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Bauern-Demos in NRW: Hunderte Traktoren auf Protestzug durchs Rheinland

Hunderte Traktoren auf Protestzug durchs Rheinland : „Uns Landwirten werden viele Steine in den Weg gelegt“

Hunderte Traktoren von Landwirten aus der Region fuhren über den Rhein zu einer Protestkundgebung an der Messe. In Dortmund mussten zwischenzeitlich mehrere Autobahnabfahrten gesperrt werden.

Mit den Traktor-Konvois quer durch Nordrhein-Westfalen haben Bauern am Montag erneut gegen die Agrarpläne der Bundesregierung protestiert. Um 7 Uhr morgens setzten sich die ersten Maschinen im Raum Bonn in Bewegung.

Auch in Viersen, dem Gelderland und Erkelenz starteten die ersten Traktoren, teilweise noch im frühmorgendlichen Nebel. Sie trafen in Kempen zusammen und fuhren dann weiter über Tönisvorst und Willich in Richtung Düsseldorf.

Die Dortmunder Polizei sperrte gegen 17.20 Uhr mehrere Autobahnabfahrten, an denen ein Trecker-Konvoi vorbei fuhr, um einen Rückstau bis auf die A40 zu verhindern. Die Sperrungen mussten für mehr als eine Stunde aufrecht erhalten werden, in dieser Zeit bildeten sich in beide Richtung rund sieben Kilometer Stau - im Osten bis Dortmund-West, im Osten bis zum Kreuz Bochum. Am Abend standen noch rund 200 Traktoren auf dem Parkplatz F2 an der Westfalenhalle.

In Wesel hatten sich am Parkplatz der Weseler Rundsporthalle rund 200 Landwirte aus dem Kreis mit ihren Traktoren versammelt. Wie eine Sprecherin der Kreispolizeibehörde mitteilte, sei es zwar zu Verkehrsbehinderungen gekommen, aber alles habe „recht reibungslos funktioniert.“

Das von der Polizei angebotene Bürgertelefon in Wesel sei von einigen Bürgern genutzt worden. „Manche fanden den Protest gut, andere nicht. Die Leute wollten wissen, ob sie beispielsweise zum Arzt oder zu einer Beerdigung fahren können, obwohl die Traktoren unterwegs sind.“

In Düsseldorf war der Konvoi dann auf eine stattliche Länge angewachsen, fuhr aus Neuss kommend erst durch Heerdt, dann über die Brüsseler Straße, die Theodor-Heuss-Brücke, am Rhein entlang über die Rotterdamer Straße zum Messeparkplatz P1.

Traktoren-Konvois rollen durch die Städte zur Demo

Es kam dabei zwar zu Verkehrsbehinderungen, doch lief der Verkehr an den meisten Stellen in Düsseldorf flüssig weiter, da der Konvoi ausschließlich mehrspurige Straßen befuhr. So herrschte etwa auf der Theodor-Heuss-Brücke stadtauswärts meist stockender Verkehr, in der von den Traktoren genutzten Gegenrichtung lief es deutlich störungsfreier.

An der Messe machten die Bauern dann ihrem Ärger Luft. „Uns Landwirten werden viele Steine in den Weg gelegt. Manchen NGOs wird mehr Gehör geschenkt, als uns“, sagte einer der Redner. Gemeint waren damit die Klimaaktivisten von „Fridays for Future“. Mehrere Redner beklagten sich, dass man viel über die Bauern, aber nicht mit ihnen sprechen würde. „Farmers for Future!“, rief einer der Landwirte in Anspielung auf die Klimaproteste.

Als prominente Rednerin hatte sich NRW-Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser angekündigt. Sie forderte unter dem Beifall der Landwirte: „Es muss mehr Anerkennung für die Produkte der Bauern geben - und das sind auch vernünftige Preise im Handel.“

Heinen-Esser kündigte eine Initiative gegen den Verkauf von Agrarprodukten unter dem Einstandspreis an. „Das wird ein harter Ritt werden - aber das müssen wir durchziehen.“ Ohne faire Preise könne das System nicht funktionieren, betonte die Ministerin.

In Köln fuhren Bauern auf die Domplatte, wo die Landmaschinen gesegnet wurden. „Ohne Landwirtschaft wärst Du hungrig, nackt und nüchtern“, stand dort auf einem Transparent auf einem Traktor.

Bauern aus ganz Nordrhein-Westfalen haben sich mit ihren Traktoren an den Protestfahrten gegen Einschränkungen und Auflagen durch die Agrarpolitik beteiligt. Viele Bauern sehen unter anderem durch Vorgaben beim Einsatz von Düngemitteln, beim Pflanzenschutz und bei der Tierhaltung ihre Betriebe in Gefahr - und sich in ein schlechtes Licht gerückt.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Bauern protestieren mit Traktor-Demo in vielen Städten in NRW

(csr/jco)