VRR: Bahnsteige zu hoch für neue S-Bahnen

VRR : Bahnsteige zu hoch für neue S-Bahnen

Der Wechsel auf neue S-Bahn-Züge im VRR kehrt die Verhältnisse um. Viele der Bahnsteige, die derzeit zu niedrig sind, passen dann, diejenigen, die jetzt passen, sind dann zu hoch. Dennoch mache die Umstellung Sinn, erklärt der VRR.

Der Zug hält, die Türen öffnen sich, der Fahrgast steigt ebenerdig auf den Bahnsteig — klingt selbstverständlich, ist es aber nicht. Wenn Ende 2014 auf der S-Bahn-Linie 8 zwischen Mönchengladbach und Hagen neue Triebfahrzeuge unterwegs sind, müssen viele Passagiere einen Höhenunterschied von 20 Zentimetern zwischen Bahnsteig und Zug überwinden. Die neuen Wagen besitzen eine Fußbodenhöhe von 76 Zentimetern, ungefähr die Hälfte der 38 Haltepunkte zwischen Mönchengladbach und Hagen liegt allerdings auf einem Niveau von 96 Zentimetern.

"Das Verhältnis von passend und unpassend wird nur umgekehrt", relativiert Johannes Bachteler, Sprecher des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR), die kuriose Situation. Denn derzeit haben die S-Bahn-Züge eine Fußbodenhöhe von 96 Zentimetern — die andere Hälfte der Bahnsteige ist aber 76 Zentimeter hoch. Kurz: Es passt nach wie vor nicht, nur an anderen Stellen. Barrierefreiheit etwa sieht anders aus. Warum ist das so?

"Keine leichtfertige Entscheidung"

"Das war keine leichtfertige Entscheidung, sondern ist in enger Abstimmung mit den Behindertenverbänden und den Städten beschlossen worden", erklärt Bachteler. Ein Hintergrund war der Wunsch, die neuen Züge wegen der langen Fahrtdauer auch mit Toiletten auszustatten. Bei S-Bahnen ist dies bisher nicht üblich. Sanitäranlagen werden aber laut VRR nur in sogenannten niederflurigen Modellen mit 76 Zentimeter Fußbodenhöhe angeboten.

"Von den Toiletten in den neuen S-Bahnen profitieren immerhin alle Reisenden", sagt Lothar Ebbers vom Fahrgastverband Pro Bahn NRW. Auch beim Verhältnis von Bahnsteigkante und Zugeinstieg sei die Zahl der Profitierenden höher als die Zahl derjenigen, die negativ betroffen sind. Unter letzteren sind vor allem behinderte und ältere Menschen.

28 neue S-Bahn-Züge

"Alle neuen Züge sind an einem Eingang mit einer Rampe ausgestattet, die innerhalb einer Minute ausgeklappt werden kann", sagt Bachteler dazu. Zudem gebe es beispielsweise in Düsseldorf, wo sich die Bahnsteigsituation im Vergleich zur derzeitigen Situation verschlechtern wird, etliche barrierefreie Linien als Alternative. Besonders betroffen von den neuen Maßen sind die Bahnhöfe Witten/Wetter und Erkrath/Hochdahl. Dort wird auch über Umbauten nachgedacht, entschieden ist aber noch nichts.

Vom VRR bestellt sind 28 neue S-Bahn-Züge. Zu den Investitionskosten sagt Bachteler nichts. Produziert werden sie von dem französischen Unternehmen Alstom, das bei der Ausschreibung den Zuschlag bekommen hat. Ende 2014 sollen die neuen Wagen auf den Linien S 8 und S 5 unterwegs sein. Das ist aber nur der Anfang. "Bei der S 2 gibt es ähnliche Überlegungen", sagt Lothar Ebbers. Wie die Linie S 8 fährt die S 2 in einem sogenannten Mischbetrieb.

"Kein Problem auf reinen S-Banhstrecken"

Das bedeutet, dass auf der Strecke auch Regionalverkehr unterwegs ist. Dort gilt eine Fußbodenhöhe von 55 beziehungsweise 76 Zentimetern. "Auf reinen S-Bahn-Strecken tritt das Problem gar nicht auf", sagt Bachteler. Es sei aber ohnehin das Ziel, langfristig die Fußbodenhöhe aller Zugarten anzugleichen. Insofern sei die Entscheidung jetzt auf jeden Fall fachlich richtig, wenn auch im Einzelfall vielleicht etwas schwer vermittelbar.

Was auf den betroffenen Bahnhöfen wie etwa Witten/Wetter geschieht, ist noch unklar. Denkbar ist es, das Gleisbett aufzuschottern. Aber auch ein Anheben oder ein Rückbau des Bahnsteigs ist möglich. Lothar Ebbers nennt als Beispiele die Bahnhöfe Düsseldorf-Eller und Wuppertal Hauptbahnhof.

Dort sei nur eine kleine Passage des Bahnsteigs angehoben gewesen, um den bisherigen 96 Zentimetern Zughöhe gerecht zu werden. War bisher der größte Teil unpassend, verkehrt sich das Verhältnis hier zum Positiven. Ebbers: "Es wurden eben vor Jahren bestimmte Sachen vereinbart, die sich langfristig nicht als ganz optimal herausstellen."

(RP)