Bädersterben in NRW: Bürger wollen ihre Schwimmbäder retten

Zukunft der Volksbäder in NRW: Bürger wollen ihre Schwimmbäder retten

Die Zukunft der öffentlichen Badeanstalten ist vielerorts bedroht: In NRW stehen 19 Bäder vor der Schließung. In Bonn, Duisburg und Niederkrüchten wollen die Bürger ihre alten Bäder reaktivieren.

Der Hitzesommer 2018 könnte den Freibädern in diesem Jahr einen Besucherrekord bescheren: Für viele Freibadbetreiber dürfte das ein Grund zur Freude sein, denn die vielen Besucher spülen zusätzliche Einnahmen in die leeren Kassen.

Öffentliche Badeanstalten sind für die meisten Kommunen in NRW eine finanzielle Belastung. Steht eine Stadt oder eine Gemeinde unter Sparzwang, wird dort häufig als erstes der Rotstift angesetzt. In Niederkrüchten etwa bleibt in diesem Sommer das Freibad geschlossen.

Die Zahl der Schwimmbäder in Nordrhein-Westfalen nimmt seit einigen Jahren stetig ab. In diesem Jahr sind bereits acht Bäder geschlossen worden, teilte die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) Ende Juli mit. 19 Bäder seien von einer Schließung bedroht. Seit Anfang 2016 sind in NRW 36 Schwimmbäder dicht gemacht worden.

Zahlen der Deutschen Gesellschaft für Badewesen zeigen, dass die Zahl der Schwimmbäder seit dem Jahr 2000 deutlich zurückgegangen ist. Der von der Gesellschaft veröffentlichte Bäderatlas zählt aktuell 4975 Hallen- und Freibäder, hinzukommen laut Geschäftsführer Christian Ochsenbauer rund 1000 Schulschwimmbäder. Im Jahr 2000 waren es etwa 6700 Hallen- und Freibäder. Demnach hat in den vergangenen 18 Jahren gut jedes zehnte Schwimmbad geschlossen. DLRG und Bädergesellschaft warnen schon seit Längerem unisono, dass darunter auch das Schulschwimmen leidet. Schwimmunterricht findet seltener statt, die Wege der Schüler zu den Schwimmbädern verlängern sich.

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„Man kann öffentliche Bäder nicht wirtschaftlich betreiben“, sagt Martin Lehrer, Sprecher des Städte- und Gemeindebunds in NRW. Das liegt daran, dass die öffentlichen Bäder zur Daseinsfürsorge der Kommunen für ihre Bürger gehören. Sie benötigen vielerorts Zuschüsse von mehr als 50 Prozent, sagt Lehrer. „Die Bäder müssen die pädagogischen und sozialen Bedürfnisse der Bürger abbilden.“ Dazu zählen Schulschwimmen, die Nutzung durch Vereine und soziale Programme und Kurse für soziale Randgruppen. „Wollte man ein Bad wirtschaftlich betreiben, braucht man ein Konzept für ein Spaßbad oder ein Bad mit Wellnessbereich“, sagt Lehrer. „Die Leute geben heute gerne mal 20 bis 30 Euro pro Person für einen Sauna-Besuch aus.“ Deswegen schließen Kommunen lieber ältere Schwimmbäder, die Sanierungsstau haben, und bauen neu. In Bonn etwa streitet man sich seit Jahren, welche städtischen Bäder schließen müssen, weil sie im Unterhalt zu teuer geworden sind. Die Stadt wollte stattdessen lieber ein neues Spaßbad bauen und dafür zwei Stadtteilbäder schließen. Auch in Niederkrüchten gibt es Pläne statt des Freibads ein interkommunales Hallenbad zu bauen.

Vielerorts ruft der Schwund in der kommunalen Bäderlandschaft die Bürger auf den Plan. In Niederkrüchten sammelt Dirk Zilz Unterzeichner für eine Online-Petition gegen die Schließung des Freibads. Ginge es nach ihm und seinen Unterstützern unter den Niederkrüchtenern, würde das Freibad voll saniert und zusätzlich ein kleines Hallenbad mit modernen Duschen und Umkleiden dort neu gebaut.

In Bonn haben die Bürger vorige Woche gegen den Neubau des Spaßbades gestimmt. Sie wollen lieber, dass die Stadtteilbäder saniert werden. Und in Duisburg wünschen sich die Bürger ihr altes Freibad Töppersee wieder zurück. Das Bad hat schon vor zehn Jahren dicht gemacht. Seither ist die Anlage dem Verfall überlassen. Eine Duisburgerin hat eine Online-Petition gestartet, um die Stadt Duisburg zum Wiederaufbau aufzufordern. 3200 Unterschriften sind nötig, knapp 2700 haben bereits unterschrieben.

Wie ernst es manchen Bürgern ist, wenn ein Bad bedroht ist, zeigt ein Beispiel aus Düsseldorf. Das Kaiserswerther Freibad - ursprünglich den Diakonissen der dortigen Diakonie vorbehalten - wird seit 20 Jahren von einem Bürgerverein betrieben. Das Bad läuft dank Mitgliederbeiträgen und Sponsoren. „Fast alle Nachbarn sind mittlerweile Mitglied bei uns“, sagte die Badleiterin Birgit Korz kürzlich dem WDR.