Tief "Ela" wirkt noch Tage nach: Bahnausfälle noch bis kommende Woche - 100 Millionen Euro Schaden in NRW

Tief "Ela" wirkt noch Tage nach : Bahnausfälle noch bis kommende Woche - 100 Millionen Euro Schaden in NRW

Die zweite Gewitternacht in Folge in Nordrhein-Westfalen verlief vergleichsweise glimpflich. Aber die Folgen der Unwetter am Pfingstmontag werden noch für Tage zu spüren sein - vor allem für Pendler und Bahnreisende. Auch einige Schulen bleiben weiter geschlossen. Die Schäden in NRW dürften sich auf mindestens 100 Millionen Euro belaufen.

Die Sturmschäden am Schienennetz in Nordrhein-Westfalen sind nach Angaben der Deutschen Bahn noch schlimmer als zunächst befürchtet. "Die Situation etwa um Essen und Dortmund ist verheerend. Es ist deutlich schlimmer als beim Orkan "Kyrill" 2007", sagte eine Bahnsprecherin am Mittwoch.

Um das Ausmaß abzuschätzen, würden die Strecken inzwischen mit Hubschraubern der Bundespolizei abgeflogen. Anders sei es nicht möglich, sich einen Überblick zu verschaffen. Die Zahl der blockierten Strecken sei trotz Hilfe aus anderen Bundesländern unverändert. 16 evakuierte Züge steckten am Mittwoch noch auf offener Strecke fest.

Ein geregelter Bahnverkehr ist nach diesen Angaben weiterhin unmöglich. Große Bahnhöfe wie Düsseldorf und Essen sind weitgehend vom Zugverkehr abgeschnitten. Obwohl tausende Mitarbeiter mit großem Einsatz an einer Normalisierung arbeiten, sei noch nicht absehbar, wann die Züge wieder fahrplanmäßig verkehren, erläuterte die Bahn.

Mit einer Wiederaufnahme des Zugverkehrs auf den gesperrten Strecken ist laut Bahn nicht vor Freitag zu rechnen. Einige Strecken werden voraussichtlich bis in die nächste Woche hinein gesperrt bleiben. (Einen ausführlichen Text zur Bahn finden Sie hier)

Die zweite Unwetterfront in Folge mit Gewittern, Starkregen und Hagelschauern

Die Nacht zum Mittwoch brachte viel Regen, aber die Gewitter richteten diesmal in Nordrhein-Westfalen deutlich weniger Schaden an.
"Beim Unwetter sind wir über den Berg, da können wir Entwarnung geben", sagte ein Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes. Für diesen Donnerstag sagen die Experten viel Sonne mit Temperaturen von 20 bis 25 für NRW voraus.

Die Nacht zum Mittwoch brachte die zweite Unwetterfront in Folge mit Gewittern, Starkregen und Hagelschauern. Die Schäden blieben aber örtlich begrenzt. Die größte Regenmenge meldete der Deutsche Wetterdienst aus Alsdorf bei Aachen, dort fielen in 24 Stunden 53 Liter pro Quadratmeter. Ebenfalls stark betroffen war das Sauerland. Auf dem Kahlen Asten wurden 38 Liter registriert, in Schmallenberg 28 Liter. Im östlichen Ruhrgebiet fielen 13 bis 16 Liter.

In Schmallenberg berichteten Augenzeugen von Hagelkörnern mit mehr als vier Zentimeter Durchmesser, die in Dachfenster und Lichthauben einschlugen. Ein Schulzentrum wurde mit Wasser vom Dach geflutet, das durch zerstörte Lichtkuppeln eindrang. In Dortmund und Düren schlugen nach Angaben der Feuerwehr Blitze in Dachbalken ein. Mehrere Keller wurden überflutet.

In Düsseldorf meldete die Feuerwehr keine neuen Schäden, dort machen aber, wie auch in Essen, die Schäden vom Montag noch viel Arbeit. Den ganzen Tag über waren Motorsägen zu hören. Die Feuerwehr Düsseldorf warnte erneut vor herabfallenden Ästen oder Dachziegeln.

Veranstaltungen auf der Einkaufsstraße Kö, darunter der "Bücherbummel", wurden aus Sicherheitsgründen abgesagt. Viele Städte haben ihre Wälder und Grünanlagen bis auf weiteres gesperrt. Für das Ruhrgebiet gilt nach einer Anordnung des Regionalforstamtes bis nächsten Mittwoch: Betreten des Waldes verboten. Die Gefahr durch herabfallende Äste oder umstürzende Bäume ist zu groß.

Auch die Kultur war am ersten Unwetterabend betroffen. Die Oper Duisburg musste eine Aufführung von Wagners "Lohengrin" mitten im dritten Akt abbrechen, weil es plötzlich auf die Bühne regnete. "Es regnete direkt ins Brautgemach", sagte Rheinoper-Sprecherin Monika Doll. Dann seien auch Putzbrocken auf die Bühne gefallen. Die Schäden hielten sich aber in Grenzen. Der Proben- und Vorstellungsbetrieb könne weiterlaufen.

20.000 Einsätze von Polizei und Feuerwehr

Das Innenministerium geht davon aus, dass bis zum Wochenende landesweit rund 20.000 Einsätze von Polizei und Feuerwehr nach dem Unwetter abgearbeitet sind. Bis zum Start des Berufsverkehrs am Mittwoch waren die Hauptverkehrsstraßen in der Regel passierbar. Die Zahl der Toten (6) und Verletzten (67) hat sich seit Dienstag nicht verändert.

Tief "Ela" hat mit seinem Gewittersturm in Nordrhein-Westfalen nach übereinstimmenden Angaben von Versicherern Schäden in Höhe von mindestens 100 Millionen Euro angerichtet. Dies sei eine realistische Größenordnung, sagten Sprecher mehrerer Versicherungen, die nicht genannt werden wollten.

Am Mittwoch bezifferte die Provinzial die Schäden bei ihren Versicherten im Rheinland auf 40 Millionen Euro. Es seien bereits über 14.000 Schäden an Wohngebäuden und Autos gemeldet worden. Für Westfalen nannte die Provinzial einen Betrag von 15 Millionen Euro.

Beim Gesamtverband der Versicherungswirtschaft hieß es, konkrete Zahlen lägen erst in einigen Wochen vor. Ähnlich hatte sich der weltgrößte Rückversicherer Munich Re geäußert.

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(lnw)
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