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Tödliches Unglück in Euskirchen: Baggerfahrer trifft auf Bombe - "Er hatte keine Chance"

Tödliches Unglück in Euskirchen : Baggerfahrer trifft auf Bombe - "Er hatte keine Chance"

Explosion in Euskirchen: Ein Baggerfahrer verfrachtet in einem Gewerbegebiet Bauschutt zu einer Zerkleinerungsmaschine. Dabei stößt er wohl auf einen Blindgänger. Der Mann stirbt bei der Detonation.

"So wie es aussieht, hatte er keine Chance", sagt Polizeisprecher Norbert Hardt nach dem Unglück. Ein markerschütternder Knall, eine Druckwelle fegt durch das rheinische Euskirchen bei Bonn. Sie reißt Fenster heraus, Löcher in Dächer, ganze Häuser erzittern. Sogar noch im Stadtzentrum, 400 Meter weiter, gehen noch Fenster zu Bruch.

Der Baggerfahrer stirbt. Zwei seiner Kollegen überleben schwer verletzt, sagt Hardt. In seinem Rücken das Unglücksgelände mit einem mächtigen Berg Bauschutt. Auf einem kleineren Hügel daneben steht der gelbe Unglücksbagger. Davor ein kleiner Krater. Ein Experte gehe von einer Luftmine aus, sagt Hardt. Ob er im Schutt lag oder im Boden, noch weiß das niemand. Hatte der Baggerführer die tödliche Fracht in der Schaufel? "Es kann sein, dass er nur leicht drangekommen ist", sagt Hardt.

"Ein gewaltiger Knall"

Direkt nebenan steht die massiv wirkende Halle einer Spedition. "Ich saß im Büro. Das war ein gewaltiger Knall. Da kamen mir der Monitor und die Schubladen entgegen. Zuerst habe ich an ein Flugzeug gedacht", sagt ein Beschäftigter. Er hatte Angst, dass die Decke runterkommt. Er lief raus, sah den Bagger - wollte irgendwie helfen. Sah den Baggerführer nicht, aber einen Mann voller Blut.

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Während er das schildert, mahnt ihn sein Chef, er solle nichts mehr sagen. Der Mann schweigt. Es sei gefasst, sagt er noch. Er brauche keinen Psychologen. Man ist versucht, es ihm zu glauben. Die Polizei mahnt, vom Dach der Halle wegzugehen. Niemand weiß, was da runterkommen kann. Vor der Halle stehen Autos, von der Druckwelle zerbeult, wie nach einem Unfall.

Die Einsatzkräfte haben das Industriegebiet weiträumig abgesperrt. Ein Polizeibeamter sagt, dass der Zeitpunkt des Unglücks irgendwie noch Glück war. An den Brückentagen haben wohl wenige Menschen auf dem Gelände gearbeitet. An einem Barackenbau sind die runtergelassenen Rollos rausgerissen, Glasscherben liegen davor, das Gebäude wirkt windschief.

Fenster gingen zu Bruch

Anwohner dürfen wieder in ihre Häuser zurück. "Das ist ja nicht das erste Mal, dass wir evakuiert wurden", sagt eine Frau. Sie wohnten schließlich in der Nähe des Bahnhofs. Und der sei im Zweiten Weltkrieg Ziel von Angriffen gewesen. Sie saß bei dem Unglück mit ihrem Mann gemütlich auf dem Sofa, als sie den Knall hörten. "Das Haus zitterte", erzählt sie. Ihr Mann habe direkt an eine Bombe gedacht. Die Haustür hat sich verzogen, beim Sohn ging ein Fenster zu Bruch. Bei den Nachbarn klaffen Löcher im Hausdach, wie nach einer Windhose.

Sprengstoffexperten und Kriminalpolizisten stehen an dem Bagger. Erste Spurensuche nach Überresten. Am Freitagabend gibt es noch viele ungeklärte Fragen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Euskirchen: Ein Toter nach Bombenexplosion

(lnw)