Bielefeld: Stoffe passen zu Krankheitsbildern beim Pausenbrot-Prozess

Landgericht Bielefeld : Pausenbrot-Prozess – Gefundene Stoffe passen zu Krankheitsbildern

Prozess um vergiftete Pausenbrote: Passen die Krankheitsbilder zu den gefundenen Stoffen? Ein Toxikologe sagt ja. Und er betont: Die tückischen Vergiftungen waren für die Hausärzte nicht zu entdecken.

Im Prozess um vergiftete Pausenbrote hat ein Experte neue Indizien geliefert. Die beim Angeklagten gefundenen Giftstoffe passten zu den Krankheitsbildern der Opfer, sagte der Toxikologe und Rechtsmediziner Thomas Daldrup als Gutachter am Freitag in dem Prozess am Landgericht Bielefeld.

Angeklagt wegen versuchten Mordes ist Klaus O. (57). Der Deutsche soll mehrere seiner Arbeitskollegen über Jahre in einem Betrieb in Schloß Holte-Stukenbrock mit gefährlichen Substanzen auf deren Pausenbroten vergiftet haben. Zwei von ihnen haben heute schwere Nierenschäden. Ein drittes Opfer ist ein Pflegefall und wird mit einem unheilbaren Hirnschaden von seinen Eltern betreut.

Daldrup ordnete die von den Ermittlern im Haus des Angeklagten und auf den Lebensmitteln gefundene Stoffe den Symptomen der krank gewordenen Männer zu. In der Hauptsache geht es dabei um Blei-, Quecksilber- und Cadmiumverbindungen. Vergiftungen dieser Art seien heutzutage sehr selten und kämen vermehrt in unterentwickelten Ländern vor. Bei hohen Dosen reagiere der Körper mit einem Multiorganversagen. Bei geringen Mengen klagen die Opfer über Kopfschmerzen, Schwindel oder Muskelschmerzen. „Der Hausarzt denkt da an alles andere, aber nicht an Gift“, sagte der Experte. Niere und Stammhirn werden geschädigt, wie bei den Opfern.

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Daldrup erklärte, dass durch die Giftstoffe grundsätzlich alle Organe im Körper betroffen seien. „Einige Organe kommen damit besser klar. Eine Erkrankung zu erkennen ist sehr schwer. Der Arzt denkt, dass ein Organ erkrankt ist, zum Beispiel durch einen Virus“, sagte der Gutachter.

Die Opfer oder deren Angehörige hatten als Zeugen im Prozess von Muskelstörungen berichtet, Taubheitsgefühlen oder extremer Schwäche. Alle Punkte hatte Daldrup als Folgen der Vergiftung mit den gefundenen Stoffen aufgelistet. Einschränkungen musste der Experte allerdings bei den aktuellen Befunden machen. Bei neuen Haar- oder Blutproben konnten überhöhte Werte der Gifte nicht mehr nachgewiesen werden. Sein Gutachten stützt sich zum Teil auf die Krankenakten der Opfer aus den zurückliegenden Jahren, in denen die Werte noch auffällig waren.

Der Angeklagte hat sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert. Daher ist sein Motiv rätselhaft. Die Staatsanwaltschaft vermutet in der Anklage, dass Klaus O. über Jahre den körperlichen Verfall seiner Kollegen beobachten wollte. Im Kreis der Kollegen galt der Betriebsschlosser als fachlich kompetenter Einzelgänger.

(hsr/dpa)
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