Proteste in der Region Die Bilanz des ersten Streiktages der Bauern

Update | Düsseldorf · Vom Niederrhein bis ins Bergische protestierten Landwirte gegen die Pläne der Bundesregierung. Wo es Verkehrsbehinderungen gab und wer sich an den Protesten beteiligte.

Bilder aus der Region​: So liefen die Bauernproteste in NRW​
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So liefen die Bauernproteste in NRW

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Foto: Marie Bockholt

Der Widerstand der Bauern geht weiter – auch wenn die Bundesregierung ihre Pläne zum Ende der Steuerbegünstigung des Agrardiesels und der Kfz-Steuererleichterungen für landwirtschaftliche Fahrzeuge teilweise zurückgenommen hat. Die Polizei rechnete in NRW an diesem Montag deshalb nicht nur wegen eisiger Temperaturen und Glättegefahr mit vielen Verkehrsbehinderungen. Betroffen waren Bundes- und Landstraßen, Autobahnauffahrten, große Kreuzungen und Kreisverkehre.

Der Protest ist Teil einer bundesweiten Aktionswoche des Deutschen Bauernverbandes gegen die Sparpläne der Bundesregierung. Am 15. Januar ist eine Großdemonstration in Berlin geplant. Auch unsere Kollegen aus Trier berichteten über die dortigen Bauernproteste.

So war die Lage in der Region:

Schüttsiel: Bauern hindern Robert Habeck am Verlassen von Fähre​
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Bauern hindern Habeck am Verlassen von Fähre

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Foto: dpa/-

Düsseldorf

Der Trecker-Protest der Landwirte führte am Montagmorgen unter anderem durch den stark befahrenen Rheinufertunnel – damit drohte zunächst ein Verkehrschaos in der Stadt. Insgesamt waren für den Tag fünf Versammlungen bei der Polizei angemeldet, größtenteils von Privatpersonen. Darunter befand sich auch der geplante Lkw-Korso eines Entsorgungsdienstleisters. Mehrere hunderte Fahrzeuge sammelten sich zwischenzeitlich am Messeparkplatz. Dort kamen neben Landwirten aus der Umgebung auch Mitarbeiter von Speditionen und Handwerksbetrieben mit ihren Fahrzeugen zusammen, um gegen die Erhöhung der Lkw-Maut zu demonstrieren. In verschiedenen Stadtteilen kam es zwar zu Verkehrsbehinderungen, „das ganz große Verkehrschaos ist ausgeblieben“, wie ein Polizeisprecher am Nachmittag sagte. Am Mittwoch soll die nächste Protestaktion in der Landeshauptstadt folgen.

Kreis Kleve

Seit dem frühen Montagmorgen waren hier Protestierende unterwegs, vor allem an den Autobahnauffahrten. An der Autobahnauffahrt zur A57 Goch/Weeze hatten sich am Morgen etwa 50 Traktoren eingefunden, an der Auffahrt Sonsbeck waren es sogar mehr als 150. Die Situation blieb dennoch recht entspannt, sagte Polizeisprecherin Manuela Schmickler noch am Morgen. In Emmerich waren zu der Zeit bereits einige Traktoren unterwegs, in Kalkar hatten sich 17 Fahrzeuge in Kolonne über die B67 Richtung Rees bewegt. Die Lage am Montag im Kreis Kleve verlangte vor allem den Autofahrern einiges an Geduld ab.

Am Freitag, 12. Januar, wird es noch eine weitere Großdemonstration in Kleve geben, an der sich die Kreisbauernschaften Kleve und Geldern beteiligen. Vorgesehen ist eine Fahrt mit Traktoren nach Kleve hinein, die zum Parkplatz vor der Hochschule Rhein-Waal (Parkplatz Spoykanal) führt. Dort findet eine Kundgebung statt, im Anschluss soll Vertretern der Fraktionen der Ampelparteien auf Kreisebene eine Resolution überreicht werden, heißt es. Damit müssen sich Verkehrsteilnehmer im kreis Kleve auf Einschränkungen an insgesamt drei Tagen einstellen.

Kreis Wesel

Seit dem frühen Morgen kam es auch rund um Wesel zu größeren Verkehrsbehinderungen. So war etwa die Auffahrt der A57 in Sonsbeck gegen 7 Uhr am Montagmorgen weitgehend abgeriegelt. Die Autobahnauffahrt Hünxe und die B58 bei Wesel waren ebenfalls betroffen. Dort ging es nur im Schneckentempo voran.

Auf Weseler Stadtgebiet wurde der Protest dann gegen 9 Uhr am Vormittag das erste Mal spürbar, als sich ein langer Treckerkonvoi in Richtung Rheinbrücke aufmachte. Hier hatten sich die Bauern vorgenommen, den Berufsverkehr zu blockieren. Zwischen neun und zehn Uhr trafen sich außerdem einige Landwirte auf dem Markt in Flüren, um über die Aktion zu informieren.

Es waren mehr Bauern mit ihren Traktoren gekommen, als die Organisatoren erwartet haben. Für sie ist es ein Beleg dafür, wie groß der Unmut und die Unzufriedenheit unter den Landwirten ist. Die Stimmung blieb friedlich.

Für den Montag lagen im Kreis Wesel 18 Anmeldungen für Versammlungen vor. Die Störungen sollen noch den ganzen Tag andauern, Auswirkungen der Proteste werden also noch länger spürbar sein.

Duisburg

Am Montagmorgen passierten mit leichter Verspätung rund 90 Trecker aus dem Kreis Wesel und aus Oberhausen die Stadtgrenze zu Dinslaken. Auch im Duisburger Süden war ein Konvoi gestartet. Es kam zu erheblichen Behinderungen, die von Autofahrern zum Teil mit Hupen kommentiert wurden. Die Polizei riet, mit längeren Wartezeiten zu rechnen.

Kreis Viersen

Gegen 8.30 Uhr begannen hier die Proteste der Bauern, ein Zug von zunächst rund 100 Treckern setzte sich in Bewegung und blockierte zahlreiche Autobahnabfahrten. Die in Viersen gestartete Sternfahrt erreichte dann gegen Mittag ihr Ziel in Krefeld. Die Polizei schätzte die Zahl der Teilnehmenden zeitweise auf 110 Traktoren , 22 Lastwagen, elf Pkw und fünf sonstige Fahrzeuge. In Tönisvorst stießen rund 200 zusätzliche Fahrzeuge zu dem Zug. In Hüls verstärkten knapp 40 weitere Traktoren den großen Zug aus dem Kreis Viersen.

Nach den Berichten, dass Rechtsextreme versuchen, die Proteste der Landwirte zu unterwandern oder für ihre Zwecke zu gebrauchen, setzten sich die Landwirte der Region bewusst von solchen Kräften ab. Am Ziel, dem Sprödentalplatz in Krefeld, folgte dann ein Abschlussgespräch mit der Polizei.

Mönchengladbach

In Mönchengladbach waren zunächst vier „Standkundgebungen“ auf Feldern angekündigt, die in Venn, Neuwerk, Giesenkirchen und Güdderath stattfinden sollten. Während der Protest am Handelshof in Venn am Morgen tatsächlich ruhig und auf einem Feld ablief, herrschte in Neuwerk ein Verkehrschaos. Gegen 9 Uhr lösten die Landwirte die Blockade auf. Dann zog der Konvoi aus Treckern, Lkw und Autos von Privatpersonen, die sich mit den Landwirten solidarisieren, durch das Stadtgebiet. Zeitgleich fuhren weitere Konvois auch durch beispielsweise Rheydt und Wickrath.

Laut Polizei habe es habe keine ungewöhnlichen Vorkommnisse gegeben, die Beamten sprechen von einem „störungsfreien Verlauf“ der Demos, die allerdings für „Verkehrsbeeinträchtigungen“ sorgten. Der Polizeisprecher sagt, dass diese aber „im Rahmen des Erwartbaren“ geblieben seien. Zum Abschluss trafen sich viele der Landwirte am Nachmittag in Kothausen.

Kreis Mettmann

Gegen 8 Uhr blockierte eine Treckerkolonne die Talstraße in Mettmann. Die Polizei begleitet den Protest und riegelt die Straßen und Kreuzungen entsprechend ab.

Ein Treckerkonvoi aus Wülfrath war in Mettmann auf 120 Fahrzeuge angewachsen. Dahinter stauten sich Pendler auf mehreren Kilometern.

Mehr als 200 Fahrzeuge machten sich schließlich über die B7 in Richtung Düsseldorf unterwegs. Dort trafen sie sich mit weiteren Gruppen, um sich dem Zug durch die Landeshauptstadt anzuschließen.

In Langenfeld trafen sich rund 50 Landwirte mit ihren Fahrzeugen, dazu kamen zehn Lkw-Fahrer, die sich mit den Protesten solidarisch zeigten. Anschließend fuhren die Versammlungsteilnehmer an verschiedene Autobahnauffahrten.

Ebenfalls in den frühen Morgenstunden setzte sich ein Traktorkonvoi mit mehr als 80 Fahrzeugen am Breitscheider Weg in Ratingen-Lintorf in Bewegung, um zu einer Kundgebung über Düsseldorf nach Köln zu fahren.

Wuppertal

Mit Traktoren haben Landwirte in Wuppertal am Montagmorgen an einer A46-Auffahrt für massive Verkehrsbehinderungen gesorgt. An der Anschlussstelle Oberbarmen seien daraufhin eine Auf- und eine Abfahrt gesperrt worden, berichtete ein Sprecher der Polizei Düsseldorf am Montag.

Hilden

Die Hildener Demonstranten haben sich am Montagmorgen um 6.30 Uhr auf dem Parkplatz eines Gartencenters in Erkrath getroffen. Durchs Neandertal ging es dann zur B7, auf dem Weg dorthin haben sich weitere Demonstranten angeschlossen. „Zwölf Trecker kamen aus Hilden, weitere 40 bis 50 aus Wuppertal. Es schließen sich auf dem Weg nach Düsseldorf noch weitere Traktoren an – am Ende werden es wohl 100 sein“, erklärt Markus Jäschke, einer der Teilnehmer. Tatsächlich sollten es rund 150 Teilnehmer werden. Der Tross behinderte auch den morgendlichen Berufsverkehr.

Kreis Heinsberg

Auch in Erkelenz und Umgebung kam es am Montag zu Protesten. Die Zufahrt zur B57 bei Erkelenz war zeitweise komplett blockiert, der Kreisverkehr wurde mit Traktoren zugestellt. Insgesamt waren vor allem Autobahnauffahrten betroffen, etwa an den Anschlussstellen in Erkelenz und Heinsberg-Dremmen auf die A46. Auf den meisten Straßen in den Städten blieb es allerdings ruhig.

Rhein-Kreis Neuss

In Dormagen trafen sich am frühen Morgen Bauern und Spediteure zum Protest. Laut Polizei waren 86 Traktoren und Lkw unterwegs

Landwirte aus Grevenbroich und Umgebung trafen sich unter anderem in Rommerskirchen, um mit ihren Traktoren entlang der B 59 nach Köln zu fahren. Auch Spediteure wollen die Aktionen unterstützen und fahren mit ihren Lkw mit. Am Mittwoch (10. Januar) wird es eine Demonstration vor dem Landtag in Düsseldorf geben, aber auch der Rhein-Kreis Neuss hat eine Demonstration geplant.

Oberbergischer Kreis

Die Oberbergische Kreispolizei meldete, dass bereits kurz vor Mittag 520 Teilnehmer der Traktor-Demo auf dem Steinmüllergelände in Gummersbach eingetroffen seien.

In Radevormwald hatten sich rund 65 Landwirte mit ihren Traktoren einem Korso über die B229 angeschlossen. Ein Teil von ihnen machte sich dann auf den Weg nach Gummersbach, wo eine zentrale Demonstration mit mehr als 600 Teilnehmern stattfand. An einer Stelle im Gummersbacher Stadtgebiet sei laut einer Teilnehmerin auch eine Gruppe gesichtet worden, die offensichtlich zur AfD gehörte. Teilnehmende Landwirte distanzierten sich davon jedoch.

Wermelskirchen

Ein Treckertross machte sich am Montag auf den Weg nach Bergisch Gladbach. Gleichzeitig protestierten Landwirte an den Autobahnauffahrten und in der Innenstadt gegen Sparpläne der Politik. Zu wesentlichen Verkehrsbeeinträchtigungen kam es in Wermelskirchen nicht.

Meerbusch

Am Montag haben auch in Meerbusch Landwirte auf ihre Lage aufmerksam gemacht. Die Beteiligten brachen an diesem Tag zu einer Kundgebungsfahrt durch ganz Meerbusch auf.

Leverkusen

In Leverkusen gab am Montag eine Versammlung mit etwa 100 Fahrzeugen in der Zeit von 10 bis 14 Uhr. Der Aufzug startete im Ortsteil Imbach und bewegte sich zunächst bis Leichlingen. Von dort aus ging es über die Burscheider Straße zurück nach Opladen und in die Stadtteile Wiesdorf, Schlebusch sowie Lützenkirchen.

Remscheid

Geplant war dort ein Fahrzeug- beziehungsweise Treckerkorso mit 15 bis 30 Fahrzeugen durch die Remscheider Innenstadt. Tatsächlich waren es wesentlich mehr Fahrzeuge als angekündigt, teilt die Polizei mit. Sie spricht von 130 Fahrzeugen, die mit dem Demozug unterwegs waren. Los ging es um 10 Uhr am Schützenplatz, dann ging der Demozug die komplette Innenstadt auf den großen Straßen durch in Richtung Bahnhof bis nach Lennep, Lüttringhausen und wieder zurück.

Köln

In Köln hatte eine Privatperson laut Polizei für Montag von 9 bis 18 Uhr eine Versammlung mit rund 70 Traktoren und 50 weiteren Fahrzeugen im Stadtgebiet angemeldet. Der Aufzug startete am Eifeltor und soll von dort über innerstädtische Straßen, über die Severinsbrücke ins Rechtsrheinische und anschließend über die Innenstadt zur Vogelsanger Straße führen. Die Anschlussstelle Eifeltor (Auf- und Abfahrten zur BAB 4) wird von 7 Uhr bis voraussichtlich 18 Uhr für beide Fahrtrichtungen gesperrt.

Nach Angaben des „Kölner Stadt-Anzeigers“ erreichte die Demonstration gegen 13 Uhr ihren Höhepunkt. In der Kölner Innenstadt habe es Verkehrschaos gegeben, Traktoren hätten die Severinsbrücke in beide Richtungen blockiert. Auch die Zülpicher Straße/Universitätsstraße wurde gesperrt. Die Polizei spricht von mehreren Hundert Fahrzeugen.

Auch im ÖPNV sorgen die Proteste für Verzögerungen. Wie die Bonner SWB Bus und Bahn mitteilte, verkehren die Züge der Linie 18 derzeit aufgrund einer Streckensperrung im Kölner Bereich nicht mehr. Es erfolgten keine Bahnfahrten der Linie 18 mehr nach Köln und es kommen auch keine mehr von Köln nach Bonn. Ein Zug pendle lediglich zwischen Bonn Hbf und Bornheim. Der Verkehr der Linien 9 und 17 wurde eingestellt und auch auf anderen Linien gab es zahlreiche Einschränkungen.

Bonn

Auch in Bonn kam es zu erheblichen Verkehrsbehinderungen durch Proteste von Landwirten. So war etwa die Auffahrt auf die A61 in Rheinbach gesperrt. Die Anschlussstelle Miel der A61 sowie die Anschlussstelle Merl der A565 waren laut der Polizei Bonn am Mittag bereits wieder frei. Auf der B42 auf Höhe Bad Honnef-Rhöndorf staute es sich in Fahrtrichtung Bonn.

Auch in der Stadt kam es zu Behinderungen im Verkehr. Die öffentlichen Verkehrsmittel waren ebenfalls betroffen. Die SWB Bus und Bahn meldete Verspätungen und Ausfälle auf den Linien 16 und 18, die von und nach Köln fahren.

Auch unsere Kollegen des Bonner Generalanzeigers berichteten hier über die Bauernproteste.

Bocholt

Auch in Bocholt sorgten die Proteste für Behinderungen. Wegen der Trecker wurde ein Tunnel gesperrt. Die Stadt wolle so verhindern, dass sich ein großer Rückstau bildet. Durch die Tunnelsperrung mussten viele Autofahrer einen großen Umweg fahren.

(mit Material von epd)
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