr Pflanzensaft aufsaugen, als sie zum Leben brauchen, scheiden sie den überschüssigen Zucker ("Honigtau") aus und lassen ihn fallen. Autos bekommen so eine klebrige Oberfläche. Warum vermehren sich Blattläuse so schnell?

Im Sommer gebären Weibchen schon im Alter von zehn Tagen lebenden Nachwuchs. Männchen brauchen sie dazu nicht. Die Blattlaus verschwendet keine Zeit mit der Suche nach einem Partner. Das klappt allerdings nur im Sommer. Im Herbst lassen sich die Weibchen von den Männchen befruchten und legen Eier. Denn nur die Eier können den kalten Winter überstehen.

(RP)