Bad Oeynhausen: Heilpraktiker soll kinderpornografische Fotos in Praxis gemacht haben

Ermittlungen in Bad Oeynhausen : Heilpraktiker soll kinderpornografische Fotos in Praxis gemacht haben

Ein 60 Jahre alter Physiotherapeut und Heilpraktiker aus Bad Oeynhausen in Ostwestfalen steht im Verdacht, in seiner Praxis bei Behandlungen pornografische Fotos von Kindern angefertigt zu haben. Die Polizei steht in der Kritik.

Der Therapeut soll zudem zahlreiche kinder- und jugendpornografische Bilder besessen haben. Der Mann befinde sich wegen Wiederholungsgefahr seit vergangener Woche in Untersuchungshaft, teilte die Polizei Dortmund am Donnerstag mit.

Die Staatsanwaltschaft Bielefeld ermittelt gegen den Mann wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs von Kindern und des Besitzes von Kinderpornografie. Weitere Verdächtige gebe es nicht, sagte Staatsanwalt Moritz Kutkuhn von der Staatsanwaltschaft Bielefeld. Die Kinder seien unter 14 Jahren alt. Spezialisierte Ermittler und Opferschutzbeauftragte des Polizeipräsidiums Dortmund unterstützten die Kreispolizeibehörde Minden-Lübbecke bei den Ermittlungen, teilte die Polizei mit.

Die Beamten sollen auf den Therapeuten aufmerksam geworden sein, nachdem ein IT-Fachmann zufällig kinderpornografische Bilder auf dem Computer des Mannes entdeckt und die Polizei eingeschaltet hatte. Das berichtet die „Bild“. Die Ermittlungen gingen offenbar nur schleppend voran. So sollen Beamte zwar mehrmals bei der Privatadresse des Verdächtigen geklingelt, dann aber wieder gegangen sein, weil niemand öffnete.

Innenminister Herbert Reul (CDU) sieht bei den Ermittlungen einen „klaren Fehler“ bei der Polizei. Laut dem Manuskript für einen mündlichen Bericht Reuls im Innenausschuss hätte der Fall „höher priorisiert“ werden müssen, da der Verdächtige als Kinder- und Jugendtherapeut „freien Zugang zu Kindern und Jugendlichen“ gehabt habe. Der Fall lag laut Reul seit November 2017 bei der Kripo Minden-Lübbecke. Erst am 8. März dieses Jahres sei es zu einer Durchsuchung gekommen, seit dem 29. März sitze der Mann in Untersuchungshaft. Laut Reul gebe es bisher eine „mittlere einstellige Zahl von Opfern“. Es sei „aber nicht auszuschließen, dass es noch weitere Opfer gibt, möglicherweise sogar viele“, so der Minister weiter. Mit dem Fall seien jetzt 80 Ermittler beschäftigt. In einer ersten Mitteilung der Polizei war zunächst die Rede von zwei Opfern. Staatsanwalt Kutkuhn konnte am Nachmittag noch keine genau Zahl nennen.

Aufgrund der laufenden Ermittlungen sowie aus Opfer- und Persönlichkeitsschutzgründen werden zur Identität von Geschädigten oder zu Einzelheiten der Tatbegehung keine weitergehenden Auskünfte gegeben, teilte die Polizei Dortmund mit. Telefonisch sind die Opferschutzbeauftragten und Ermittler unter Telefon 0231 - 132 7444 erreichbar.

Beamte und Opferschutzbeauftragte sind bis einschließlich Samstag, 6. April, von 10 Uhr bis 20 Uhr mit mobilen Teams vor Ort ansprechbar: In Minden, am Markt, und in Bad Oeynhausen, Herforder Straße / in Höhe des Bahnhofs. „Das ist eine ungewöhnliche Maßnahme“, sagt Staatsanwalt Kutkuhn. Die Ermittler hofften aber, auf diese Weise mögliche weitere Opfer und Zeugen zu finden.

(hsr/dpa)
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