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Bauern in NRW: Schwieriges Erbe junger Landwirte

Probleme von NRW-Landwirten : Junge Bauern treten schwieriges Erbe an

Junglandwirte blicken mit zunehmender Sorge in die Zukunft: Die Marktlage ist zum Teil schlecht. Sie wünschen sich mehr Unterstützung von der Politik.

Für Jan Elsiepen gibt es nichts Wichtigeres als das Wetter. Sein erster Blick nach dem Aufstehen geht deshalb morgens zum Fenster. Auf dem Familienhof in Ratingen, den der 23-jährige Junglandwirt eines Tages von seinem Vater übernehmen wird, dreht sich alles um die Kartoffel. Der gleichnamige Käfer und die lang anhaltende Trockenheit bereiten ihm zurzeit Sorgen.

Auch wenn sich der 23-Jährige nichts Schöneres vorstellen kann, als in die Fußstapfen seines Vaters zu treten, weiß er um die schwierige Aufgabe, die vor ihm steht. „Wenn man sich als junger Landwirt für die Übernahme des elterlichen Betriebes entscheidet, geht man eine große Verpflichtung ein, an der viel hängt“, sagt Marilena Kipp vom Rheinischen Landwirtschaftsverband (RLV).

Der Beruf sei kein 40-Stunden-Job, man sei jeden Tag von morgens bis abends auf dem Hof. Und dann müsste man es natürlich schaffen, den Betrieb erfolgreich zu führen, um eine Familie ernähren zu können. Das sei alles mit einem Risiko verbunden. „Hinzu kommen angespannte Marktlagen, Kosten für nötige Investitionen, die man tätigen muss“, erklärt Kipp. Diese Faktoren wirkten auf viele abschreckend, sagt sie.

Auf Jan Elsiepen nicht. Er hat alles genau abgewogen. Schon von Kindesbeinen an beschäftigt er sich mit nichts anderem. Er ist gelernter Landwirt. Die zweijährige Ausbildung hat er direkt nach dem Abi­tur gemacht. Bald darf er sich auch noch Agrarbetriebswirt nennen. Das sei vergleichbar mit dem Meister in anderen Berufen, sagt er. Dann darf er auch selbst Landwirte ausbilden.

Wann er den Hof seines Vaters genau übernehmen wird, steht noch nicht fest. Er wird langsam herangeführt, soll stetig mehr Verantwortung für den Betrieb übernehmen, auf dem 180 Hektar zu bewirtschaften sind. Fragt man ihn, was das Schöne an seinem Beruf ist, gerät er ins Schwärmen. In der Natur arbeiten zu dürfen, fängt er an aufzuzählen. Die freie Aussicht, die Sonnenuntergänge, das Landleben im Allgemeinen. Der Zusammenhalt der Familie. „Dass man etwas gemeinsam für die Bevölkerung schafft. Das ist eine zu würdigende Arbeit“, sagt er.

Einige Junglandwirte treten nicht die Nachfolge des elterlichen Betriebs an, sondern übernehmen einen anderen Hof. Im Internet gibt es sogar die Plattform „Hof sucht Bauer“, auf der entsprechende Inserate zu finden sind. Laut Branchendienst „Topagrar“ zeichnet sich in NRW sogar eine Tendenz ab. Um die Junglandwirte bei der Übernahme eines fremden Hofes in der Anfangszeit finanziell zu unterstützen, erhalten sie nach einem Beschluss der EU-Kommission bis 2020 eine Prämie.

Dass Landwirtschaft teuer ist, weiß Jan Elsiepen. Aber wie teuer, das wissen die wenigsten. Der 23-Jährige steht vor einem Mähdrescher, der nur 20 Tage im Jahr im Einsatz ist. Das haushohe Fahrzeug kostet 350.000 Euro. Eine gewaltige Investition für die Familie Elsiepen. Aber eine notwendige. Und eine langfristige. 20 Jahre muss der Mähdrescher halten. „Wenn man den Wert zu schätzen weiß, dann pflegt man das Fahrzeug auch entsprechend“, sagt der Junglandwirt.

Fünf weitere Traktoren umfasst der Fuhrpark der Familie Elsiepen noch. Und auch die haben viel Geld gekostet. Für solche Investitionen bedarf es Planungssicherheit. Und die sei von der Politik nicht gegeben, kritisieren Landwirte. „Sie brauchen Stabilität, damit sie den Betrieb erfolgreich fortführen und solch hohe Investitionen abschätzen können, um die Zukunft des Unternehmens sichern zu können“, sagt Kipp.

Trotzdem wagten viele junge Landwirte den Schritt in die Selbstständigkeit – denn nichts anderes bedeutet die Übernahme eines Hofes. „Die, die sich für diesen Weg entscheiden, machen das mit Leib und Seele“, betont Kipp. Und nicht nur das. Sie wollen der Landwirtschaft auch ein junges, ein frisches, ein moderneres Gesicht geben. Regionalität, Qualität und Herkunft der Produkte stehen für die neue Generation an erster Stelle.

Und darum ärgert sich Elsiepen auch darüber, dass Supermärkte und Discounter mit Regionalität werben würden, diese Versprechen in der Realität aber meist nicht einhielten. Der 23-Jährige nennt als Beispiel einen Supermarkt in Ratingen, der unweit des Hofes der Familie liegt. „Statt unsere Kartoffeln zu nehmen, beziehen sie lieber welche von woanders“, erklärt er. Und so sei es fast überall.

(csh)