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Bahnstreik in NRW: So trifft der Bahnstreik Reisende und Pendler in der Region

Arbeitskampf der Lokführer : Bahnstreik trifft Pendler und Reisende in NRW

Bereits zum zweiten Mal innerhalb von knapp zwei Wochen hat die Lokführergewerkschaft zum Arbeitskampf aufgerufen. Die Reisenden in Nordrhein-Westfalen scheinen vorbereitet – sollten aber Geduld mitbringen.

Verspätungen, Ausfälle und Ersatzbusse: Der Streik der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hat am Montag auch den Zugverkehr in Nordrhein-Westfalen deutlich eingeschränkt. Nach Angaben der Deutschen Bahn am Montagmittag fielen etwa 15 Linien von Regionalzügen und S-Bahnen in NRW aus, teilweise wurde ein Ersatzverkehr mit Bussen eingerichtet. Bei weiteren 11 Linien müsse mit Einschränkungen gerechnet werden, schrieb die Bahn auf ihrer Homepage.

Dennoch sei ein verlässliches Grundangebot vorhanden, sagte eine Bahn-Sprecherin. „Der Ersatzfahrplan läuft weiter stabil.“ Größeres Chaos gebe es an den Bahnhöfen nicht. „Die Reisenden zeigen sich gut informiert.“ Bundesweit könnten etwa 30 Prozent des Fernverkehrs und 40 Prozent der Regionalbahnen fahren.

Am Düsseldorfer Hauptbahnhof ist am frühen Montagmorgen derweil weniger los als sonst. Wegen des Streiks fallen auch dort viele Regionalzüge aus oder fahren mit Verspätung. Pendler informieren sich an an den Anzeigetafeln über die Zugausfälle. Der 42-jährige Mesut A. hat zwar von den Streiks gewusst, ist aber trotzdem gekommen. Sein Zug, der ICE nach Amsterdam fällt aus. „Ich muss zum Flughafen nach Amsterdam“, sagt er. „Ich hätte nicht gedacht, dass auch die Züge in die Niederlande ausfallen“, sagt er. Jetzt rufe er einen Verwandten an, der ihn vielleicht mit dem Auto nach Amsterdam fahren kann.

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Angesprochene Pendler haben durchaus Verständnis für den Streik. „Wir leben in einer Demokratie, Streiks gehören dazu. Und was sollen die Menschen auch anderes tun, wenn sie nicht vernünftig entlohnt werden für ihren Beruf“, sagt etwa Daniel (23). Seine Freundin ergänzt: „Der Streik war ja angekündigt und kam jetzt nicht ohne Vorwarnung.“ Der 21-jährigen Steven hat Glück im Unglück. „Mein eigentlicher Zug nach Hilden fällt zwar aus; dafür kommt aber einer 20 Minuten später, den ich nehmen kann“, sagt er. „Das ist zwar ärgerlich, aber es geht schon. Ich habe mich heute direkt nach dem Aufstehen über die Zugausfälle informiert.“

Es ist aber keinesfalls so, dass überhaupt keine Züge fahren. Vor allem halten immer wieder Bahnen im Hauptbahnhof, aus denen viele Pendler aussteigen und in den Hauptbahnhof strömen. Und doch sind auch immer wieder Lautsprecher-Durchsagen über zu hören wie: „Der Zug S8 nach Mönchengladbach fällt leider aus.“

Eine Übersicht, welche Züge noch fahren, finden sie hier.

Die Arbeitsniederlegungen sollen 48 Stunden dauern. Wer am Montag und Dienstag auf die Bahn angewiesen ist, dürfte also länger unterwegs sein als sonst. So fällt nach Bahn-Angaben zum Beispiel der Regional-Express 8 von Mönchengladbach über Köln nach Koblenz komplett aus, dies gilt auch für die RB 25 von Köln nach Lüdenscheid und den RE 42 von Münster nach Essen. Andere Linien fahren nur im Zwei-Stunden-Takt, zudem müssen Reisende auf bestimmten Strecken auf den Bus umsteigen.

„Uneingeschränkt“ verkehrt den Angaben zufolge hingegen der RE 17 von Hagen nach Kassel, die RB 30 von Remagen nach Bonn und die RB 52 von Dortmund nach Hagen, wie es von der Bahn heißt. Auch auf die S-Bahn in NRW hat der Bahnstreik Auswirkungen. Zudem ist der Fernverkehr stark betroffen.

Die Pendler müssen auch über den Montag hinaus noch Geduld haben: Die Arbeitsniederlegungen sollen 48 Stunden dauern. Bis Mittwochfrüh, 2 Uhr, müssen sich Reisende auf massive Einschränkungen einstellen. Neben den Lokführern sind erneut auch Beschäftigte in der Infrastruktur – etwa in den Stellwerken – aufgerufen, die Arbeit ruhen zu lassen. Bereits seit Samstag bestreikt die GDL den Güterverkehr.

Der Verband Verkehrswirtschaft und Logistik NRW kritisierte den Zeitpunkt des Streik: Die Folgen der Hochwasserkatastrophe belasteten die Abläufe der Logistik weiterhin, zudem stünden kaum Lkw-Kapazitäten zur Verfügung. Daher könne es während des Streiks zu „massiven Verzögerungen in den Versorgungsketten“ kommen, sagte Vorsitzender Horst Kottmeyer. „Als Arbeitgeberverband der Logistikbranche in NRW wissen wir Streikmaßnahmen richtig einzustufen – diese Vorgehensweise in einer so angespannten Gesamtsituation war uns bislang unbekannt.“

Es ist bereits die zweite Streikwelle im laufenden Tarifkonflikt zwischen der Bahn und der GDL. Vor rund zwei Wochen hat die Gewerkschaft bereits zwei Tage lang große Teile des Personenverkehrs lahmgelegt. In dem Tarifstreit geht es unter anderem um mehr Geld für die Beschäftigten. Über die Höhe der künftigen Löhne und Gehälter sind sich beide Seiten einig: 3,2 Prozent mehr soll es geben. Aber über den Zeitpunkt der Auszahlung besteht Uneinigkeit. Offen sind zudem Fragen zur Betriebsrente, die Höhe einer möglichen Corona-Prämie sowie zum Einflussbereich der GDL.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Bahnstreik schränkt Betrieb in Düsseldorf und Köln ein

(bora/chal/csh/dpa)