Bildungsmonitor 2018: NRW-Schulen haben Nachholbedarf

Digitalisierung, Bildungsarmut, Schulqualität: NRW-Schulen schneiden in Bildungs-Studie schlecht ab

In der Digitalisierung haben Schulen in NRW erheblichen Nachholbedarf. Das ist das Ergebnis des Bildungsmonitors 2018. Insgesamt sieht er NRW lediglich auf Platz 15 der Bundesländer. In einigen Kategorien ist das Bundesland Schlusslicht.

Nordrhein-Westfalen gehört in Sachen Bildung nach wie vor nicht zu den Musterschülern. Im Gegenteil: Bei der Computernutzung haben Schulen und Hochschulen in Nordrhein-Westfalen einer Studie zufolge im Vergleich zu anderen Bundesländern weiter Nachholbedarf. In anderen Bereichen wie der Bildungsarmut und der Schulqualität findet sich NRW sogar fast am Ende der Rangliste aller Bundesländer wieder. Das geht aus dem Bildungsmonitor 2018 hervor, den die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) am Mittwoch in Berlin vorgestellt hat.

Erstmals wurde darin der Bereich Digitalisierung vertieft untersucht. Das Resultat: NRW gehöre bei der Digitalisierung zu den durchschnittlichen Bundesländern, hieß es unter anderem. Es gebe Schwächen bei der IT-Ausstattung der Schulen und bei der Ausbildung an den Hochschulen ebenso wie im Forschungsbereich an den Universitäten.

Insgesamt waren es 93 Indikatoren anhand derer der Monitor erstellt wurde. Insgesamt liegt NRW in dem Ranking aller Bundesländer nur auf Platz 15 von 16 Bundesländern. Der Spitzen ist Sachsen, gefolgt von Thüringen und Bayern.

Denn bei Bildungsarmut und Schulqualität habe NRW ebenso Probleme wie bei den Betreuungsbedingungen. „Statistisch betrachtet kommen auf eine Lehrkraft an Schulen und Hochschulen überdurchschnittlich viele Schüler und Studierende“, heißt es im Bildungsmonitor. Laut INSM liegt die schlechte Platzierung NRWs vor allem aber an den beruflichen Vollzeitschulen. „Der Anteil erfolgreicher Absolventen an allen Abgängern von Berufsfachschulen, Fachoberschulen und Fachschulen betrug im Jahr 2016 nur 67,6 Prozent und war damit so niedrig wie in keinem anderen Bundesland“, heißt es in der Studie.

Ebenfalls auf dem letzten Rang liegt NRW bei den Betreuungsbedingungen. „Im Jahr 2016 bestanden an den Grundschulen, an den Teilzeit-Berufsschulen und an den Hochschulen die schlechtesten Betreuungsrelationen in Deutschland“, kritisiert der Monitor. „Allerdings hat das bevölkerungsreichste Bundesland in den letzten Jahren deutliche Fortschritte erzielt.“

  • Eine Autofahrerin telefoniert während der Fahrt
    NRW-weite Aktion am Donnerstag : Polizei kontrolliert Autofahrer auf Handy-Nutzung am Steuer

Rechnerisch seien 2016 auf eine Lehrkraft an den Grundschulen 17,1 Schüler gekommen, der Bundesdurchschnitt lag bei 16,3. Im Jahr 2010 waren es noch 18,4. Im Bereich der Integration erreicht NRW dagegen den sechsten Platz.

Der Staatssekretär im Düsseldorfer Schulministerium, Mathias Richter, sieht vor allem die heutige Opposition in der Verantwortung. „Die vorliegenden Ergebnisse sind die Abschlussbilanz der alten rot-grünen Landesregierung, denn die Daten beziehen sich auf die Jahre 2016 und 2017“, sagte er am Mittwoch. Der Bildungsmonitor zeige den erheblichen Nachholbedarf, den Nordrhein-Westfalen in einigen Bildungsbereichen hat. Die Studie weise zu Recht auf die hohe Bedeutung der Digitalisierung in Schulen hin.

Einen weiteren Rüffel erhält NRW aus Frankfurt: Nach einer dort erschienenen Studie der Förderbank KfW zum Investitionsstau an Schulen hat insbesondere Nordrhein-Westfalen einen wachsenden Nachholbedarf. Auf fast 48 Milliarden Euro beziffert die Förderbank KfW den bundesweiten Investitionsstau.

Die Lehrergewerkschaft Verband Bildung und Erziehung (VBE) fordert das Land auf, stärker zu investieren. „‎Falsche Prognosen und die Lohnlücke zwischen den Schulformen sorgen für einen eklatanten ‎Lehrkräftemangel. Andere Bundesländer erkennen bereits, dass für gleiche Arbeit gleicher Lohn ‎gezahlt werden muss“, erklärte der VBE-Landesvorsitzende ‎Stefan Behlau.‎

(ubg/dpa)