B8 Düsseldorf: Autofahrer bremst anderen Wagen aus - und rettet Leben

Epileptischer Anfall am Steuer : Autofahrer bremst anderen Wagen aus – und rettet Leben

Ein Fahrer erleidet auf der B8 in Düsseldorf in seinem Auto einen epileptischen Anfall und kann den Wagen nicht mehr kontrollieren. Ein angehender Fahrlehrer bremst ihn aus und rettet ihm damit vermutlich das Leben.

Am Donnerstagmittag ist Tim von Dahlen mit seinem Auto auf der Bundesstraße 8 auf dem Weg nach Düsseldorf. Der 40-Jährige ist beruflich unterwegs; er macht eine Ausbildung zum Fahrlehrer. Da fällt ihm plötzlich ein vor ihm fahrender Renault auf. Das Fahrzeug kann sich kaum in der Spur halten. Dann kommt eine Tagesbaustelle. Der Renault rammt mit dem Außenspiegel ein Baustellenschild. „Spätestens da wusste ich, dass mit dem Fahrer etwas nicht in Ordnung sein muss“, sagt von Dahlen. Doch das Auto fährt unbeirrt weiter, kommt immer wieder von der Fahrbahn ab, prallt dabei gegen die Betonleitplanken. Dennoch hält sich der Wagen irgendwie auf der zweispurigen Fahrbahn.

Autofahrer bremst anderen Wagen aus – und rettet Leben

Van Dahlen, der in Mönchengladbach wohnt, beschließt, das Fahrzeug rechts zu überholen und auszubremsen. „Ich musste das tun, weil der Wagen sonst vermutlich gegen einen Brückenpfeiler gefahren wäre. Und die Brücke kam immer näher“, sagt er. Er schaltet den Warnblinker ein, um den nachfolgenden Verkehr zu warnen. Als er auf gleicher Höhe mit dem Renault ist, schaut er ins Wageninnere. „Der Fahrer hatte Schaum vorm Mund und blutete im Gesicht. Er schlug wild mit den Armen ums sich“, erzählt der 40-Jährige nur wenige Stunden später.

Um den Wagen zu stoppen, setzt sich der angehende Fahrlehrer sich mit seinem Auto vor den Renault drosselt dann seine Geschwindigkeit langsam runter. Und tatsächlich gelingt es ihm, das Fahrzeug zu stoppen. „Dabei wurde ich in meinem Auto noch 90 Grad vor den anderen Wagen geschoben“, sagt von Dahlen. Dennoch bleibt er unverletzt.

Nach dem erfolgreichen Manöver sieht er sofort im Renault nach dem anderen Fahrer und verständigt die Polizei. Der Mann, laut Polizei 29 Jahre alt, liegt benommen auf seinem Sitz. Er hatte einen epileptischen Anfall, wie sich später herausstellt. Ansonsten bleibt auch er unverletzt. Zufällig fährt ein Anästhesist an der Unfallstelle vorbei und hält an. „Er hat dann sofort medizinische Hilfe geleistet“, sagt von Dahlen. Das Unfallopfer wird mit einem Rettungswagen in ein Krankenhaus gebracht. „Er war da schon wieder ansprechbar.“

Die Polizei Düsseldorf lobt den Einsatz von Dahlens als professionelle und couragiert. „Sein Eingreifen ist nicht hoch genug einzuschätzen. Das war vorbildlich. Ich habe so etwas in meiner fast 40-jährigen Dienstzeit noch nicht erlebt“, sagt der Düsseldorfer Polizeisprecher André Hartwich. „Er hat in Kauf genommen, selbst zu Schaden zu kommen bei der Aktion. Dieses selbstlose Verhalten sieht man in der heutigen Zeit leider nicht mehr häufig.“ Mit seinem Verhalten habe er vermutlich viel Schlimmeres verhindert, meint Hartwich. „Wenn der Fahrer einfach weitergefahren wäre, hätte es auch Tote geben können.“ Auch van Dahlen selbst hätte schwer verletzt werden können – zumal er selbst nur einen VW up fuhr, also ein deutlich kleineres Fahrzeug.

Laut Polizeibericht war der 29-Jährige gegen 13 Uhr mit seinem Renault auf der Danziger Straße (B 8) aus Richtung Norden in Richtung Düsseldorf unterwegs. Kurz vor der Ausfahrt Düsseldorf-Kalkum fuhr der Fahrer des Renault Schlangenlinien und benötigte die gesamte Breite der zweispurigen Richtungsfahrbahn. Beide Fahrzeuge mussten nach dem Vorfall abgeschleppt werden.

Mit seinem Wagen bremste von Dahlen den anderen Wagen aus. Dessen Fahrer war nicht mehr in der Lage, das Auto zu steuern. Foto: Christoph Reichwein (crei)

Von Dahlen ist froh, dass alles glimpflich verlaufen ist. „In solchen Momenten denkt man nicht großartig nach. Man handelt einfach“, sagt er. „Zum Nachdenken bleibt auch keine Zeit.“ Ein wenig ärgert der 40-Jährige sich jedoch über das Verhalten anderer Autofahrer, die an der Unfallstelle vorbei gefahren sind. „Die haben mich zum Teil aus ihren Autos heraus wüst beschimpft, weil wir die Straße blockiert haben und sie nicht schnell genug durchkamen“, sagt er. „Selbst als die Polizei da war und absperrte, sind manche noch durch die Absperrung gefahren.“